AMPO-Rundbrief Februar 2011

Aktuelle Nachrichten aus Burkina Faso

Liebe AMPO-Freunde,

hier kommt nun mal ein etwas dickerer Brief aus Afrika – mit der Extrapost. Allen AMPO-Kindern geht es gut, dies einmal zu allererst. Dies ist mein 50. Rundbrief an Freunde und Spender unserer Einrichtungen für Kinder in Ouagadougou, ich bin stolz: bis hierhin haben wir es alle zusammen, Sie dort und wir hier, gut geschafft! Ich nehme diesen Anlass, um Sie über eine neuerliche geplante Einrichtung hier in BF zu informieren. Eigentlich hatte ich ja verbindlich geschworen nun nichts Neues mehr zu beginnen. In Ruhe und mit guter Planung sollte das bereits vorhandene Werk gedeihen und fortgesetzt werden.

Normalerweise halte ich meine Versprechen, aber diesmal hatte ich keine Wahl, denn aufgrund unseres großen Einsatzes für die Flutopfer im vorletzten Jahr schenkte uns der Bürgermeister als Dank ein Grundstück von 3.200 qm, für soziale Zwecke. Dies ist ein ganz unglaublich großzügiges Geschenk hier in Ouagadougou, wo die genormten Grundstücke 250 qm haben. Ich konnte nicht ablehnen!

Das Grundstück
Das Grundstück

Nach gehöriger Bedenkzeit entstand folgender Plan: Da das Grundstück im Außenbezirk der Hauptstadt liegt, wollen wir eine kleine Gemüsefarm für zwanzig Mädchen bauen, auf der gleichzeitig fünf alte Frauen, Bettlerinnen in erschreckenden Lebensumständen, leben sollen. Wir wollen der Landflucht entgegenwirken, denn diese Mädchen können ihre Kenntnisse über biologischen Anbau und Kleintierzucht in ihren eigenen Dörfern später weitergeben. Mit diesem System haben wir mit unserer großen Landwirtschaftsschule für Jungen bereits beste Erfolge erzielt. Die jungen Mädchen sollen sich um die alten Frauen kümmern, gleichzeitig sollen sie bei ihnen Rat einholen können über gute Traditionen, die auch hier langsam verloren gehen, wenn sie nicht beizeiten weitergegeben werden. Es wird ein Generationenhof. Eine kleine Töpferei ist angeschlossen, denn auch das Töpfern kann später auf dem Dorf ohne großen Aufwand betrieben werden und bildet eine Einkommensquelle.

Liebe AMPO-Freunde, bislang ist diese neue Einrichtung den meisten von Ihnen noch ganz unbekannt. Wir haben im letzten Jahr erst einmal die Finanzierung der alles umschließenden Mauer betrieben, ohne die es nun einmal in Afrika nicht geht. Wir verkaufen sie pro Meter und ungefähr die Hälfte ist bereits geschafft. Jeder Meter kostet 80 Euro und bekommt die gewünschte Farbe des Spenders. Von knallrot über mintgrün und dunkelblau wird diese Mauer einzigartig in Burkina Faso sein! Auch die Brunnenbohrung, einige der Gebäude und die Töpferei sind schon finanziert. Es ist (nach zwanzigjähriger Erfahrung in der Entwicklungshilfe dieses Landes kann ich dies sagen) relativ leicht, Spender für ein Haus, einen Brunnen oder auch einen Hühnerstall zu finden. Gerne haben Geber am Ende einen guten Bericht, alle abgerechneten Kostenvoranschläge und ein veritables Foto ihres gespendeten Werkes in den Händen. Ich kann das gut verstehen, selbst die deutsche Regierung betreibt in Afrika keine sozialen Einrichtungen, sondern gibt ausschließlich technische Hilfe.

Viele gespendeten Gebäude hier stehen leer, weil niemand den Unterhalt für ein Projekt aufbringt. Dies ist sehr schade und ein veritables Zeichen mangelnden Vertrauens in Afrika – und zwar ganz zu recht, in meinen Augen. In diesem Land mit 80% Analphabeten (wie Quittungen ausschreiben? Unterzeichnet wird oft mit drei Kreuzen oder Daumenabdruck…) ist es außerordentlich schwierig eine korrekte Buchhaltung zu betreiben und sämtliche Ausgaben unter strenger Kontrolle zu halten! AMPO kann ́s. Die langjährige Übung lässt uns jede Buchprüfung mit Bravour bestehen.

