AMPO-Rundbrief März 2013

Liebe Freunde und Paten unserer AMPO-Waisenkinder in Ouagadougou,

hoffentlich geht es Ihnen und Ihren Familien gut.
Dieser Brief wird mal etwas länger! Immer wieder höre ich auf meinen Reisen, dass sehr viele unserer Freunde jedes Mal gespannt auf meinen nächsten Rundbrief warten. Sie empfinden ihn ein wenig als Fortsetzung meines Buches. Ja, und das werde ich auch oft gefragt: „Wann schreibst Du das nächste Buch?“
Liebe Freunde, gerade ist mein Buch auf Englisch als E-Book erschienen, bald folgt die französische Version. Auf Deutsch ist es als E-Book bereits erhältlich. Auch als Taschenbuch wird es bald auf Englisch und Französisch zu kaufen sein. Mittlerweile ist es lange her, dass ich es geschrieben habe, es zeichnet aber immer noch ein gültiges Bild dieses Landes.
Ein neues Buch muss noch ein wenig warten – dazu gibt es zu viel Arbeit, sowohl hier als auch in Europa, obwohl sich dort gerade ein Lichtschimmer zeigt, denn nun muss ich meine vielen Vortragsreisen nicht mehr allein antreten: mein eigener Sohn, John Porteous, wird mich darin für das nächste Jahr unterstützen! Habe ich nicht großes Glück?
Gerade wollten sich die ersten Alterszipperlein melden, aber nun bin ich wieder frischen Mutes. Meine Reisezeit in Europa ist ja immer sehr begrenzt, viele Vorträge kann ich nicht wahrnehmen. John Porteous kann jederzeit genauso gut und vergnügt wie ich von unserem täglichen Leben in Afrika erzählen, er hat hier lange mit den Kindern gelebt.
Sollten Sie also ein gutes Forum, Rotarier oder Lions, eine Schule oder auch einen privaten Abend wissen, so rufen Sie doch einfach die Geschäftsstelle in Plön an. Sie vermittelt Ihnen einen Vortrag mit einer denkenswerten Präsentation über das Leben in Westafrika, insbesondere aller unserer Einrichtungen hier.

Wie geht es den AMPO-Kindern? Zukunftsträchtig, kann ich nur sagen! Dieses Jahr im Juli werden uns vierzehn unserer großen Jungen und drei Mädchen verlassen. Alle denken seit zwei Jahren über ihr weiteres Leben und ihre Berufswünsche nach. Zusammen mit unserem Komitee zur Ausbildung informieren sie sich, wo es nur geht. Bislang dürfen die Kinder bis zum Alter von 18 Jahren im AMPO-Waisenhaus bleiben. Nun denken wir darüber nach, auf 20 Jahre zu erhöhen. Zu gefährlich ist das Leben draußen, die Restfamilien der Kinder sind sehr arm und haben keinen Platz sie aufzunehmen – wie soll ein Junge in solcher Situation in Ruhe sein Abitur machen können? Also, Dinge werden sich ändern, das ist ja auch nur gut so.

Die Kleinen sind täglich begeistert am Lernen. Alle hüpfen anstatt zu laufen und ihr Lachen ist an jeder Ecke zu hören – am Waschtag haben wir besonders viel Spaß, weil sich dann Mädchen und Jungen an unserer Pumpe gemeinsam um den besten Seifenschaum bemühen.
Leider haben wir oft Schulstreiks, so wird der Stoff dann zuhause bei uns durchgenommen. Eine schüchterne Delegation der Kleinsten erschien gestern im Büro und fragte: „Maman, dürfen wir in der Freizeit dann Murmeln spielen?“ „Na klar!“ – „Tja, das wollen wir auch gerne, aber leider haben wir keine…“ Natürlich griff ich großzügig in die Tasche!

Wir hatten großes Glück, sieben unserer AMPO-Universitätsstudenten bekamen einen Laptop geschenkt. Den brauchten sie auch dringend, vor allem die angehenden Ingenieure und Informatiker/innen. Große Freude!

Im Hause Emma Yiri, unserem Generationenprojekt für junge Mädchen und alte Frauen, wächst der Kohl im Gemüsegarten besser als auf der Lehrfarm Tondtenga – oha, da haben die Jungbauern nun echte Konkurrenz bekommen! Jetzt wird um die Wette angebaut. Alles Biogemüse vermarkten wir in der Hauptstadt mit Biokörben, vor allem an europäische Haushalte. Es läuft schon nicht schlecht, aber die Bevölkerung selbst weiß noch viel zu wenig darüber. Nun gehen wir mit Aufklärungssendungen ins Radio. Gerade hat die Lehrfarm aus ihrer Baumschule wieder 10.000 Bäume zur Aufforstung der Wüste verkauft. So langsam werden wir professionell. Wir haben tatsächlich Besucher aus aller Welt auf der Lehrfarm, andere Vereine, nationale Farmschulen, Ministerien, Experten, alle sind begeistert von unserem System, wir hören nur Gutes. Inzwischen gibt es über Burkina verstreut 24 Biofarmen unserer ehemaligen Schüler. Mit Hilfe unserer guten Spender konnten wir inzwischen für neun von ihnen Brunnen bohren, sodass sie nun unabhängig von der Regenzeit gegen die Saison Gemüse anbauen können. Für den Brunnenbau suchen wir weiterhin Spenden.

