Reisebericht der Vorstandsreise im Februar 2016

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5. Februar 2016

Auf geht´s hieß es am heutigen Morgen für den Kaufmann Heribert Prockl und den Unternehmer Peter Mathar: Auf geht´s nach Burkina Faso! Regelmäßig besucht der Vorstand des Sahel e.V. die Einrichtungen von AMPO. Im Februar 2016 ist es nun wieder soweit und die zwei Vorstandsmitglieder begeben sich auf eine spannende Reise nach Ouagadougou.

Erst vor wenigen Wochen im Januar wurde die Hauptstadt Ziel eines Terroranschlages. Da begibt man sich auf solch eine Reise mit sehr gemischten Gefühlen. Es reist auch ein Stück Unbehagen mit, wenn man an die Anschläge im Januar denkt. Aber im Gepäck befindet sich vor allen Dingen jede Menge Vorfreude auf ein Wiedersehen und Kennenlernen, Neugierde auf die neu enstandenen Gebäude und Projekte und die Motivation zahlreiche Themen gemeinsam vor Ort anzupacken.

So denn, auf geht´s – Ärmel hochkrempeln für AMPO!

Anreisetag:

Heribert Prockl: Nach einem perfekten Flug landen wir pünktlich in Ouagadougou. Erwartungsvoll, was wir in der kommenden Woche erleben werden. Ich kenne die Stadt und AMPO ja bereits von meinem ersten Besuch vor zwei Jahren, mein Begleiter Peter Mathar erlebt allerdings ein ganz neues Afrika, fernab des typischen „Touristenafrika“. Der erste Eindruck: Warten, warten bei der Einreise und Kontrollen über Kontrollen. Dann auf dem Mobiltelefon die Nachricht der Fluggesellschaft, das Gepäck ist leider nicht verladen und befindet sich noch in Paris. Wie schön! Nach dem Ausfüllen diverser Formalien und dank der Hilfe unserer Projektkoordinatorin Andrea Reikat, sind wir ca. zwei Stunden später auf dem Weg in Richtung AMPO. Ohne Koffer aber guten Mutes!

Den Abend lassen wir bei einem Essen im neu renovierten Lehrrestaurant MamDunia ausklingen. Es gibt natürlich viel zu erzählen, auszutauschen und den Plan für die kommenden Tage zu besprechen. Connie Ternes, die für mehrere Monate im Jahr in Ouagadougou lebt und ebenfalls Vorstandsmitglied bei Sahel e.V. ist, gesellt sich zu uns. Nicht spät gehen wir in die Gästezimmer von AMPO und ich schlafe sehr zügig ein.

Peter Mathar: Angekommen im Flughafen Charles de Gaulle in Paris, verlaufe ich mich dusseligerweise, um dann im letzten Moment schweißgebadet den Anschlussflieger zu erwischen. Im Flugzeug werde ich von Heribert begrüßt und wir verbringen die nächsten Stunden mit Gesprächen über Berufsleben, Europapolitik, Weltfrieden und natürlich AMPO. Zum Ende des Fluges werde ich dann aber doch stiller, vor allem, als unter uns die Wüste Afrikas in Sicht kommt … Beim Austeigen schlagen mir der Geruch und die schwüle Luft des fremden Landes entgegen.

Nun dürfen wir auswählen, an welcher Schlange wir uns zur Regelung der Einreiseformalitäten anstellen möchten. Ohne es zu wissen, wählen wir die, die am längsten dauert. Passagiere der nach uns gelandeten Maschinen zogen links und rechts in den anderen Warteschlangen an uns vorbei, während es der Beamte hinter unserem Schalter sehr genau nahm. Dann durften wir noch die Flughafenverwaltung besuchen wegen unseres Kofferverlust…und dann…endlich AFRIKA!

Bei AMPO angekommen, beziehen wir die „farbenfrohen“ Gästezimmer: Für mich gibt es das „rosa“ Zimmer und dies wird wohl noch der ein oder andere Lacher in den nächsten Tagen sein!

