AMPO-Rundbrief Juli 2011

Aktuelle Nachrichten aus Burkina Faso

Liebe Freunde unserer Kinder in Westafrika,

ich hoffe, Ihnen allen geht es gut, die Familie hat einen schönen Sommer in Europa und Sie sind einmal ein wenig frei von den alltäglichen Sorgen! Hier bei AMPO bereiten wir uns gerade auf die Ferienkolonie auf dem Lande vor, die am 15. Juli für zwei Wochen stattfindet. Kisten werden bereits gepackt mit Frisbees, mit Monopoly- , Boule- und Scrabblespielen, mit hunderten von Seifenstücken, Medikamenten und Büchern. Viel Pflaster!

Die verschiedenen Küchen können erst im letzten Moment packen, denn noch brauchen wir ja unsere riesigen Suppentöpfe täglich. Allerdings horten sie schon getrockneten Gombo und Reissäcke, denn diese sind in der Provinz noch teurer als in der Stadt. Unsere Lebenshaltungskosten sind über 30% gestiegen in Burkina Faso, darum auch die allgemeine Unzufriedenheit, die sich in vielen, zur Zeit friedlichen Demonstrationen äußert.

Dieses mal reisen wir mit sämtlichen Kindern aus den Waisenhäusern plus der Häuser MIA und ALMA und der teilweise gelähmten Kinder aus der Reha-Station, die kein Zuhause haben. Alle Erzieher aus allen Projekten kommen mit, also insgesamt brauchen wir Busse und Unterkünfte für gut 280 Menschen, klein und groß!

Gott sei Dank sind wir wie immer bescheiden und mieten eine leer stehende Schule an, in deren Klassenräumen wir dann wohnen. Da ist es ja gut, dass wir bei uns keine Betten haben, die Kinder würden sich sonst damit schwer tun, auf einfache Matten umzusteigen! Alle sind schon sehr aufgeregt und basteln Angelruten und Springseile. Die Großen helfen den Kleinen, darin sind wir immer gut. Als Überraschung am Abfahrtstag will ich den Kindern 40 Trommeln kaufen, denn nun ist ja Zeit zum üben vorhanden. Alle bereits entlassenen studierenden Kinder (nun ja schon junge Erwachsene) helfen in der Kolonie mit.

In den letzten Monaten waren die Kinder sehr angespannt, denn wegen der Unruhen im Land konnten sie ganze 6 Wochen lang nicht zur Schule gehen. Schon auf dem Schulweg wurde geschossen. Die Angst trug auch nicht gerade zur Konzentration bei!
Wir bei AMPO konnten Dank unserer Nachhilfelehrer täglich den Schulstoff durchnehmen, und diese Aktion hat uns sehr geholfen: seit gestern sind die Resultate für die CEP-Prüfung (nach 6 Jahren Schule) da, und alle 8 AMPO-Kinder haben bestanden. Nun warten wir noch auf unsere BPC- und Abiturientenresultate. Es sieht gut aus. Wir sind mit den Kindern sehr zufrieden, sie danken uns und Ihnen allen wirklich mit guten Leistungen.

Wir freuen uns schon auf die neuen Kleinen, deren Auswahl gerade durch ein Psychologen- und Erzieherteam stattfindet – eine große Arbeit, denn wir glauben nichts und besuchen sämtliche Anwärter bei sich zu Hause, um alle Angaben nachzuprüfen. Wir nehmen nur die allerärmsten Kinder. Gleichzeitig startet bei AMPO die Organisation der Schulgeldbeihilfe für externe Kinder, die jedes Jahr so ca. 20.000 Euro kostet. Dies ist eine großartige Spende der Firma Jako-O, durch die 500 Grundschüler und 200 Gymnasiasten die Schule besuchen können. Hier helfen wir nur denjenigen, die schon gute Leistungen zeigen, denn wir wollen ja unser Land entwickeln. Faule haben keine Chance! Inzwischen haben wir alle Namen und Leistungen digitalisiert – tja, es geht vorwärts mit unserer Technik hier. Allerdings wäre es schön, wenn der dazugehörige Strom täglich fließen würde, doch immer noch haben wir manchmal 4-6 Stunden am Tag keine Elektrizität.

