AMPO-Rundbrief April 2011

Aktuelle Nachrichten aus Burkina Faso

Liebe AMPO-Freunde, liebe Geber und Spender für unsere Kinder in Burkina Faso,

hoffentlich geht es Ihnen allen gut.

Unsichere Zeiten haben wir hier in Westafrika, und gerade nun merke ich einmal mehr, wie sehr Sie uns mit Ihren guten Gedanken an uns stützen!

Vier Nächte gab es hier eine Ausgangssperre, die gestern wieder aufgehoben wurde, und wir hörten viele Schüsse, Pistolen, Gewehre, Mörser. Das ist sehr unheimlich in solchen stillen Nächten.

Vor einigen Wochen gab es aufgrund eines Vorfalles in Koudougou eine Studentenrevolte, die Kommissariate und Justizgebäude wurden dort zerstört, andere Städte schlossen sich an. Diese Demonstrationen zeigten klar, wie unzufrieden die Schüler mit ihren Lebenskonditionen sind, und das Militär schloss sich an. Die Schulen schlossen für vier Wochen. Das Schulgeld erhöht sich jährlich, das Militär wird schlecht bezahlt und behandelt, die Lebenskosten steigen hier unglaublich. Banken und Tankstellen schlossen. Wie sollte ich die Gehälter zahlen?

So hatten wir im wahrsten Sinne des Wortes einige „heiße Wochen“, denn gleichzeitig stiegen die Temperaturen hier auf 48 Grad – anstrengend für alle Bewohner dieses Landes, alle werden doch sehr schnell ungeduldig und haben weniger Nerven. Dazu kommen die Erhebungen in Lybien, Syrien, vielen anderen Ländern und – für uns hier am schlimmsten – in der Elfenbeinküste. Mehr als drei Millionen Menschen aus Burkina Faso wohnen dort, fast jeder hier hat dort einen Verwandten. Dies sind unsere direkten Nachbarn, und hunderte von Menschen mussten ihr Leben dort im Bürgerkrieg, dem schrecklichsten aller Kriege, lassen.

Bislang ist Burkina Faso das friedlichste aller Länder der Welt, die Akzeptanz und die wirkliche echte Toleranz gehören zur Basis unseres täglichen Lebens.

Auch diesmal hat der Präsident erst einmal alle Autoritäten von Justiz bis Militär und die Würdenträger der Religionen tagelang angehört, was die Situation schon einmal beruhigte. In Kirchen und Moscheen, in Radio und Fernsehen wird gemeinsam für den Frieden gebetet, und ich liebe mein wunderbares altes Burkina dafür!

Gestern wurde die Ausgangssperre aufgehoben, ich war abends in der Stadt: dort tobte das Leben! Alle feierten die neu gewonnene Freiheit.

Nun wollen wir sehen, wie es weitergeht. Wir schauen gebannt auf die Elfenbeinküste und wünschen und beten, dass der Kampf dort endlich ein Ende hat und damit auch dieses Land ruhiger wird.

Soviel zur Lage – bei AMPO geht das Leben seinen Gang, unser einziges Zugeständnis war, da alle Schulen geschlossen waren, den abendlichen Nachhilfeunterricht der Kinder auf den Tag zu verlegen und die Kinder nicht mehr draußen im Hof schlafen zu lassen, was sie bei der großen Hitze gerne tun. Es wurde aber wegen der herumfliegenden Kugeln zu gefährlich, und leise murrend und protestierend mussten sie ihr herrliches riesiges gemeinsames Mattenlager unter unserem Mangobaum aufgeben. Ab heute soll nun wieder Schule stattfinden. Wir nutzten die Zeit und haben das ganze Schuljahr täglich mit den AMPO-Kindern durchgenommen, wir sind gut vorbereitet – was aber ist mit den anderen …?

Vor diesen Ereignissen war ich für zehn Tage in Spanien und machte eine Vortragstour durch die Alicante. Dort haben wir Freunde, die diese Reise gut vorbereitet hatten, und sehr glücklich kann ich berichten, dass unser Projekt für unterernährte Kinder das nächste Jahr abgesichert ist. Was für ein Glück, denn 2400 Babies und Kleinkinder durften dort im letzten Jahr das überleben üben! Bis auf einen haben es alle geschafft. Innigen Dank nach Spanien!

Gerade kam wieder ein Container an, und abgesehen von den zuverlässigen großen Kisten mit Bekleidung der Firma Bonita waren Werkzeuge, Mengen von Stiften, selbstgestrickte Babyjäckchen, Sportgeräte, Nähmaschinen und Büromaterial darin. Aus Tschechien und Deutschland kamen große Mengen an Brillen, sowie Spielzeug und Hefte für die Kinder. Eine liebe Spenderin stiftete 200 gelbe Verkehrswesten und die DEKRA unzählige Reflektoren und Cappies, so dass unsere Kinder nun alle geschützt ihre Schule erreichen können. In dieser Zweimillionenstadt existiert keine einzige Fußgängerampel, und fast alle müssen auf dem Schulweg eine vierspurige Straße überqueren – selbst für Erwachsene eine Aufgabe die viel Geduld und große Aufmerksamkeit verlangt. Außerdem erhielten wir eine gesamte neue Ausrüstung für den Kinesietherapeuten in der Reha-Station. Roc meinte, sowas gäbe es in Burkina nicht noch einmal, so gute Streckbänke und andere technische Geräte, sowas hat nicht einmal das große Krankenhaus. Großen Dank! Einige davon geben wir ab an das Kinderkrankenhaus. Diesmal hatten wir genügend Containerauspacker, denn die Kinder hatten ja schulfrei. Einmal mehr danken wir allen Paketpackern, allen so liebenswürdigen Pateneltern und anderen Gebern!

