AMPO-Rundbrief Juli 2013

Liebe Freunde und Paten unserer AMPO-Kinder in Ouagadougou,

hoffentlich geht es Ihnen allen gut und Sie und Ihre Angehörigen sind von den großen Fluten verschont geblieben! Vermutlich sind die Wassermassen in Europa genau der Regen, der uns gerade hier auf unseren Feldern in Afrika fehlt. Ich höre, Sie hatten auch einen reichlich langen Winter in Deutschland, während wir hier eine viel zu frühe heiße Zeit mit 46°C bereits im Februar hatten. Der Klimawechsel macht uns allen zu schaffen.

Ich möchte so vielen von Ihnen danken! Anlässlich meines 65. Geburtstages, den ich diesmal in Deutschland feierte, gab es so viele Mails, SMS, telefonische Glückwünsche, Päckchen und Geschenke und das allerschönste: ein ganzes Gospelkonzert zugunsten von AMPO in der Kieler Ansgarkirche – zum krönenden Abschluss! Dies war ein fröhlicher musikalischer Auftakt für unseren neuen Vereinsvorstand, von dem einige Mitglieder dort anwesend waren.

Da AMPO gewachsen ist, haben wir auch den Vorstand des deutschen Vereines erweitert: 1. Vorsitzende ist nun Heidrun Kelichhaus aus Hamburg, eine zuversichtliche und praktisch veranlagte Frau. Von dort kommt auch die 2. Vorsitzende Birga Rasmussen. Drei Beisitzer gibt es jetzt: Wolfgang Bebronne aus Aachen und – man staune – endlich zwei Afrikaner! Felicité Reinhardt- Wiesenmüller und Samuel Ouedrago, beide wohnen seit langen Jahren in Deutschland und sind hier verheiratet. Alle neuen Vorstandsmitglieder waren schon etliche Male in Burkina Faso und bei AMPO.
Diesem hoffnungsfrohen neuen Team wünsche ich nun klares Urteilsvermögen, offenen Austausch und viel Freude an dieser Arbeit für die Kinder. So einen großen Verein verantwortlich und nebenberuflich zu leiten, ist kein leichtes Unterfangen. Viel Glück und vielen Dank!
Unterstützend wirkt zu meiner Freude immer noch mein Sohn, John Porteous, mit. Er hält bis zum Ende des Jahres Vorträge über unser Leben in Burkina Faso überall in Deutschland in Schulen, bei Rotariern, in Lionsclubs oder anderen Foren. Noch sind einige Termine frei, er freut sich über Ihren Anruf: 0178 5345 700.

einer der umgepflanzten Bäume10 Bäume mussten gefällt werdenAnlass zur Freude gibt es auch mal wieder bei uns in AMPO! Vielleicht entsinnen Sie sich, dass wir wegen der neuen großen Straße vor unseren Toren auf Befehl des Stadtbauamtes leider zehn Bäume fällen mussten? Dem haben wir uns nicht gebeugt, wir haben sie mit Hilfe von 40 Farmjungen erst gestutzt und dann ausgegraben, es waren große, 10 Meter hohe Bäume. Wir haben sie auf der Farm wieder eingepflanzt, ich bestand darauf. Außer mir glaubte keiner, dass diese Bäume überleben konnten, selbst unsere Gärtner nicht. Nun hat die Regenzeit begonnen und sieben von den zehn Bäumen schlagen aus. Ein Wunder, jeder hier sagt nun: Gott ist groß! Dies als Gleichnis zu allen längst begrabenen Hoffnungen, denn es geht eben doch weiter, mit Bäumen, mit Kindern, mit unserem Leben.
So wird auch unser zur Zeit durch die Straße so geschädigtes AMPO wieder neu und anders entstehen – allerdings suchen wir nun Spenden zum Umbau, denn unsere Kinder sind einfach zu stark gefährdet durch den rasenden und beständig ansteigenden Verkehr. Bitte helfen Sie uns dabei! Wir brauchen neue Unterkünfte und höhere Mauern.
Schon jetzt, noch nicht einmal asphaltiert, fahren die Autos mit 120 km/h einen Meter vor unseren Eingangstoren vorbei, das ist zu gefährlich, wir müssen die Tore an die Nebenstraßen versetzen. Etliche Gebäude haben große Risse durch die Straßenbau-arbeiten bekommen. Ich erzählte meinem Mann von Kinderfiguren die ich an der Straße vor deutschen Schulen gesehen hatte – prompt standen drei Tage später auf meiner Terrasse vier solcher kleinen Kerle, er hat sie in seiner Schweißerei als Überraschung für uns gefertigt. Wir malten sie lustig an, nun hüten sie den Übergang zwischen den Waisenhäusern. Tatsächlich fahren nun manche Chauffeure erstaunt ein wenig langsamer, wenn sie die Blechkinder sehen, denn sowas hat es bisher hier in Ouagadougou noch nicht gegeben!