Tag 2:

Heribert Prockl: Um 7:00 Uhr bin ich plötzlich wach, weil ich das Gefühl habe, soeben ist ein Lastwagen durch mein Zimmer gefahren? Die Lautstärke der nahen Straße ist fast körperlich. Irgendwie bin ich dies nicht gewöhnt. Naja, noch ein paarmal umdrehen und dann geht es auch schon zum Frühstück. Der Kaffee ist gut, der Rest französisch – wir sind fit für den ersten Tag.

k800_dscf9698Gleich im Anschluss werden wir von einigen AMPO-Direktoren empfangen: Madame Adamou, Monsieur Denis, Mathias Zoré, und Chouchou begrüßen uns herzlich und wortreich, obwohl Peter und ich kaum französisch sprechen. Doch die grundlegende Fröhlichkeit unserer Direktoren bedarf keiner Sprache und ist ansteckend. Andrea Reikat stößt dazu und nun kann auch offiziell gedolmetscht werden. Wir starten mit einem Rundgang und besichtigen die im letzten Jahr neu renovierten bzw. geschaffenen Bereiche auf dem Gelände von AMPO.

Wir besuchen die neue Boutique, in der nun die Produkte aus den AMPO Werkstätten sowie der Mädchen aus dem Haus MIA-ALMA und ebenso Produkte von ehemaligen AMPO-Zöglingen verkauft werden. Zur Abrundung des Angebotes gibt es auch einige Bronzefiguren von Künstlern aus Ouagadougou, die als Kommissionsware angeboten werden. Ein neuer Versuch, eigene Mittel für die Projekte zu generieren nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“. Ein lohnender Versuch, der sich noch in der Aufbauphase befindet.

Die Rollstuhlwerkstatt von Eduard ist in den neuen Räumlichkeiten bestens aufgehoben und sehr gut ausgelastet. Eduard ist sehr stolz auf seine nun deutlich bessere Werkstatt und erklärt uns alles.

Wir besichtigen die Schneiderei, in der sich momentan neun Mädchen in der Ausbildung befinden und den AMPO-Friseursalon mit vier auszubildenden Mädchen. Ausbildungsabläufe und Perspektiven der Mädchen werden diskutiert.

Anschließend führt uns Denis Yameogo durch die Krankenstation und erklärt die Abläufe der unterschiedlichen Behandlungen. Wir sind beeindruckt, wie mit einfacher Ausstattung täglich vielen Menschen, darunter hauptsächlich Frauen mit Kindern, geholfen wird. Das offizielle Krankensystem können sich die meisten Kranken nicht leisten. Bei AMPO zahlen sie nur einen kleinen symbolischen Betrag und erhalten dafür auch die benötigten Medikamente, die sie auch im Krankenhaus selbst bezahlen müssten. Nach diesem ausführlichen Rundgang benötigen wir die gemeinsame Mittagspause mit anschließender Siesta. Das Klima fordert doch seinen Tribut.

Am Nachmittag steht unser neues Projekt „Benga Zaka“ auf dem Besuchsprogramm. In diesem Wohnheim leben zurzeit neun ehemalige AMPO-Jungen, die nun über 18 Jahre alt sind und sich in der Ausbildung befinden. Neben der finanziellen Unterstützung haben wir hier eine Art WG für die Jungs eingerichtet. Jeder einzelne stellt sich vor und erklärt, wie sein persönlicher Ablauf ist. Unser Fazit ist: Ohne diese Wohnbasis wäre es für fast alle sehr schwierig bis unmöglich den Ansprüchen, sei es in der Berufsausbildung oder in der schulischen Weiterbildung, gerecht zu werden. Ich bekomme den Eindruck, dieses neue Projekt ist sehr gut angelaufen und wir werden demnächst auch ein Mädchenwohnheim errichten. Die Kosten sind sehr überschaubar und gut investiert, die Jugendlichen haben eine deutlich bessere Chance ihre Berufsausbildung abzuschließen und eine wichtige Grundlage für ihr weiteres Leben zu legen.

Burkinisch mit viel Trommeln, Musik und Tanz werden wir anschließend in den Waisenhäusern begrüßt, fast wie Staatsoberhäupter. 170 Kinder und Jugendliche feiern ein Fest und zeigen uns ihre ansteckende Lebensfreude. Ein Innenhof voller fröhlicher zufriedener Kinder. Vor meinen Augen sehe ich die Auswirkungen der vielen Spenden und darf auf diese direkte Art und Weise das Ergebnis der Arbeit von Sahel / AMPO erleben. Es ist beeindruckend, wenn man dies stellvertretend für alle Sahel-Unterstützer erleben darf. Schnell wird es dunkel und unser erster Tag hinterlässt ein sehr angenehmes Gefühl.

