AMPO-Rundbrief Juli 2012

Aktuelle Nachrichten aus Burkina Faso

Liebe Freunde unserer Kinder in Westafrika!
Einmal mehr darf ich zur Feder greifen und Ihnen schreiben, wie es uns hier in Burkina Faso so ergeht – statt der Feder nehme ich allerdings um 5.00 Uhr morgens beim ersten Vogelzwitschern meinen Laptop, hochmodern.
Der Grund dafür ist allerdings wiederum nicht so modern, denn die Stromausfälle in unserer Hauptstadt plagen uns Tag und Nacht, und diese Uhrzeit ist die beste, um ungestört schreiben zu können! Uns fehlt der Regen, und hier bedeutet dies: Es ist kein Wasser da um Strom zu erzeugen.
Ohne Strom können wir es zeitweise aushalten, aber was sollen die Bauern machen? Immer noch leben 90% der Menschen auf dem Lande und ernähren ihre Familien von selbsterzeugter Hirse. Dies steht nun für dieses Jahr schon wieder in Frage. Auch im letzten Jahr hatten wir schon eine Missernte die, vor allem im Norden, zu schwerer Unterernährung der Kinder führt. Zusammen mit der allgemeinen unfassbaren Verteuerung und den vielen Flüchtlingen aus Mali führt uns das in eine vorhersehbare Krise.
Letzte Woche schenkte mir eine Freundin viel Geld für Soforthilfe, und wir sandten eine Tonne Reis in ein Waisenhaus in einem Dorf, das ich gut kenne. Nächste Woche will mein Mann ins Dogonland nach Mali fahren, mit einem Auto voller Reis, Kleidung und Vitaminen. Die Menschen dort leiden schrecklich. Wir kennen sie gut, denn meine AMPO-Kinder haben jahrelang mit ihrem Taschengeld (15 Cent pro Woche!) eine kleine Schule dort in den Bergen unterstützt. Ich selbst kann nicht mitfahren, denn diese Region ist schwer von Al-Quaida bedroht und für Europäer nicht mehr betretbar. Es gibt dort keinerlei Touristen mehr, dafür um so mehr Elend.
Trotzdem sind wir nicht verzweifelt, im Gegenteil – gerade bei uns in AMPO sind wir zuversichtlich. Wir können so vielen Menschen helfen! Es ist ein Glück zu sehen, wie die Menschen, die uns aufsuchen, dann getröstet oder geheilt und voller Dank wieder davonziehen. Ich wünschte, Sie wären einmal dabei. Durch das von Ihnen gespendete Geld ist es uns möglich, fast aussichtslose Situationen von Menschen zu lösen, mit wenig Geldeinsatz viel zu helfen, Frauen wieder fröhlich lächeln zu sehen, verzweifelte Familienväter zu beraten, bis wir gemeinsam eine Lösung für ihr Problem finden. Niemand wird abgewiesen. Unsere lange Erfahrung mit dieser Arbeit direkt an der Basis, von Mensch zu Mensch, hilft uns dabei. Kleinste Beträge helfen zusammen mit unseren Rat, wieder einen Verdienst zu finden, alle Fortschritte werden, wie immer bei uns, begleitet und überprüft.
Dazu sind wir fähig durch Sie. Sie, liebe Freunde, helfen hier, und das vergesse ich nie! Sehr viele Spender sind nun schon fast Jahrzehnte (!) mit uns, soviel Treue und Vertrauen finde ich bei Ihnen. Zusammen sind wir stark genug um Leid und Elend zu mindern, Gott sei´s gedankt.
Einmal mehr will ich auch unseren Luxemburger Spendern danken! Nur durch sie und unsere hervorragend geführte Landwirtschaftsschule gibt es eine gute Chance für Jungbauern. Pestizide und Insektizide machen die Böden seit Jahren müde, und ausschließlich durch eine profunde Kenntnis von Bio-Anbau sind diese wieder zu retten.
Durch die Bevölkerungsdichte hat ein Bauer hier so 3- 5 Hektar zur Verfügung. Nach deutschem Maß ist das fast nichts, aber hier kann man damit eine 10-köpfige Familie erhalten, die Kinder zur Schule schicken, Medikamente kaufen und vitaminreich essen – natürlich nur, wenn man weiß wie das funktioniert. Und unsere Jungbauern wissen es! Zwei Jahre lernen sie bei uns, und im dritten Jahr werden sie auf ihrem eigenen Land von uns beraten und überprüft. Sie sind, wenn sie unsere Bioschule verlassen, geradezu wild darauf, ihren Familien und Nachbarn zuhause im Dorf zu zeigen, wie es geht.