Blechkinder im StraßenverkehrIn Burkina Faso haben die Ferien begonnen, und damit auch unser Ferienworkshop für alle Kinder, der in diesem Jahr erweitert wird. Es wird nicht nur getanzt, getrommelt, gesungen, gemalt und geschwommen, nein, diesmal jonglieren wir sogar! Und für mich das beste: die Großen selbst fragten nach Diskussionsrunden. Die Themen suchen sie selbst aus, z.B.: Der Sinn von Vergebung; Was ist Akzeptanz; Märchen und ihre Bedeutung; Respekt für sich selbst und andere; Was ist Empathie und wie lerne ich das.
Dieses Jahr wollen sie sogar eine AMPO-Zeitung herausbringen, eine Redaktion ist schon erstellt, nun werden die Artikel redigiert. Dass mich unsere Kinder nach so vielen Jahren doch immer wieder erstaunen können!
Noch haben wir keine Schulresultate, über diese berichte ich im nächsten Brief. Die Kleinen hüpfen aber derartig selbstsicher über den Hof, dass mir nur Gutes schwant! Die Abiturprüfungen wurden landesweit verschoben weil es letztes Jahr Betrügereien gab. Viele Abiturienten mussten ein zweites Mal antreten, das war ein Alptraum für sie. Hoffen wir, dass die Prüfungen nun besser organisiert sind….
Unsere Ferienkolonie wird diesmal bescheidener als letztes Jahr, wir ziehen nämlich allesamt, inklusive aller großen Töpfe und Köchinnen, auf die Farmschule um, nicht mal eine Stunde entfernt von der Hauptstadt. Wir brauchen keine teuren Busse, nicht viel Geld für Benzin und Unterkunft, wir bleiben sozusagen „zuhause“. Die Kinder werden auf den Feldern helfen, lernen wie man eine Kuh melkt und Kaninchen hält, reiten und Schweine füttern. Ein paarmal werden nun die Jungen für alle kochen – oha! Ich höre die Mädchen jetzt schon kichern! Vermutlich können wir sogar angeln gehen… es wird jedenfalls herrlich erholsam sein!
Den Kalender für das nächste Jahr werden die AMPO-Kinder diesmal selbst fotografieren, wir sind schon sehr gespannt was dabei herauskommt. Bestellen Sie frühzeitig in der Geschäftsstelle, ich glaube er wird gut. Ich habe immer Vertrauen in unsere Kinder.