Peter Mathar: Nach einer eigentlich recht guten Nacht – wenn man absieht vom Straßenlärm, der zu harten Matratze und einem zu kurzen Bett (an die rosa Farbe der Einrichtung habe ich mich mittlerweile fast gewöhnt), besorgten wir uns bei einem Straßenhändler Unterhosen für die nächsten Tage. Wie schon erwähnt: wir sind ohne Koffer. So eingedeckt, konnte der Tag starten.

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Zuerst Rundgang durch die verschiedenen Projekte. Alles wurde sehr sympathisch von Andrea, Madam Adamou, Dennis, Chouchou und Mathias erklärt. Auch den neugierigen Fragen von mir und den kritischen Fragen von Heribert blieben sie keine Antwort schuldig. Die Zeit vergeht wie im Flug, schon wieder Mittagessen im Lehrrestaurant „MamDunia“ und dann ein Mittagsschläfchen bis 15:30Uhr. Mit diesem Tagesablauf lässt es sich leben.

Am Abend gibt es in den Waisenhäusern für alle Kinder Baguette mit Bratwürsten, die Connie und ich verteilen: „Avec Ketchup ou mudarte ou deux? (sollte heißen: mit Ketchup oder Senf oder beides?) Ob die Kids mich verstanden haben? Geschmeckt hat es jedenfalls allen!

Tag 3:

Peter Mathar: Ausgestattet mit Ohrenstöpsel verläuft die zweite Nacht wesentlich ruhiger und auf der knüppelharten Matratze schläft es sich dann doch ganz gut.

Gemeinsam mit unseren Freunden der „Dr. Elvire Engel Stiftung“ aus Luxemburg, die die Mittel für dieses Projekt zur Verfügung stellt, besuchen wir die Lehrfarm „Tondtenga“. Hier werden ca. 80 Jungen aus umliegenden Dörfern für 2 Jahre in biologischer Landwirtschaft ausgebildet. Die Fahrt über Asphalt- und Buckelpiste war sehr eindrucksvoll: Ich konnte mich an dem Geschehen links und rechts, samt dem Auto- und Mopedgewusel kaum sattsehen, trotz des überall präsenten Mülls (vor allen Dingen der schwarzen Plastiktüten überall).

Auf der Farm wurden wir von klatschenden Farmschülern begrüßt, die ein Spalier bildeten, durch das wir nach und nach hindurch marschierten. Nach kurzer Begrüßungsrede ging es dann gleich weiter zur Besichtigung der einzelnen Farmbereiche: Enten-, Hühner-, Truthahn-, Schweine-, Rind- und Kaninchenzucht, vorbei an Gehegen von Legehennen, Schildkröten, Tauben und Pferden. Ebenso die Anbauflächen werden begutachtet und wir können uns vergewissern, dass mit den finanziellen Mitteln in unserem Sinne und im Sinne der „Dr. Elvire Engel Stiftung“ umgegangen wird. Mittlerweile wird es langsam wärmer (34C) und der Wind wirbelt einen ziemlichen Staub auf. Nach einem leckeren Picknick mit Hackfleisch gefülltem Baguette ging es dann auch schon wieder zurück.

Heribert Prockl: Die Fahrt zu unserer Lehrfarm Tondtenga dauert ca. 45 Minuten und führt über eine Piste, die in den Sand gestampft ist. Die Fahrer sind diese Verhältnisse zum Glück gewohnt und es geht hoch und runter – man schaukelt sich so dahin. Momentan im Februar ist alles sehr trocken, der letzte Regen ist im Oktober gefallen. Die Landschaft ist sandig, staubig und es weht ein starker Wind. Andrea Reikat erzählt mir wie schön alles grünt und blüht, wenn der Regen gefallen ist. Angesichts der Trostlosigkeit der Steppe samt den vielen Abfällen und Plastikmüll, der überall durch die Luft wirbelt, ist es für mich schwer vorstellbar. Das nächste Mal muss ich in der Regenzeit kommen.

Das Projekt Tondtenga wird durch die „Dr. Elvire Engel Stiftung“ aus Luxemburg gefördert. So stehen natürlich unsere Partner aus Luxemburg hier im Mittelpunkt und machen einen sehr ausführlichen Rundgang. Wir flüchten schon etwas früher vor der Sonne und dem sehr staubigen Wind unter den Apatam. Auf der Rückfahrt machen wir dann Station in einem Restaurant mit einem kleinen See / Pool, indem die Kinder den Sonntagnachmittag genießen. Leider haben wir keine Badesachen dabei und blicken etwas neidisch: Ein erfrischendes Bad, um den Staub abzuspülen wäre jetzt sehr angenehm. Aber wir sind ja nicht zum Vergnügen hier!

