Wie denken Sie darüber, Frau Rohde?

Lesen Sie, was Katrin Rohde persönlich über die politischen Entwicklungen in Burkina Faso denkt:

Wie wird der Übergang von Compaoré zu Kafando in der Bevölkerung beurteilt?

Katrin Rohde: „Nachdem, was ich höre: allgemein gut. Es ist das erste Mal seit Jahrzehnten in der Geschichte des Landes, daß wir einen zivilen Präsidenten haben. Wir geben ihm Vertrauensvorschuß. Meckerer und Gegenstimmen gibt es natürlich überall, es ist ja auch eine schwierige Situation zwischen zivilen und militärischen Mächten.“

Welche Hoffnungen der Menschen verbinden sich mit diesem Wechsel?

Katrin Rohde: „Viele! Die Armen wünschen sich Hilfe in der Not. Der öffentliche Dienst wünscht sich höhere Gehälter, bei vielen Demonstrationen geht es hier um „Ouaga cher“, die Preise sind allgemein viel zu hoch für die kleinen Gehälter, die Schere zwischen reich und arm klafft weit. Die Kaufleute wünschen sich weniger Zoll auf Waren. Die Schüler wünschen sich kein Schulgeld mehr zu zahlen – was ja auch völlig richtig ist in einem Land mit immer noch 75% Analphabeten.Dies ist auch mein größter Wunsch: Bildung muß für jeden erreichbar sein. Jeder wünscht sich hier was! Allgemein wünschen sich jedoch alle am meisten: Frieden im Lande.“

Wie geht es Ihrer Meinung nach nun weiter in Burkina Faso?

Katrin Rohde: „Schwierig. Kurz vor der Flucht des ehemaligen Präsidenten wurden offenbar noch schnell Milliarden außer Landes gebracht – so läßt es sich nun schlecht regieren. Außerdem sind noch viele eingeschworene Profiteure der früheren Herrschaft im Lande, und wir wisssen nicht: wer ist wer? Es kann sich auch gar nicht nicht alles so schnell entwickeln wie gewünscht, und wir hoffen, daß das Volk weiterhin Einsicht dazu zeigt. Eins ist sicher: das Volk schaut nun sehr genau hin, hier herscht Pressefreiheit und die Menschen lassen nichts mehr so einfach durchgehen.

Ich persönlich glaube nicht,  daß in Afrika eine wahre Demokratie zu installieren ist. Nach meiner Erfahrung ist hier alles ganz und gar hierarchisch aufgebaut. Vielleicht kann man eine Mischung anstreben. Wohlgemerkt ist dies meine ganz eigene Meinung, ich hoffe und wünsche mir sehr daß das so tolerante Volk von Burkina Faso weiterhin so aufmerksam und zukunftsgesonnen und friedlich die Geschicke dieses Landes mitbestimmt.“

Weitere Pressestimmen:

„Ouagadougou – Das Militärregime in Burkina Faso hat internationalem Druck nachgegeben: Eine zivile Übergangsregierung wird das Land ein Jahr lang führen. Damit soll das westafrikanische Land nach schweren Unruhen wieder zur Demokratie zurückkehren.

Langzeit-Präsident Blaise Compaoré, der 27 Jahre im Amt war, hatte Ende Ende Oktober 2014 nach tagelangen Massenprotesten seinen Rücktritt verkündet. Die Demonstrationen richteten sich gegen seinen Plan, die Verfassung ändern zu lassen, um bei den nächsten Wahlen für eine weitere Amtszeit kandidieren zu können. Er setzte sich nach seinem Rücktritt in die benachbarte Elfenbeinküste ab.

Der Vizechef der Präsidentengarde, Isaac Zida, hatte Ende vergangener Woche die Regierungsgeschäfte übernommen, was international scharfe Kritik auslöste. (…) Die Afrikanische Union (AU) hatte Burkina Faso bereits am Montag ein Ultimatum gestellt. Wenn nicht innerhalb von zwei Wochen eine zivile Regierung eingesetzt werde, drohten dem Land Sanktionen – darunter eine Aussetzung der Mitgliedschaft in der Staatengemeinschaft.“

Quelle: Hersfelder Zeitung vom 06.11.14
 
 

„Es war eine würdevolle Feier, mit der Burkina Faso in der Nacht zum Montag die Weichen für seine politische Zukunft gestellt hat. Zweieinhalb Wochen nach dem Sturz des Langzeitherrschers Blaise Compaoré bekommt die Republik einen zivilen Übergangspräsidenten: den Diplomaten Michael Kafondo, der das Land bis zum nächsten regulären Wahltermin im November 2015 führen und dann die Macht an einen gewählten Nachfolger übergeben soll. Um 3.45 Uhr stand der Name fest, und das war der Höhepunkt und zugleich der Abschluss einer historischen Nacht.“

„Der frischgekürte Staatschef Kafando sagte nach seiner Ernennung, seine Wahl sei „eine schwierige Verantwortung“. Sein Ziel sei „eine wahrhaft demokratische Gesellschaft, in der soziale Gerechtigkeit, Toleranz und die Einheit der Herzen die wichtigsten Bezugspunkte sind.“ Und er fügte hinzu. „Gott helfe uns.““

Quelle: Dominic Johnson in die taz vom 17.11.14
 

 

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