Mittlerweile ist bereits die dritte Generation von Jungbauern zurück in die Dörfer gegangen, viele von ihnen fahren bereits ihr eigenes Moped, etliche haben geheiratet. Sie bleiben bei ihrem Bio-Konzept, und nun ist es an uns, dafür den richtigen Markt für dieses Gemüse aufzubauen.
Nach mehreren Studien über Gemüseverkauf in der Hauptstadt finden wir viel Interesse. Restaurants, Botschaften, Privatkunden, keiner will mehr nach Chemie riechende Tomaten kaufen. Hier in den Tropen muss man sich vorsichtig ernähren, zu viele Krankheiten grassieren, mit der Hygiene ist es auch nicht weit bestellt. Oft sind die Leute nur nicht informiert, durch unsere hohe Analphabetenquote von 80% kann man sich ja auch nichts erlesen, das heißt alle Aufklärung und Schulung kann nur durch Vorträge oder Radiosendungen stattfinden. Darin ist AMPO schon seit Jahren stark, vor allem durch unser Cinemobile, das bis weit in den Busch hinein zu Themen wie Aids, Familienplanung, Beschneidung und Hygiene aufklärt. Nun erzählen wir dort auch von Bio-Anbau, und immer mehr Bauern sind interessiert. Schließlich kosten Pestizide Geld, und das Umwenden eines Komposthaufens ist doch erheblich preiswerter….
Aber Wasser! Wo soll das Wasser herkommen wenn es so wenig regnet? Wie Sie vermutlich wissen, bin ich selbst nicht so sehr für Soforthilfe, nur in verzweifelten Fällen mache ich eine Ausnahme. Ich zähle darauf, dass Afrikaner lernen und sich selbst helfen, mit ein wenig Anschubs! Der muss sein, und so sammelte ich auf meiner diesmal europaweiten Frühjahrsreise von Spanien über Tschechien nach Deutschland Geld für Brunnen. Und siehe da, so einige unserer Jungbauern dürfen jubeln! Bei unseren Jungs geht es also weiter mit der Entwicklung, sie bekommen Brunnen.
Unsere luxemburger Freunde, die unsere Landwirtschaftsschule komplett und treu durch die Jahre hindurch finanzieren, kommen jedes Jahr einmal als ganze Gruppe und kontrollieren die Resultate, jedes Mal wieder froh über den Fortschritt.
Wollen Sie nicht auch mal vorbeischauen? Sie sind immer willkommen!
Dann könnten Sie auch gleich das neue Projekt Emma Yiri besuchen, unsere Farmschule mit den dreißig Frauen und Mädchen. Nun läuft sie seit 6 Monaten, und ihr Leiter, Ceverin, hatte so einiges hinzunehmen, von weggeflogenen Dächern (die Stürme sind hart dies Jahr), von nächtlichem Diebstahl und Insektenbefall der Gärten bis hin zu weggelaufenen Mädchen. Alles geht jedoch seinen guten Gang. Im Juli kommen vier Töpfer von der Thun-Stiftung aus Italien, um die Ausbildung der Mädchen vorwärtszubringen. Gleichzeitig machen sie ein Ferienprojekt für etliche Kinder von uns und aus der unmittelbaren Nachbarschaft. Wir sind begeistert über die Stimmung in Emma Yiri, vor allem darüber, dass nun auch siebzigjährige Frauen dort lesen lernen – und es gerne tun!
Eine unserer größten Befürchtungen ist natürlich nach Aids immer eine Schwangerschaft bei unseren vielen Elevinnen, auch im Waisenhaus. Letzte Woche sagte Ceverin dann trocken in einer Direktorenversammlung: „…ja, und Uschi ist schwanger!“ Atemloser Schreck und Stille, bis ich vor Lachen platzte, denn Uschi ist unsere Eselin!
In Emma Yiri bekommen nun einige der Mädchen eine Ausbildung im Verweben von alten Plastiktüten. Wir und alle Kinder machen uns hier stark in einem selbstentwickelten Projekt „Zero sachets“, also null Plastiktüten, und haben tausende von Unterschriften gesammelt, die nun im Parlament eingereicht werden. Burkina Faso geht unter in Plastikmüll. Am 14. Juli ist der „Mandela-Tag“. Gemeinsam mit der südafrikanischen Botschaft und hunderten von Helfern reinigen wir einige Stadtteile.
Dies geht zurück auf eine Botschaft von Mandela, die mir sehr gefällt. Er sagte zu seinem Volk: “ Ich habe 67 Jahre unserem Volk gedient. Ich erwarte, dass nun jeder von Euch jeden Monat 67 Minuten dasselbe tut!“