Tag 4:

Heribert Prockl: Heute ist langer Tag der Besprechungen. Morgens um 9:00 Uhr starten wir mit einer Gesprächsrunde gemeinsam mit den Direktoren der AMPO-Einrichtungen.

Nach dem üblichen und wichtigen Austausch der Höflichkeiten, kommen wir schnell auf grundsätzliche und aktuelle Themen der Zusammenarbeit zwischen Sahel und AMPO. Ebenso wird das Zusammenwirken mit den wesentlichen Unterstützerorganisationen von AMPO (wie „Dr. Elvire Engel Stiftung“, dem Berliner Verein „Freunde für AMPO“, der Katrin Rohde-Stiftung und der Schweizer „The Dear Foundation“) erörtert.

Themen für Gespräche gibt es genug: Welche Aufgaben und Ziele hat der Vorstand des Sahel e.V., welche konkreten, kollektiven Pläne haben wir und wie sieht die finanzielle Situation aus. Wir vereinbaren ein gemeinsames neues Ziel: Bis zum September wollen wir ein Wohnheim für Mädchen nach dem Vorbild des Jungenwohnheims einrichten. Alle sind sich einig, dass dies eine sehr sinnvolle Erweiterung des Ausbildungskonzeptes ist und einigen Mädchen sehr helfen wird, ihre Berufsausbildung problemloser zu meistern und für den weiteren Lebensweg noch besser gerüstet zu sein.

Anschließend stellt jeder Direktor sein Projekt vor und bringt seine Themen in die Diskussionsrunde ein. Viele unterschiedliche Themen werden, teilweise auch sehr kontrovers diskutiert, in einer sehr offenen und angenehmen Gesprächsatmosphäre. Sollen AMPO Kinder ein Smartphone benutzen dürfen? Sollen die Kinder Internet Zugang erhalten? Und wenn ja, wie viel und wie kann man dies kontrollieren? Welche Berufsausbildung sollte bei AMPO-Kindern gefördert werden? Wie trifft man die richtige Berufswahl gemeinsam mit den Kindern?

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Nach vier Stunden intensiven Meinungsaustausch sind die meisten erschöpft und wir brauchen eine Mittagspause. Am Nachmittag geht die Gesprächsrunde in anderer Besetzung zum Thema Restaurant weiter. Wir besprechen gemeinsam mit den Verantwortlichen des Lehrrestaurants MAM DUNIA die Umsatzzahlen, Wareneinsätze, Kosten und Kalkulationen der ersten zwei Monate seit der Eröffnung. Wo sind wir bereits gut? Was sollten wir noch verbessern? Deutsche und afrikanische Denkweisen suchen den gangbaren Weg. Gute Ansätze für den Weg zu erfolgsversprechenden Lösungen finden sich sehr schnell, denn über die Ziele sind wir uns grundsätzlich einig.

Sieben Stunden konzentrierte Gespräche auf Deutsch / Französisch fordern ihren Tribut und so freuen wir uns sehr über die Einladung zum Abendessen bei Andrea Reikat.

Tag 5:

Heribert Prockl: Am Vormittag unseres fünften Tages bei AMPO steht die Besichtigung von Haus MIA-ALMA zuerst auf dem Programm. Die ehemals zwei getrennten Projekte sind Anfang 2015 zusammen in die Gebäude des ehemaligen Projektes Emma Yiri gezogen. Wir werden vom Leiter Souleymane Nana (genannt Chouchou) und seinem Team sehr herzlich empfangen. Das Projekt betreut AIDS infizierte minderjährige Frauen, die von ihren Familien verstoßen wurden. Teilweise haben die jungen Mädchen bereits eigene kleine Kinder. Alle zusammen begrüßen die Gäste aus Deutschland mit Gesang und Tanz.