Allerdings ist es die größere Aufgabe, ein Haus mit Leben zu erfüllen. Die Jugend braucht eine Menge Unterstützung um später im Leben ein Auskommen zu finden. AMPO hat in den letzen 15 Jahren bewiesen, dass es möglich ist, eigentlich bereits aufgegebenen Kindern eine Zukunft zu ermöglichen. Gerade gestern Abend hatte ich Besuch von Bouba, ein Vollwaise, der in AMPO groß wurde. Er hat sein Abitur und sein Diplom als Krankenpfleger und arbeitet seit nun drei Jahren 400 km entfernt praktisch in der Wüste im Norden des Landes. Ohne die Hilfe von Laborergebnissen und Röntgenbildern behandelt er als zweiter Mann in einer Krankenstation alle Armutskrankheiten und begleitet Geburten im Schein der Petroleumlampe.

Er gibt nicht auf, ab dem nächsten Jahr besucht er neuerlich eine Schule und wird nach zwei Jahren Attaché de Santé, hier bereits ein gut bezahlter Posten. Solche Menschen tragen die Zukunft Afrikas. Und solche Menschen wollen wir auch im neuen Farmprojekt für Mädchen finden!

Noch fehlt uns die jährliche Finanzierung mit ca. 3.100 Euro monatlich. Darin ist alles enthalten, von medizinischen Kosten bis zur Morgengrütze, von Kaninchenfutter bis zu den Gehältern der Betreuer, von Gummistiefeln bis zum Saatgut. Im Jahr macht das 37.000 Euro aus, und auch diese Summe könnten sich verschiedene Geber teilen. Bislang habe ich aufgrund meiner Erfahrung noch niemals eine Einrichtung angefangen ohne eine finanzielle Absicherung des täglichen Bedarfes auf drei Jahre. Darum setze ich Sie nun in Kenntnis unseres Vorhabens, in der Hoffnung auf Ihr Vertrauen in AMPO. Viele von Ihnen spenden regelmäßig und sprechen auch mit Freunden darüber, so gewinnen wir über die Jahre immer mehr Freunde. Ein zusätzlicher Beitrag zu diesem neuen Projekt sollte Ihre sonstigen und bereits „gewohnten“ Spenden an uns aber lieber nicht beeinträchtigen, sonst kommen wir mit den laufenden Kosten für die vielen Kinder nicht aus. Es sollte also eine „Extraspende“ sein. Wenn wir zwölf Menschen finden, die jeweils 3.100 Euro jährlich geben, ist der Unterhalt für alle Farmbewohner bereits für ein Jahr gesichert. Auf diese Absicherung warten wir, um den Bau fertigzustellen. „Dieu est grand“, wie man hier beständig sagt, und daran glaube ich. Gerne möchte ich ein Signal setzen, und dies soll die einzigartige Mauer sein! Mit deren Bau, finde ich, sollten wir schon mal anfangen, denn sonst muss ich dem Bürgermeister sein Grundstück zurückgeben. Kommt ja gar nicht in Frage! Dann kommt ab Mai die Regenzeit und zu dieser Jahreszeit ist jegliches Bauen ausgeschlossen. Und bis zum Oktober, dessen bin ich sicher, werden wir genügend freundliche Menschen finden, die unseren Mädchen eine gute Chance geben wollen. Wenn wir dann so richtig loslegen – und das können wir – sollte die neue Einrichtung zum Beginn 2012 fertiggestellt sein, von Leben erfüllt.

Ich freue mich sehr über Sie alle, jeden Tag von morgens bis abends, denn ohne Sie wäre ein AMPO und das Leben aller unserer Waisenkinder und von buchstäblich Tausenden von Menschen undenkbar. Alleine (gerade machen wir unsere Jahresstatistik, darum weiß ich dies so genau) in unserer Krankenstation behandelten wir im Jahre 2010 mehr als 60.000 Patienten. In unserer Sozialstation hörten wir die Sorgen von fast 100.000 Menschen, meist Frauen und Müttern. Oft finden wir Lösungen mit ihnen gemeinsam.

Und auch für die neue Mädchenfarm finden wir Geber, dessen bin ich gewiss! Es ist, wie immer bei uns, ein kleines Projekt, es soll auf afrikanische Art und Weise wachsen. Große Vorhaben gehen hier oft kaputt in der Wirklichkeit des rauen und so armen Lebens. Dieses Konzept aller unserer Einrichtungen erweist sich nach 15 Jahren Arbeit als richtig. Alle Zahlen, Budgetplanungen, Einzelkosten, Anträge und offene Postionen können Sie jederzeit im Büro abfragen. Frau Sabine Duwe weiß bestens Bescheid, wir arbeiten eng zusammen.

Das neue Vorhaben heißt „Emma Yiri“, der Hof von Emma, und Emma ist mein neues kleines Enkelkind.

Ich wünsche Ihnen einen besonders schönen Tag – mit unserer Idee in Kopf und Herz!
Ihre Katrin Rohde aus Ouagadougou

SAHEL e.V.
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