Sehr rege ist nun auch unser neuer Verein in Dänemark. Von dort werden unsere neuen kleinen Kioske finanziert, und bis zum Ende des Jahres werden wir davon vier Stück in verschiedenen Stadtteilen haben (sozusagen eine McDonalds-Kette!). Der erste läuft bereits gut und ist natürlich eine ausgezeichnete Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Alle werden vom Haus MIA betrieben. Alle verkaufen das Gericht Baabenda, eine Blättersauce mit Hirsebrei, hier ein beliebtes, aber aufwendig herzustellendes Gericht, denn es sind mindestens sechs verschiedene Blättersorten darin, die nicht immer leicht zu finden sind. Ein voller Teller (den Afrikaner lieben!) kostet 300 CFA, umgerechnet 50 Cent. Nun werden wir alle vier Kioske rot und weiß bemalen und nach der dänischen Königin benennen, „Dronning Marghrete“ Nr. 1- 4, und dann werden wir die Königin um ihre Schirmherrschaft bitten. Ob sie wohl annimmt…? Das wird spannend!

So verbringen wir unsere Tage mit vielen Ideen und immer mehr Arbeit. Gott sei Dank kann ich immer mehr delegieren. So habe ich mehr Zeit, mal ein Kind in den Arm zu nehmen oder mit meinen großen Jungs ihre Zukunft zu besprechen. Dank der Firma Bonita können wir verlässlich ausbilden, sodass ein jeder eine gute Chance hat, er muss sie nur wahrnehmen. Unser Ausbildungskomitee berät jedes Kind schon von frühauf, und an uns Erziehern und Betreuern liegt es dann, die Talente eines jeden herauszufinden. Schluss mit Tischlern und Schweißern, nun wird gepaukt, um später eine gute Grundlage zu haben. Die Schulresultate werden Thema meines nächsten Rundbriefes sein, denn noch stehen nicht alle fest – es sieht aber recht gut aus, mehr verrate ich noch nicht!
Jetzt geht es ab in die Ferien – Workshops und Feriencamp warten auf uns, abends werden Filme gezeigt, und der Fußball nimmt natürlich gerade mal wieder einen großen Platz ein. Wir erwarten eine hoffentlich unbeschwerte Zeit für alle Kinder, bevor im Oktober der Ernst des Lebens wieder beginnt. Davor wird allerdings schon wieder ab Anfang September halbtags für die Schule gebüffelt – damit wir bloß nicht aus der Übung kommen.
Auch Ihnen und Ihren Familien wünschen wir eine gute Sommerzeit. Beten Sie mit uns für Regen und dafür dass die politische Situation in Mali sich beruhigen kann.
Und – ein frommer aber berechtigter Wunsch – dafür,
dass alle Kinder auf der Welt heute satt werden!
Ihre Katrin Rohde
in Ouagadougou

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