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Fast ist es uns etwas peinlich, mit welchem Aufwand wir begrüßt werden. Aber den Mädchen und vor allem den Kleinkindern scheint es offensichtlich viel Spaß zu machen, uns zu zeigen, was sie alles singen können. Einige der französischen Volkslieder kennen wir auch in der deutschen Variante und beim „Frére Jacques“ kann ich sogar in den Refrain einstimmen. Natürlich können wir uns nicht so elegant zur Musik bewegen wie die Kleinen, die uns dies immer wieder stolz vorführen.

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Danach besichtigen wir die Räumlichkeiten des Projektes und bestaunen in der Schneiderei die bunten und sehr aufwendig mit viel Stickerei versehenen Artikel. Die Motive sind afrikanisch farbenfroh geprägt und die vielfältigen Produkte werden vornehmlich über unseren Sahel-Shop in Deutschland verkauft.

Im Innenhof ist eine große Anbaufläche für Gemüse. Dies dient teilweise zur eigenen Verpflegung aber auch zum Verkauf an die anderen Projekte. Insgesamt macht das Projekt einen hervorragend gepflegten und organisierten Eindruck, obwohl die aufgenommen jungen Frauen sicherlich nicht einfach zu betreuen sind. Aber wir haben den begründeten Eindruck Chouchou und sein Team führen das Projekt nicht nur aus vollem Herzen, sondern auch sehr effektiv. Nach der freudigen Übergabe einiger Mitbringsel speziell für die Kleinkinder verabschieden wir uns zum nächsten Besuchspunkt.

Nun fahren wir zum Projekt P.P.Filles, der Beratungs- und Sozialstation von AMPO. Die Leiterin Madame Hedwige empfängt uns und stellt uns ihre Mitarbeiter vor. Die Schwerpunkte der Arbeit sind verkürzt erklärt: Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit für Frauen, Vergabe von Mikrokredite an Frauengruppen, soziale Hilfe für Bedürftige durch Lebensmittelspenden und Unterstützung aller Art. Da heute keine Veranstaltung, Vorführung oder ähnliches stattfindet, ist es sehr ruhig. Die Mitarbeiter erklären uns ausführlich ihre Arbeit und die Ergebnisse. Verglichen mit den strahlenden Kinderaugen von Mia-Alma ist dies natürlich „trockene Kost“ aber zeigt wie vielfältig AMPO arbeitet.

Am Nachmittag entfliehen wir Ouagadougou und fahren mit unserer Reiseleiterin Connie in den Busch.

Tag 6:

Heribert Prockl: k800_dsc01908Am nächsten Morgen werde ich sehr früh in unserer Hütte mitten im Wildpark Nazinga geweckt. Wir haben bereits für 6.30 Uhr den Wildparkhüter gebucht, der uns bei der Rundfahrt begleitet und uns möglichst Elefanten bei einem der Wassertümpel zeigen möchte. Aber leider sehen wir heute außer vielen Antilopen, ein paar Warzenschweinen und diversen Vögeln nicht die erhofften majestätischen Elefanten. So kehren wir nach zwei Stunden Rundfahrt gut geschüttelt und leicht enttäuscht ins Camp zurück. Nach einem kurzen Frühstück geht es weiter nach Manga, südöstlich von Ouagadougou. Zwei Stunden Ruckelpiste und wir erreichen Manga: Hier wollen wir Edouard, den Leiter der mobilen Rollstuhlwerkstatt (Handicap Mobilé) bei einem seiner Auswärtseinsätze begleiten.

k800_dsc01915Edouard besucht gemeinsam mit seinem Mitarbeiter die umliegenden Dörfer und repariert vor Ort Rollstühle und Dreiräder für die Ärmsten der Armen. Erst kürzlich erhielt AMPO dafür eine Auszeichnung. Eine große Gruppe von Personen mit Handicap aller Altersgruppen ist versammelt. Es werden Ersatzteile, Reifen und andere defekte Materialien ausgetauscht, um die Dreiräder wieder funktionsfähig zu machen. Wir werden ehrfurchtsvoll begrüßt und ein bisschen angestaunt. Viele „Weiß Nasen“ haben sich wohl noch nicht in dieses Dorf verirrt. Einige der versammelten Menschen erzählen uns ihre Leidensgeschichte: Ein junges Mädchen erzählt, dass sie über sieben Jahre lang den kleinen Hof nicht verlassen konnte. Vor einigen Jahren hat sie ein Dreirad erhalten und kann sich nun wieder unter den Mitbewohnern bewegen, kann auf den Markt fahren und am öffentlichen Leben teilhaben. Sogar einer kleinen Beschäftigung kann sie nun nachgehen. Für sie ist das Leben wesentlich lebenswerter, seit sie dank des Dreirades mobil ist. Wir hören noch weitere ähnliche Leidenswege und den großen Dank der Betroffenen für das Engagement von AMPO. Die Gesichter und die Erzählungen gehen uns wirklich unter die Haut. Wir müssen, dürfen viele Hände schütteln und erleben hautnah, wie man mit wenigen Mitteln ein Leben komplett zum Besseren verändern kann. Die meisten der ca. 50 Rollstuhlfahrer sind nach wie vor schwer behindert, aber sie strahlen uns an als ob wir sie geheilt hätten. Nach einer langen Abschiedszeremonie setzen wir sehr tief beeindruckt unsere Fahrt zurück nach Ouagadougou fort.

