AMPO-Rundbrief April 2012

Aktuelle Nachrichten aus Burkina Faso

Liebe AMPO-Freunde, liebe treue Helfer und Begleiter durch viele Jahre!

Was gibt es nicht mal wieder alles zu berichten aus unserem kleinen Burkina Faso, wo beginne ich? Erst einmal, sehr afrikanisch, mit einem freundlichen Gruß und der Frage: Wie geht es Ihnen und Ihren Familien? Hoffentlich gut und langsam frühlingshaft beschwingt! Ja, natürlich beginne ich mit dem Frauentag, denn der liegt gerade hinter uns! Dieser Tag ist in ganz Afrika jedes Jahr ein großes Ereignis im Leben von Müttern, Tanten, Töchtern, Freundinnen und Cousinen, alle treffen sich und möglichst eine jede trägt ein Kleid aus dem jährlich einzigartig bedruckten Frauenstoff. Wir Frauen reden, beratschlagen, zeigen was wir können, feiern und tanzen. Dieses Jahr trafen sich in unserer Frauenberatungsstelle PPF morgens um 8.00 mehr als 400 Frauen, es gab Kekse und Saft, Tänze und Reden.

In diese Beratungsstelle kommen jährlich ca. 40.000 Frauen, hier werden Mikrokredite vergeben, hier wird Aufklärung zu den Themen Familienplanung, Aidsverhütung, Beschneidung, Hygiene etc. gegeben. Frauen in prekärsten Situationen wird Mut gemacht und tatkräftig geholfen, wo immer es möglich ist.

AMPO ist ihr größter Hoffnungsträger, und das lassen sie uns heute deutlich dankbar spüren und singen und lachen mit uns! Fast alle tragen Babies oder Kleinkinder und alle diese Kinder sind unsere Hoffnung auf morgen! Bis abends tanzt ganz Ouagadougou und heute sind es traditionell die Männer, die die Einkäufe für den Haushalt tätigen müssen. Sie drängen sich grinsend auf den Märkten und sollen nun selber die Preise von Lebensmitteln kennenlernen –  so manche Marktfrau verdoppelt heimlich den Zuckerpreis, ist doch Frauenehrensache! Auch in AMPO sind alle Waisenmädchen dann besonders hübsch angezogen, die vielen Zöpfe stehen stracks vom Kopf ab, Füße werden mit Henna behandelt, viele kleine Frauengeheimnisse werden ausgetauscht. Diesmal luden die AMPO-Jungs die Mädels zu einem Fußball-Freunschaftscup ein – und gewannen tatsächlich nur sehr knapp!

In unserem neuen Haus Emma Yiri, mit viel Bravour am 14. Januar eröffnet, durften die 30 Mädchen und Frauen auf ihren Wunsch hin einen ganzen Tag in unserem offiziellen Stadtpark verbringen. Derweil kochte der Direktor Ceverin ganz alleine ein opulentes Mahl für alle Bewohnerinnen – jawohl, da sieht man mal, Frauenpower hat gesiegt!
Die Eröffnung dieser neuen AMPO-Einrichtung wurde im Fernsehen, im Rundfunk und in den Zeitungen kommentiert. Mehr als 600 Gäste waren dort, der offizielle Schirmherr war der Deutsche Botschafter, Herr Germann. Mit ihm gemeinsam schnitt ich das rote Band durch (diesmal war es grün, denn es handelt sich ja um ein Öko-Projekt!) und konnte mich einer kleinen Träne nicht erwehren, ich war gerührt. Dies ist das 7. AMPO-Haus, das von einem deutschen Botschafter eingeweiht wurde und ich finde: so langsam ist dies eine Ehre für beide Seiten!

Der Idee des Hauses logisch folgend, gab es ein Bio-Buffet, was im Nu ratzekahl leergefegt wurde. Sechs Botschafter gaben uns die Ehre und der Sekt floss, während 46 AMPO-Mädchen trommelten und tanzten.

