„Bildung macht alles anders!“ – im Gespräch mit Katrin Rohde

Katrin + Kids kleinDie Gründerin der AMPO-Einrichtungen kämpft seit vielen Jahren mit den Problemen, die die Menschen aus den afrikanischen Ländern über das Mittelmeer nach Europa treiben. Momentan wird darüber vielerorts debattiert. Wir fragen nach dem „Wie kommt es?“ und dem „Warum?“ und vor allen Dingen nach dem „Was kann ich tun?“ Im Gespräch mit Katrin Rohde stellt sich heraus, dass nachhaltige Entwicklungshilfe bereits in der Kindheit mit Bildung und Ausbildung ansetzen muss. In der Hauptstadt von Burkina Faso sind 50% der Bevölkerung unter 20 Jahre alt, 70% der Menschen sind Analphabeten. Junge Menschen ohne Schul- u. Ausbildung finden in ihrem eigenen Land kaum eine Perspektive.

Sie leben seit über 20 Jahren in Burkina Faso / Westafrika. Was haben die Menschen dort für ein Bild von Deutschland und Europa?

Katrin Rohde: Sowohl in Europa als auch in Afrika verderben die oft falschen Medienberichte die Wahrheit über das Leben auf den verschiedenen Kontinenten. Für Afrikaner ist Deutschland das gelobte Land, denn seit vielen Jahren arbeiten die Deutschen vor Ort zuverlässig und freundlich.

Wie kommt dieses Bild zustande?

Katrin Rohde: Hier in Europa wird Afrika beständig als hungerleidender Kontinent dargestellt – dabei stimmt dies ganz und gar nicht. Abgesehen von den Krisengebieten und Lagern ist das tägliche Leben z.B. in Burkina Faso bestimmt von viel Arbeit, sowohl in der Stadt als auch auf dem Land. Eltern kümmern sich gut um ihre Kinder und senden sie trotz hoher Kosten in die Schulen. Es gibt einige sehr reiche Bürger, viele gehören inzwischen in Bunrkina Faso zur Mittelschicht und fahren Autos und Mopeds. Die wirklichen Armen sind so arm, weil sie keinerlei Absicherung haben, keine Altersversorgung, keine Krankenversicherungen. So kann ein einziger Krankheitsfall zur Verarmung einer kompletten Familie führen.

Zum anderen wird Europa im Fernsehen als der Gipfel des Luxus dargestellt – jede Sekretärin fährt Porsche und jeder Bauarbeiter hat das neueste Handy! Wie sollen Afrikaner die Wahrheit erkennen?

Was erhoffen sich die Menschen, die aus ihrem eigenen Land fliehen, in und von Europa?

Katrin Rohde: In erster Linie Geld und Absicherung. Wenn ich erzähle, dass in Deutschland, jemand der nicht arbeitet, Geld vom Staat bekommt, jeder krankenversichert ist – da wollen natürlich alle hin!

Was muss geschehen oder verändert werden, damit die Menschen eine Perspektive im eigenen Land sehen?

Katrin Rohde: Es muß sehr viel mehr Ausbildung für die junge Generation gefördert werden, samt der dazugehörigen Arbeitsplätze. Dies hat unser letzter Präsident über Jahre verhindert. 40% der Jugendlichen in Burkina Faso sind unter 14 Jahren und haben keine Ausbildung – was soll mit ihnen in den nächsten Jahren geschehen? Kriminalität und Kriegsgewinnler locken!

Wie genau genau fördern Sie die junge Generation in ihren Einrichtungen?

Katrin Rohde: Selbstverständlich gehen alle AMPO-Kinder zur Schule, auch zur Abendschule, falls sie am Tage einen Beruf lernen. Unsere Abgänger werden von unserem Ausbildungskomittee noch über Jahre hinaus betreut. Hier wird konrolliert, ob alle zur Universität oder in ihre weiterführenden Schulen gehen, ob sie korrekt essen und geschützt schlafen. Dies alles erfordert eine große Finanzierung aus Deutschland.

Neben den vielen Erfolgen, gibt es da auch Rückschläge und Enttäuschungen?

Katrin Rohde: Natürlich kann man nicht allen Menschen helfen. Das muß man sich eingehend klarmachen, wenn man eine solche Arbeit an der Basis macht. Es gibt aber einen guten Spruch, der weiterhilft: Weniger Erwartungen, große Erfolge!!!
Die Kinder bei AMPO wachsen behütet bei uns auf, darum haben wir schon viele fertig ausgebildete Krankenschwestern,  Hebammen, und natürlich auch Bauingenieure, Lehrerinnen und Computerfachleute.  Mehr Sorgen mache ich mir über die Hunderttausenden von Kindern, die nicht in den Einrichtungen von AMPO leben – ganz ohne Ausbildung.

Was können wir denn von Europa aus konkret tun?

Katrin Rohde: In der deutschen Entwicklungshilfe sollte noch viel mehr für Ausbildung getan werden. Straßen oder Brunnen können auch andere bauen, aber Deutsche sind nun mal tolle Ausbilder, und uns fehlt ein duales System in Burkina Faso, für Elektriker, Maurer, Schneiderinnen und Friseusen – wie gut wäre das!
Jeder Deutsche, der oder die selbst und privat etwas tun will, darf aber gerne an AMPO spenden, denn außer unseren eigenen Kindern senden wir jedes Jahr 1000 externe Schüler in die Schulen – nur die besten Schüler bekommen ihr Schulgeld von uns, und auch dies geht direkt an die Schulen, niemand bekommt Geld privat auf die Hand.
Vielleicht wird es mit Ihrer Spende noch ein Schüler mehr?
Dies scheint mir persönlich, der einzige Weg zu sein, um die Mittelmeerkatastrophen zu verhindern: Bleib in Deinem Land und hilf dabei, es weiterzuentwickeln.
Afrika den Afrikanern.

Vielen Dank für die aufschlussreichen Worte, Frau Rohde.

Der Sahel e.V. unterstützt die Arbeit von AMPO vor Ort, denn wir sind überzeugt, dass Bildung und Aufklärung den Menschen in Entwicklungsländern langfristig ein selbstbestimmtes Leben in ihrem eigenen Land ermöglicht. Bitte helfen Sie uns dabei!

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