Auf der Rückfahrt beschließen wir spontan, dass wir diese Hilfen verstärken müssen. Wir wissen noch nicht wie, aber wir sind uns einig, bei diesem Projekt können wir mit wenig Geld unglaublich viel bewirken.

Tag 7:

Heribert Prockl: Gemeinsam mit Madame Adamou, die für die Ausbildung und Fortbildung der AMPO Kinder zuständig ist, und unserer Projektkoordinatorin Andrea Reikat besuchen wir zuerst die Ausbildungsschule St. Camille. Die Schule wird von Nonnen des Camilles Orden geführt, die junge Frauen in Textilbereichen, Schneiderei, Stickerei, Weben, Stricken ausbilden. Sehr junge Mädchen, die teilweise über keine Schulausbildung verfügen, durchlaufen eine Grundausbildung, die 3 Jahre andauert und grundlegende fachliche Inhalte vermittelt. dsc01921Daneben gibt es eine fortgeschrittene Ausbildung, die in etwa einer Lehre entspricht. Neben der fachlichen Ausbildung wird auch begleitend eine allgemeine Ausbildung durchgeführt. In einem gut eingerichteten PC-Raum werden den Mädchen hauptsächlich die Microsoftprogramme Excel, Word und Outlook gelehrt. Die Einrichtung insgesamt besticht durch Sauberkeit, Klarheit und ein offensichtlich funktionierendes System. Einige AMPO Mädchen werden hier auch ausgebildet und die Zusammenarbeit ist sehr gut.

Unsere nächste Station ist die private Schule „Wend Panga“ für die Ausbildung von Hebammen, Krankenhelfern und Grundschullehrern. Wir kommen in einen Klassenraum mit ca. 160 Schülern. Ich kann mich nicht erinnern, schon einmal einen so vollen Klassenraum gesehen zu haben! Immerhin hat der Lehrer ein Mikrophon, welches Andrea Reikat dann spontan übernimmt um unsere Delegation vorzustellen. Die nächste Klasse besteht zu ca. 90 % aus Mädchen: die Grundschullehrerinnen. Die künftige Ausbildung der Jugend von Burkina Faso wird offensichtlich in weiblicher Hand liegen. In beiden Klassen sind einige AMPO Kinder, die wir begrüßen.
dsc01928Danach besuchen wir zwei ehemalige AMPO Kinder, die seit einem Jahr ein eigenes Geschäft betreiben. Zwillinge, die eine ist Schneiderin, die andere ist Friseurin. Beide sind nicht verheiratet und versuchen sich nun, mit ihrer erworbenen Ausbildung im rauen Markt zu behaupten. Nicht einfach, aber sie erscheinen mir zufrieden und blicken hoffnungsvoll in die Zukunft. Ein gutes positives Beispiel. Wir wünschen ihnen viel Glück und Erfolg.

Zum Abschluss unserer Ausbildungsrundreise besuchen wir eine private Universität mit ca. 3.000 Studenten, davon sind 3 ehemalige AMPO-Kinder, die jetzt im Rahmen unserer Ausbildungsförderung die Chance erhalten, ein sehr gutes Studium zu absolvieren. Die drei jungen Frauen sind sehr hochbegabte Schülerinnen und nutzen die ihnen ermöglichte Chance der besonderen Ausbildung. Die Ansprüche und die Disziplin an der Uni sind sehr hoch. Auch hier sind die weiblichen Studentinnen deutlich in der Überzahl! Irgendwie verfestigt sich der Eindruck, die Zukunft von Burkina Faso wird verstärkt von Frauen beeinflusst werden. „Unsere“ Katrin Rohde hat ja dafüri auch schon große Maßstäbe gesetzt.