Für diese Eröffnung waren aus Deutschland die ersten Vorsitzenden aus dem Verein, Gerolf Wolpmann, und der Katrin Rohde-Stiftung, Rebecca Trienekens, gekommen. Auch Sabine Duwe aus dem Büro in Plön, die ja viele von Ihnen telefonisch kennen, war endlich wieder einmal in Burkina Faso mit dabei. Dies war eine große Ehre und Freude für unsere Mitarbeiter und für alle AMPO-Kinder, für die die Gäste ein Spiel- und Würstchenfest organisierten! Andere Freunde kamen aus Dänemark, aus Italien, aus Frankreich, Spanien und Österreich, Kanada und den USA.

Inzwischen nimmt das tägliche Leben dort im neuen Projekt seinen Lauf, wir werden beliefert mit Bio-Gemüse aus dem Emma Yiri-Garten, alle Mädchen gehen in die interne Schule und selbst alte Damen mit über 70 lernen das Alphabet. Noch nie habe ich so aufgeweckte lustige Diskussionen über den Unterschied zwischen o und u gehört, alle haben viel Spaß und kommen sich dabei immer näher.

Eine ganz wunderbare italienische Meistertöpferin hat allen Frauen fünf Wochen lang die Anfangsgründe des Töpferns beigebracht, so gut, dass wir am Frauentag bereits unsere erste Ausstellung im amerikanischen Center hatten! Nun hat unser burkinischer Töpfer den Unterricht übernommen und weiht bald unseren neuen Brennofen ein.

Ja und die Stammhäuser? Alle AMPO-Kinder sind gesund und arbeiten wie wild, jede, jeder will im Mai einen guten Schulabschluss machen. Jetzt in den Osterferien  wird täglich morgens gepaukt, nachmittags Sport gemacht. Die Kleinen lernen nun schwimmen, jedes Jahr wieder ein Ereignis! Ich führe lange Diskussionen mit den abgehenden Mädchen. Fast jede will Krankenschwester werden, das ist nun gerade Mode, und ich versuche sie davon abzubringen, denn dafür ist ja nun wirklich nicht jede gemacht. Berufswahl ist schwer in einem Land in dem es so wenige Garantien für eine Anstellung gibt.

Große Sorgen macht uns nun langsam doch der Klimawechsel und die – zumindest für letztes Jahr- daraus entstehende Wasserknappheit. Viele Jahre wurde hier von Seiten der Regierung in BF ewig und immerzu der Notstand ausgerufen – viel zu oft und unberechtigt. Nur weil ein Landstrich unseres Landes betroffen war rief der Staat gleich nach internationaler Hilfe. Dabei kann hier jeder Landbewohner sehr gut mit wenig leben, geübt seit 1000 Jahren und gewöhnt an alle möglichen Katastrophen, wird hier generell wenig gejammert. Arm sein ist normal, und Armut heißt noch lange nicht Elend!

Dieses Jahr geht es nun aber um die gesamte Sahelzone, vor allem im Norden hungert und dürstet jetzt schon das Vieh – und die Menschen werden immer dünner. Vor der ersehnten Ernte im November ist auch keine Besserung in Sicht!

Um Verhältnissen wie in Somalia vorzubeugen (wir in BF haben auch tausende von Flüchtlingen aus Mali zu füttern) sind bereits die großen Hilfsorganisationen im Lande.

Wir in AMPO möchten keine Mais- oder Reissäcke vergeben. Wir möchten vielmehr nachhaltig vorbeugend für die nächsten Jahre denken und Sie dafür um eine Extrahilfe bitten: 16 kleine biologische Farmen hat AMPO bereits durch die Abgänger in der Farmschule gegründet. Allen diesen Farmen möchten wir gerne Brunnen graben, denn ohne Wasser kann ein Bauer noch so fleißig sein, es gibt keine Ernte. Je nach Lage kostet ein Brunnen zwischen 2.000 und 5.000 Euro. Wollen Sie uns helfen? Wir bitten Sie sehr darum. Wasser gibt uns allen neue Hoffnung!