Im Zuge unserer regelmäßigen Überprüfung der Restfamilien unserer Kinder erlebten wir einige Überraschungen. Einer unserer Jungen, der mit 18 Jahren nun ins Leben tritt, hat nur eine Mutter, die schwer aidskrank ist. Sie hatte immer behauptet der Vater des Kindes wäre unbekannt. Nun stellte sich heraus, dass der Vater zwar inzwischen gestorben ist, dessen gesamte Familie jedoch weit entfernt auf einem Dorf lebt, dazu noch eine königliche Familie. Natürlich fuhren wir sofort dorthin. 300 Menschen empfingen endlich ein verloren geglaubtes Enkelkind, es wurde gefeiert und gesungen und gelacht – wie wunderbar für diesen Jungen, er ist willkommen in seiner Familie! Alle in AMPO freuen sich mit. Die trockene, immerhin lächelnde Bemerkung einer unserer Kleinsten dazu: „Naja, kann ja nicht jeder ein Prinz sein!“ Dies ist auch wirklich ein Ausnahmefall, denn die meisten abgehenden AMPO-Kinder müssen in bitterarme Familien zurückkehren, einer der Gründe warum wir ihnen noch ein weiteres Jahr draußen ihr Essen und alle anderen Ausgaben zahlen – und vor allem für ihre Ausbildung sorgen, damit sie sich später aus eigener Kraft erhalten können.

Sorgen machen uns in unserer Ernährungsstation immer mehr unter- und schlechternährte Babies und Kleinkinder. 2.480 Mütter kamen im letzten Jahr zu uns, viele mit Zwillingen. Leider ist es nach den vielen Milchskandalen für uns immer schwieriger, überhaupt gute Trockenmilch zu finden. Dazu kommt, dass die Mütter selbst so schwach sind! Wenn sie bei uns dreimal in der Woche zum Wiegen erscheinen, geben wir ihnen erst einmal Suppe. Die meisten gehen zu Fuß und haben nichts gegessen, wenn sie mittags bei uns ankommen, sie können ihre Kinder kaum noch tragen. Unsere Resultate sind jedoch gut, da wir vor allem örtliche, auffindbare Mittel wie Trockenfisch, Baumrinden und Erdnussbrei verwenden. Auch wird jede Familie zuhause besucht, um die Hygieneverhältnisse der Familie zu überprüfen. Neulich bin ich einmal mitgefahren: in einer leeren Dose wurde über drei Steinen auf gefundenen Holzresten gekocht, es gab nur einen Löffel in der Familie, keine Teller. Wasser zum Waschen war zu teuer und wurde aus einer Pfütze geholt – kein Wunder, dass diese Babies so krank sind und so leicht sterben. Bei uns in Burkina laut Statistik leider 155 von 1000 Babys pro Jahr, und dies sind nur die Zahlen zur Unterernährung, nicht für Krankheiten. Wir glauben hier allerdings den Statistiken nicht. Auf den Dörfern werden Zahlen gar nicht erfasst. Wir denken, dass es bedeutend mehr sind. Das ist traurig.

Ein neues Projekt – mal wieder – wird gleich nächste Woche in Angriff genommen! Die sogenannte „One-Dollar-Brille“ kommt über AMPO nun in unserem ganzen Land zur Verteilung. Zur Herstellung gibt es eine Maschine und Material, mit dem nächste Woche zwei Herstellerprofis bei uns in AMPO einfliegen. Nun werden zehn Frauen (Witwen und Behinderte) und unsere Optiker lernen, wie diese Brillen fabriziert werden. Anschließend reisen andere benachteiligte Frauen, oft auf dem Fahrrad, damit auf die Dörfer, passen an und verkaufen direkt an kurzsichtige Schüler und Erwachsene – für einen einzigen Dollar! Erfunden wurde diese Brille von einem deutschen Lehrer in Erlangen, den ich dankenswerterweise auf meiner Reise kennenlernen durfte. So wurde von uns beiden gleich ein Plan in die Realität umgesetzt – warum zögern bei einer so guten Sache? Großartig, einfach und gut für alle Kurzsichtigen sowie für die Frauen, die sich etwas verdienen können!

Liebe Freunde, wie sehr ich Ihnen danke, dass Sie unser Leben hier ermöglichen, das wissen Sie bereits!
Nur gemeinsam können wir hier diese guten Bedingungen für Kinder erstellen, die eben nicht über das Mittelmeer schwimmen werden, sondern wertvolle und verantwortungsbewusste Bürger dieses Landes werden wollen. Hoffnungsfroh schauen wir in die Zukunft.
Es grüßt Sie herzlich
Ihre Katrin Rohde in Ouagadougou

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