Am Nachmittag steht ein Besuch des „Village Artisanal“ auf unserem Programm. Dies ist ein Zentrum, in dem Kunsthandwerker ihre Waren anbieten. Von der Plöner Geschäftsstelle haben wir eine Einkaufsliste erhalten mit diversen Waren für unseren Sahel-Shop. Wir stellen fest, dass professionelles Einkaufen nicht so einfach ist. Die passenden Artikel in einer Qualität zu finden, die in Deutschland verkäuflich erscheint, ist schwierig. Dazu kommt noch der unterschiedliche persönliche Geschmack von Connie, Peter und mir. Wir versuchen gezielt, unsere Liste abzuarbeiten. Wenn Sie also demnächst unseren Laden in Plön besuchen oder unseren Internetshop nutzen, werden Sie uns die Antwort geben, ob wir einigermaßen erfolgreich waren. Ein persönliches Souvenir erstehen wir natürlich auch, dies fällt mir wesentlich einfacher.

Nach drei Stunden sind wir alle richtig geschafft! Zur Belohnung lädt uns Connie zum Abschlussessen in ihr eigenes Haus ein. Wir genießen in großer Runde einen schönen Abend und die Gastfreundschaft bei Connie und Georges Ternes. Natürlich wird viel über AMPO und die einzelnen Projekte debattiert. Bis Connie verkündet, jetzt ist aber mal Schluss mit AMPO! Lasst uns mal über was anderes reden! Recht hat sie, es gibt auch für engagierte ehrenamtliche Helfer Themen außerhalb unserer Projekte.

