AMPO Geschichten: Kinderschicksale

AMPO Geschichten

Seit nunmehr 20 Jahren beherbergen die Waisenhäuser von AMPO Kinder in Not. Viele Geschichten über Kinderschicksale können die Räume erzählen: oftmals lustige, oft traurige, manchmal nachdenkliche und auch viele Geschichten mit einem glücklichen Ausgang.

Hier möchten wir einige besondere Geschichten mit Ihnen teilen. Geschichten, in denen aus unfassbaren Umständen Wunderbares entsteht. Geschichten, die ohne AMPO vielleicht ein anderes Ende genommen hätten. Aber auch Geschichten, die trotz vieler Hilfeleistungen traurig enden. Geschichten, wie sie das Leben in Burkina Faso schreibt.

 

Ehemaliger AMPO-Junge erhält Orden der Vereinten Nationen

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Dondassé Aziz

Dondassé Aziz, der seit Jahren als Elektriker beim technischen Hilfswerk der burkinischen Armee tätig ist, steht schon seit 3 Jahren mit den burkinischen Truppen  in Mali an der Al-Quaida-Front-. Viele seiner Kameraden wurden bei Angriffen getötet oder verletzt.

Aziz erhielt im November 2014 einen Orden der Vereinten Nationen für Treue und Tapferkeit vor dem Feind.

Aziz ist verheiratet, seine Frau und sein zweijähriges Kind leben in Ouagadougou. Er ist als Vollwaise bei AMPO aufgewachsen und liebt seine „Maman“ Katrin Rohde, mit der er in ständigem Mailkontakt steht. Auch zu seinen ehemaligen Pateneltern in Schleswig-Holstein hält er regelmäßigen Kontakt.

Wir sind so stolz auf Dich, Aziz, alle AMPO-Kinder wollen werden wie Du!

Trauriges Ende eines Straßenjungen

An einem Novembermorgen im Jahr 2014 fanden die Kanalreiniger in Ouagadougou bei ihrer Arbeit die Leiche eines völlig verwahrlosten jungen Mannes. Einen Tag später erschienen zwei Straßenjungen bei Katrin Rohde in AMPO und sagten es wäre Hamidou, der vor 21 Jahren einige Jahre bei AMPO verbracht hätte. Sie baten Katrin, bei der Beerdigung zu helfen. Katrin fuhr sofort ins Zentralkommissariat und konnte den Jungen identifizieren. Nach 21 Jahren fand sie in den Unterlagen der AMPO-Kinder seine Geburtsurkunde und es konnte auch seine Familie gefunden und benachrichtig werden.

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Die Beerdigung von Hamidou

Hamidou hatte bei AMPO für einige Jahre gelebt und eine Schneiderlehre absolviert. Kurz danach aber verfiel er vollständig den Drogen. Wie viele andere psychisch Kranke durchwanderte er ziellos die Straßen und wurde von Nachbarn aus Mitleid ernährt. Eines Tages wurde Katrin durch einen Notruf um 2.00 Uhr morgens ins Krankenhaus gerufen und fand dort den nach einem Messerkampf mit anderen Straßenjungen schwer verletzten Hamidou. Die notwendige OP wurde von AMPO getragen. Er entschied sich jedoch erneut für ein Leben auf der Straße und schlief in den letzten 15 Jahren unter den Brücken der Kanäle.

Das letzte Mal kam er vor 5 Monaten schwerkrank und völlig verwahrlost zu AMPO. Keiner durfte ihn anfassen, außer Katrin. Von ihr ließ er sich waschen und die Haare und Fingernägel schneiden. Er blieb einige Tage in der Krankenstation, bekam Medikamente, neue Kleidung und kalorienreiche Nahrung. Er bedankte sich höflich, dann war er wieder verschwunden.

Bis seine Leiche gefunden wurde.

Katrin Rohde und der Mitarbeiter AMPOs Nana Souleyman fuhren mit je einem Pick-up und 40 Straßenjungen auf dessen Ladefläche in die Morgue des Städtischen Krankenauses: die Totenhalle. Im Beisein der Familie  gruben die Jungen auf dem Friedhof Toudouuego das Grab für Hamidou aus, die letzte gute Tat die für ihn getan werden konnte.

Lieber armer Hamidou, dass die Erde leicht auf Dir laste! (afrikanischer Spruch)

 

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