Die Krankenstation wird ihrer Patienten kaum noch Herr, wir müssten doppelt so groß sein. Leider werden die Moskitos immer resistenter, unsere Malariazahlen sind weit höher als in den vorherigen Jahren. Übrigens suchen wir einen gebrauchten Zahnarztstuhl, der unsrige bricht gerade zusammen – wissen Sie einen?
Unsere Station für unterernährte Kinder wird jetzt kopiert: das „Hammer Forum“, eine erstklassige internationale Vereinigung von Ärzten, die in vielen unterentwickelten und kriegsbedrohten Ländern Kinder operieren, ist höchst überzeugt von unserer Methode, der Logistik und der Praxis. Soviel Anerkennung von erfahrenen Ärzten bestätigt uns! Also wird nun unter AMPO-Leitung im Norden unseres Landes eine neue „Nutrition“ eröffnet. Je mehr Kinder wir erreichen können, desto froher werden wir, und Sie, liebe Freunde, bestimmt mit uns.

Noch eine Neuigkeit gibt es: eine Stiftung aus Deutschland, die Tua Res Stiftung, kümmert sich ausschließlich um Ausbildung für Mädchen. Tua Res richtete über AMPO ein neues Projekt ein: In den Vororten von Ouagadougou gehen viele Jugendliche zur Abendschule. Diese endet um 20.00 Uhr, damit die Mädchen heil nachhause kommen. Viele der Schülerinnen haben keinerlei Unterstützung, die Eltern sprechen nicht einmal französisch, gelernt wird bei Petroleumlicht. Und doch wollen sie neben ihrer täglichen Arbeit ihre Mittlere Reife oder ihr Abitur machen – das ist bei dem schwierigen Schulsystem hier ein fast unerreichbares Ziel. Nun richteten wir für über 800 Mädchen in 20 verschiedenen Schulen einen vierstündigen Nachhilfeunterricht am Sonntagmorgen ein. Sehen Sie, man kann hier eben gut bereits vorhandene Strukturen nutzen – wenn man weiß, wie es geht und alles gut kontrolliert. Natürlich war es nicht einfach, 20 Schuldirektoren an einen Tisch zu bringen, sämtliche Bürgermeistereien zu informieren, die Nachhilfelehrer zu finden, Bewerbungszettel zu entwerfen und das gesamte Material zu stellen. Wir haben es aber in kürzester Zeit geschafft, dieses Pilotprojekt einzurichten, es läuft bereits.

In Deutschland begann das neue Jahr gleich mit einer großen Hürde, denn unser langjähriger Vereinsvorsitzender, Gerolf Wolpmann, trat aus Gesundheitsgründen zurück. Ihm gebührt die größte Ehre, denn er leitete unsere Arbeit für die Kinder Afrikas mit großer Umsicht und hohem persönlichen Einsatz. Jährlich besuchte er alle Einrichtungen in Ouagadougou und tat Gutes wo er nur konnte, für Kinder, für Familien, ja selbst für den Tierschutz der Esel setzte er sich ein. Wir danken ihm von Herzen, wünschen gute Besserung und sind glücklich, dass er uns in allem weiterhin so großzügig wie immer unterstützt- nur eben nicht mehr an erster Stelle. Der/die neue Vereinsvorsitzende wird Ende April gewählt.

An dieser Stelle möchte ich einmal allen Freunden und Mitgliedern unseres Vereines für ihre Treue danken – ja, auch Ihnen. Ihre Spenden, Ihre gestrickten Decken für kranke Kinder, die vielen Pakete im Container, Ihre Weihnachtspäckchen und Briefe, sie sprechen für viel Herz! Sollten Sie nach so vielen Jahren Vertrauen in unsere gemeinsame Arbeit haben, so werden Sie doch einfach Mitglied in unserem Verein, es würde mich sehr freuen, Sie dort begrüßen zu dürfen. Rufen Sie einfach Frau Duwe, unsere Geschäftsführerin an, sie regelt das gerne.

Dank Ihnen war Weihnachten wieder ein großes Fest, 600 Menschen feierten, nachdem wir vorher gemeinsam ein Gebet gegen Gewalt an Kindern gesprochen haben. Durch den Krieg in Mali ist diese Gewalt sehr nahe gerückt. Wir leben mit der Bedrohung jeden Tag, und vor allem nachts, wenn die landenden Militärfrachtflieger unsere Dächer dröhnen lassen. Drei unserer ehemaligen AMPO-Jungen sind beim Militär und sind an der Front. Gestern kam einer von ihnen für zwei Tage nachhause und stand vor meiner Tür. Wir konnten beide die Tränen kaum verbergen, er ist so dünn geworden, mein Aziz. Seine Frau ist nun im vierten Monat schwanger, sie beide haben sich so innig ein Kind gewünscht, und nun ist er gar nicht dabei.
Gott ist groß, wie wir hier sagen.

Ja, bleiben Sie bei uns! Alles Gute für Sie aus dem staubigen Harmattan in das kühle Deutschland
wünscht Ihnen
Ihre Katrin Rohde in Ouagadougou

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