Tag 8

Heribert Prockl: Der letzte Tag!
Wir haben zwar schon sehr viel gesehen und viele Informationen gesammelt, aber doch nur einen kleinen Ausschnitt von AMPO und Burkina Faso erlebt. Also beschließen wir, diesen Tag noch einmal voll auszunutzen.
bild-1-tag-8Zuerst wartet eine angenehme Zeremonie auf uns. Edouard übergibt zwei Dreiradrollstühle an Kinder mit einer körperlichen Behinderung. Damit wird sich ihr Leben verändern, denn bisher konnten sie ihre Höfe nicht verlassen, nun werden sie wieder am gemeinschaftlichen Leben teilhaben können. Wie auch bereits vor zwei Tagen in Manga sind dies ganz besondere Momente, die berühren. Ein bisschen offizielle Publicity, Danksagungen und Fotos gehören in Burkina Faso bei solch einem Ereignis natürlich dazu. Die dankbaren Augen der zwei Kinder und deren Mütter überstrahlten dabei alles. Edouard berichtet uns, dass er ca. 24 speziell angefertigte Rollstühle im Jahr vergibt. Auf die Frage, wie hoch denn die realistische maximale Kapazität der Herstellung und Vergabe wäre, meint er bis 60 Rollstühle pro Jahr könnten sie schaffen. Connie, Peter und ich beschließen nach kurzer Abstimmung, uns ein neues Ziel zu setzen, in den nächsten 12 Monaten 50 Rollstühle zu finanzieren. Wir setzen auf die Unterstützung aller AMPO Freunde, die unser Reisetagebuch lesen. Spenden sind herzlich willkommen! Ein speziell behindertengerecht hergestellter Rollstuhl kostet bis zu 300 Euro und kann das Leben eines Menschen entscheidend verbessern!
Danach geht es auf Besichtigungstour von Ausbildungsbetrieben, heute für Jungen. Wir besichtigen zuerst ein staatliches Ausbildungsprogramm für Elektriker, Schreiner und Metallarbeiter. Das System entspricht etwa unserem dualen System mit praktischer Ausbildung und begleitender schulischer Ausbildung. Im Anschluss besuchen wir eine Autowerkstatt speziell für Karosserieschäden. Hier wird ein Junge von AMPO ausgebildet. Er hat eine harte 6-Tage-Woche. Ausbeulen, schmirgeln, spachteln, abkleben, lackieren etc. Dafür, dass er schwer arbeitet, bezahlt AMPO dem Werkstattbesitzer eine Ausbildungsgebühr. Eine Garantie auf eine Übernahme nach drei Jahren Ausbildung gibt es nicht. Wir sind nicht begeistert von diesem System, aber es ist in Burkina Faso leider noch üblich.
Nun steht noch eine kurze Visite in der Uni von Ouagadougou an. Wir besuchen ein Vorlesung für Deutschstudenten: In einem großen Schulsaal mit ca. 250 Studenten gehen Fragen und Antworten meist in Deutsch und fast ohne Übersetzung hin und her. Auf die Frage, wer schon mal in Deutschland war, meldet sich ein Mädchen. Auf die Frage, wer mal nach Deutschland will, gehen fast alle Hände hoch! Deutschland steht, zumindest bei diesen Studenten, hoch im Kurs. Zwei Mitarbeiterinnen in der Administration bei AMPO saßen auch mal hier im Hörsaal für Deutsch.
Gegenüber der Uni ist das Goethe-Institut und obwohl unser Zeitplan schon etwas überzogen ist, schauen wir kurz rein und führen ein nettes informatives Gespräch mit der Leiterin.
bild-2-tag-8Zurück bei AMPO erwarten uns schon die Direktoren zur Abschlussbesprechung. Bei unserem letzten Meinungsaustausch wird nicht nur ein fachliches Fazit unserer Reise gezogen, der übliche Austausch der Höflichkeiten und gegenseitigen Danksagungen darf bei einem solchen Anlass natürlich nicht fehlen. Es wird viel gelacht und gescherzt und alle bedauern, dass Katrin leider diese Woche nicht dabei sein konnte. Aber man hat sowieso das Gefühl, sie ist überall und immer anwesend bei AMPO.
Ich glaube, das bedeutendste Ergebnis unserer Reise ist, dass wir uns gegenseitig besser kennen und schätzen gelernt haben.
Bei mir steht jetzt noch ein intensives Gespräch mit Madame Adamou und unserem Restaurantleiter Basil an. Ich bringe meine persönlichen positiven und negativen Erfahrungen von einer Woche Gast im Restaurant und Gästezimmer ein. Dabei geht es um wirtschaftliche Themen, aber auch um „deutsche“ Themen wie Sauberkeit, Ordnung, Hygiene. Unser Ziel ist es, mit dem Restaurant einen guten Überschuss zu erzielen, der in unsere sozialen Projekte zurück fließen kann. Wir sind schon auf einem guten Weg und vereinbaren eine kleine Maßnahmenliste zur weiteren Verbesserung. Schritt für Schritt!
Die Zeit drängt, ich kann mich noch kurz erfrischen und umziehen, dann geht es ab zum Flughafen. Ein zweistündiger Marathon im Anstellen und Kontrollieren beginnt. Unsere Pässe und Tickets sind sehr begehrt und werden in der Tat neunmal intensiv kontrolliert. Zur Prüfung, dass wir wirklich die Passinhaber sind, werden sogar Fingerabdrücke genommen und verglichen.
Peter und ich schauen uns an, sicherlich mit unterschiedlichen Gefühlen und Erfahrungen, und atmen bewusst zum letzten Mal die afrikanische Luft tief ein. Ab in den Flieger und zurück in unsere „normale“ Welt. Was haben wir mitgenommen, was haben wir hinterlassen? Die konkreten Auswirkungen unseres Besuchs für beide Seiten werden sich in den nächsten Wochen und Monaten bei der gemeinsamen Arbeit zeigen. Mit Sicherheit hat diese Woche für noch besseres Verständnis der gegenseitigen Positionen, Probleme und Ansichten gesorgt. Wir sind uns näher gekommen und persönliche Kontakte sind in der Zusammenarbeit durch nichts zu ersetzen.
Ich ziehe jedenfalls persönlich ein sehr positives Fazit unserer Reise und werde natürlich versuchen die vielen Eindrücke und die neuen Informationen / Erkenntnisse in meine Vorstandsarbeit aktiv einzubringen.
Managré nooma das Gute geht nie verloren!
Wenn Sie liebe Leser, den Sahel e.V. bei unserer Arbeit unterstützen möchten, ich bin so frei: hier unsere Bankverbindung: Sahel e. V. IBAN: DE27 2105 0170 0000 0057 85

Natürlich würden wir uns auch über ihre Kommentare, Meinungen oder Vorschläge zu unserer Reise und generell zur Arbeit im Sahel e.V. in Deutschland und den Projekten von AMPO in Burkina Faso freuen.

Ihr Heribert Prockl

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