Glücklicherweise konnte ich vor meiner Reise die berühmte Mauer für unseren neuen Generationenhof „Emma Yiri“ fast fertigstellen, den Rest der Bauüberwachung übernahm zuverlässig wie immer mein Mann. Die Farmschüler aus der Farm Tondtenga haben dort bereits 80 Bäume für ihre kleinen Schwestern gepflanzt, eine riesige Arbeit bei unserem harten Boden. Diese werden täglich zweimal von unserer netten alten Nachbarin mit unserem Esel Uschi, der die Wassertonne zieht, begossen. Alle Bäume sind einzeln umzäunt, sonst wären sie schon lange von den frei herumlaufenden Ziegen aufgefressen!

Nun also geht es zum Ende der Woche ans Anstreichen der Mauer, in den vielen verschiedenen Farben, die Sie, unsere Spender, sich gewünscht haben. Das wird spannend! Die einfachen Farben wie rot, pink, gelb, blau, orange, weiß, schwarz, türkis, lila, weinrot, terracotta und olivgrün, hellgrün, mintgrün etc. – das machen wir gemeinsam mit den Kindern. Schwierig wird es dann bei den Spezialwünschen wie „schwarz-rot-gold“ (kein Gold in BF – als Farbe) oder neongrün (keine Neonfarbe hier).

Und wie um Himmelswillen soll ich auf drei Sprachen, deutsch, englisch und More, die Worte „Frauen für den Frieden“ auf drei Meter hinbekommen? Na klar kriegen wir das hin! Alle diese Probleme müssen wir auf afrikanische Art lösen. Ich freu mich schon sehr drauf, dies wird ein Hauptspaß!

Gestern Nachmittag besuchte ich die Häuser MIA und ALMA, zu meiner großen Zufriedenheit läuft dort alles ruhig und gut. In der Farmschule war ich morgens. Es gibt 18 kleine Ferkel, vier Kälbchen in weiß und braun, und ein kleines schwarzes Fohlen namens Fofo (das heißt in der Sprache der Peul, nämlich fulfulde, „Willkommen“).
So sind wir von Hoffnung umgeben.

Hoffen Sie mit uns, bleiben Sie bei uns, es dankt Ihnen allen von Herzen
Ihre Katrin Rohde
aus Ouagadougou

***

Liebe Spenderinnen und Spender, liebe Freunde von Sahel e.V. und AMPO,

wie Sie den Worten von Katrin Rohde entnehmen können, läuft bei AMPO trotz der schwierigen Zeiten in Burkina Faso alles seinen guten Gang.

In der Geschäftsstelle sind die Arbeiten zum Jahresabschluss 2010 abgeschlossen. Die Jahresberichte der einzelnen AMPO – Einrichtungen sind übersetzt und mit dem Tätigkeitsbericht von Sahel e.V. für alle Interessierten auf unserer Website www.sahel.de ab sofort einsehbar. Auch den hier angefügten Reiseplan für die bevorstehende Vortragstour von Katrin Rohde im Mai 2011 durch Deutschland können Sie dort finden. Vielleicht können Sie es einrichten, an der einen oder anderen Veranstaltung mit Katrin Rohde teilzunehmen, es wäre uns eine große Freude! Abschließend noch ein letzter Tipp von uns – seit einiger Zeit sind wir im Internetportal „Bildungsspender“ registriert. Hier haben Sie auf ganz einfache Art und Weise die Möglichkeit, uns durch Ihre Einkäufe im Internet zu unterstützen. Wenn Sie mögen, schauen Sie doch einmal unter http://www.bildungsspender.de/ampo vorbei.

Bei allen Fragen und Anregungen stehen wir Ihnen gern und jederzeit zur Verfügung.
Wir wünschen Ihnen einen sonnigen Frühling, danken Ihnen für Ihre Verbundenheit und grüßen Sie ganz herzlichen

Ihre Ricarda Dittrich und Sabine Duwe
aus dem Plöner Büro

SAHEL e.V.
Am Strohberg 2 • 24306 Plön • Tel.0 45 22 – 78 98 85 • Fax 0 45 22 – 78 98 86
Email: info.sahel@sahel.de Internet: www.sahel.de
Spendenkonto bei der Förde Sparkasse Plön: • Kto. Nr. 5785 • BLZ 210 501 70
Internationale Bankverbindung: IBAN (Konto-Nr.):
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