Viele Umbauten gibt es dieses Jahr bei AMPO, denn die Behindertenwerkstatt wird umquartiert, die Schneiderei zieht um und vergrößert sich, die Kinderküche zieht in die Schneidereiräume, und da fällt dann ein neuer Friseursalon für die Ausbildung
unserer Mädchen ab – ein langjähriger Wunsch, den wir uns erfüllen. Die Restaurantküche wird erweitert, und das ist dringend notwendig, denn unsere Kochlehrlinge stolpern übereinander. Haben Sie schon mal in einer 3 mal 3m – Küche für ein Restaurant mit 60 Plätzen gekocht und gleichzeitig einen Empfang in der Botschaft für 300 Gäste gecatert? Bei 45° Außentemperatur und dann am Herd? Ich sage Ihnen, die afrikanische Logistik ist spannend und klappt! Ab jetzt wirds aber einfacher!

Die ersten Bauten im neuen Generationenprojekt „Emma Yiri“ sind fertig. Nach dem dritten Bohrversuch fanden wir gutes Wasser in 48m Tiefe, Gott sei Dank und Inshallah! Davon hing alles ab, und ich stand bebend drei volle Tage neben der Bohrstelle … alles ging gut! Nun warten wir die ersten harten Regen ab, dann gehts ab August los mit dem Schulbau und dem Büro. Zum Teil ist die Mauer schon recht bunt, fertig wird sie dann vermutlich im Oktober. Zwischendurch muss ich noch zweimal nach Europa reisen, zu Vorträgen in Portugal und Dänemark.

Inzwischen ist es offiziell: Katrin Rohde ist nach intensiver Prüfung (über Tage!) ein aus Washington anerkannter ‚Ashoka Fellow‘. Vielleicht mögen Sie es einmal googeln, ich befinde mich in der ehrenwerten Gesellschaft mit 2000 anderen „Changemakers“ aus 70 Ländern. Gerade komme ich zurück aus einer viertägigen Konferenz in Paris, zu der ich eingeladen war. Diese Konferenz war hoch arbeitsintensiv und ich konnte an nichts anderes denken, als Afrika vorwärtszubringen. Ich passe da genau hin mit meinen vielen Ideen – und das ist ja selten genug, dass ich irgendwo reinpasse. Auf dem Foto sehen Sie unsere Sonderarbeitsgruppe Afrika nach zweistündiger Sitzung, Menschen mit den tollsten Ideen, unter anderem rechts ein Belgier aus Tansania und Mozambique, der Ratten züchtet, die Tellerminen detektieren, eine Uganderin die Gorillas schützt, indem sie der Bevölkerung, die diese isst, die Möglichkeit zu anderen Einkommen verschafft. In unserer Mitte Bill Drayton, der Gründer von Ashoka, ein alter Herr mit viel Charisma, hochprofessioneller und vergnügter Arbeitskraft.

Ashokafellows nehmen die Probleme anderer in die Hand und entwickeln praktische Modelle: Einem jungen Mädchen mit 16 wird gesagt, dass sie Krebs hat und sie gründet ein weltweites Netzwerk „girls for girls“, in dem schon zwei Jahre später 45.000 Mädels sich über ihre Probleme austauschen und Lösungen finden. Ein alter türkischer Bauer baut 8 Hektar Weizen biologisch an und gründet eine Lobby, in der sich heute nach vier Jahren 50.000 Bauern in der Türkei biologisch betätigen. Er ist Analphabet und spricht nur türkisch.

Ich selbst habe den Preis für die Idee und Ausführung unserer Farm TT bekommen, der Jugend auf dem Lande eine Chance zu geben, die Landflucht zu verhindern, dem Straßenjungenphänomen entgegenzuwirken und mit den Jungbauern hunderte von Bio-Farmen einzurichten, deren Nachbarn wiederum diesen Gedanken übernehmen. Ich bin mir trotzdem sehr klein vorgekommen und weiß, dass noch viel Arbeit vor mir liegt. Wir gründen nun einen Ashoka-Radiosender für Gesamtafrika. Hochmotiviert und dankbar sehe ich nach 20 Jahren, dass aus vielen unserer Waisenkinder richtungsweisende junge Menschen werden, eben solche, mit denen wir eine echte Zukunft haben werden.

Ich glaube, an unserem bisherigen Modell können wir noch arbeiten, für ein besseres Afrika! Natürlich gemeinsam mit Ihnen allen, ist es nicht spannend? Doch erst mal fahren wir in die Ferienkolonie, juhuuu! Dank Ihrer aller Hilfe werden wir uns prima erholen, faulenzen, singen und spielen und das neue Jahr mit neuer Kraft angehen.

Liebe Paten, bitte denken Sie trotz sommerlicher Temperaturen schon jetzt an Weihnachten. Der Container mit den Päckchen geht Anfang September!

Herzlichste Grüße und beste Wünsche von
Ihrer Katrin Rohde aus Ouagadougou

SAHEL e.V.
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