Nach den Unruhen im letzten Jahr trauten sich nun auch endlich wieder die Besucher nach Burkina Faso. Die AMPO-Gästezimmer sind über Monate hinaus ausgebucht, und viele Gruppen aus Deutschland, Dänemark, Italien haben unser Restaurant zum Lieblingsplatz erkoren.

Viele Freunde sitzen dort für Stunden, es ist ein Ort, an dem man gut die Straße beobachten kann, ohne selbst beständig angesprochen zu werden.

Viele Touristen sehen dann das erste Mal einen burkinischen Rollstuhl aus der Nähe, denn bei uns befindet sich ja auch die Rollstuhlwerkstatt, in der Ersatzteile mit 75% subventioniert werden. Gerade bekam ich die Zahlen der letzten zwei Monate vom Werkstattleiter Edouard: In den Monaten Februar und März reparierte er hier in AMPO 176 Rollstühle.

Er machte sechs Reisen (810 km) in weit entfernte Dörfer und dort profitierten 214 Behinderte von unserer AMPO-Behindertenwerkstatt. Es wurden 11 neue Rollstühle vergeben.

Eben erhielt ich aus Kanada von alten Freunden einen Betrag für 20 Rollstühle, die wir vergeben werden. Bitte helfen auch Sie weiterhin mit, denn Behinderte ohne Rollstühle leben arm und unwürdig!

Ja, in dieses Restaurant kommen viele Gäste, dort findet auch einmal monatlich unser beliebter „Frauenstammtisch“ statt. Alle deutschsprachigen Frauen in Ouagadougou sind dazu herzlich eingeladen, und endlich einmal reden wir nicht von Arbeit! Dieses Jahr kamen viele dänische Gruppen, da ja mein Buch auf dänisch erschien und bereits vergriffen ist, man höre und staune! Fast alle kennen schon unseren Koch Adama, sein Ruf hallt weit durch Afrika! Seine Kochkünste konnten auch die deutschen Vorstandsbesucher wieder einmal bewundern.

Unter anderem hatten wir auch einen sehr motivierenden Besuch von vier tschechischen Rallyefahrern. Angekommen durch die Wüste in Dakar machten sie einen kleinen „Umweg“ von 2500 km, um uns bei AMPO mal kurz zu begrüßen und Geschenke von tschechischen Kindern zu bringen. Diese Helden wohnten für drei Tage in ihren technisch knallhart ausgestatteten Autoraketen bei den Jungs im Waisenhaus und waren natürlich höchst bewundert und beliebt. Nun mache ich im April den Gegenbesuch in Tschechien bei ihnen.

Tatsächlich geht die Vortragsreise bald los, ich werde in Spanien, in Tschechien, Österreich und Deutschland sein – wo immer ich so bin, wird sicherlich auf unserer Website stehen – kommen Sie vorbei? Das wäre schön!

Diesmal kann ich ganz beruhigt losreisen, denn es gibt einen neuen Menschen in meinem Leben, eine Freundin mit Namen Constanze Ternes. Sie will die nächsten 3-4 Jahre gemeinsam mit mir die AMPO-Sorgen in Ouagadougou tragen. Etwas Besseres kann mir nicht geschehen, und so danke ich mal wieder Gott und meinem Schicksal (und natürlich ihr selbst, liebe Constanze: Dank!) , denn sie kam gerade rechtzeitig als ich drohte ein wenig müde zu werden – immerhin soll ich, Inshallah, dieses Jahr noch 64 Jahre alt werden, und da darf ich schon mal ein wenig schwächeln, oder? Naja, nicht zu sehr, versprochen!
Nun, zu zweit, ist alles sehr viel leichter!

Ihnen und Ihren Familien einen fröhlichen Frühling, wenig Sorgen, ein wenig Leichtigkeit, ein Lachen mehr!
Ihre Katrin Rohde in Ouagadougou

Beitrag weiterempfehlen