A.M.P.O. – Rundbrief Sommer 2016

Rundbrief Sommer 2016 web_Seite_1
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Liebe Freunde und Paten unserer Waisenkinder in Ouagadougou,

hoffentlich geht es Ihnen und allen Ihren Familien so richtig sommerlich gut, dies wünschen wir Ihnen! Mitten aus den trubeligen Ferienwochen unserer Waisenhäuser schreibe ich diesen Rundbrief, mit täglicher Freude an unseren fröhlichen Kindern. Schon morgens um 7.00 Uhr, wenn ich ankomme, rennen mir 20 kleine Jungs entgegen und werden umarmt, wir besprechen unseren Tag zusammen. Das Lachen der Kinder klingt hell den ganzen Tag und begleitet die Direktoren tröstlich bei allen langweiligen Arbeiten wie: Berichte schreiben und den Budgets akribisch folgen, damit unsere Buchhalter zufrieden sind. Dies muss jedoch sein, um in Europa bei unseren Gebern immer wieder nachweisen zu können wie korrekt wir arbeiten. Das erinnert mich: Laut diverser Freunde bin ich mit meinen Anfragen nach Unterstützung viel zu zurückhaltend. Ich soll gleich am Anfang jedes Rundbriefes schreiben: Hilfe, unsere Kinder brauchen dies oder das (dringend ein neues Auto!), unsere Krankenstation braucht jenes (Geld zu Impfaktionen), unsere Beratungsstelle für Frauen nochmal was anderes. Nämlich Geld! Das ist aber nicht so meine Art, ich gehe immer davon aus, dass Sie alle wissen wie teuer der Unterhalt aller unserer Einrichtungen ist und ich denke mir, Sie tun schon Ihr Bestes. Was mir dazu einfällt: Fragen Sie Ihre Freunde, ob sie nicht auch mitmachen wollen, mitfahren auf diesem großen AMPO-Dampfer der buchstäblich im Jahr für tausende von Menschen sorgt, in vielerlei Hinsicht. Vielleicht bringt es Ihren Freunden genauso so viel Freude, sich für einen heilen Platz auf der Welt einzusetzen wie Ihnen selbst? Viele suchen so einen Ort an dem sie ihre Spenden sicher unterbringen können und Sie selbst kennen den ja schon: Es ist AMPO, mit seinen vielerlei Unterstützungen für Kinder, für Frauen, für Schwache und Alte.

Zurück in unseren momentanen Alltag: Unbelastet durch Schule und diverse Examen toben wir gemeinsam durch diese Wochen, angefüllt mit Unternehmungen wie diversen Workshops, Ausflügen, viel Tanz und Trommelei. Wir malen gemeinsam, wir puzzeln über Stunden, einige Große arbeiten auf den Feldern unserer Farm, natürlich steht wöchentlich Schwimmen auf dem Programm. Und Zirkus gibt es! Zweimal in der Woche wird unter fachlicher Anleitung über Stunden jongliert und Rad geschlagen. Es fehlte mir gerade noch, dass meine Kinder das Feuerschlucken lernen – so begeistert sind alle dabei! Unseren Freunden, die dies finanzieren danken wir für eine unbeschwerte Zeit – einmal im Jahr, denn danach wird die strenge Schulzeit wieder unser Leben bestimmen. Eine Erholung haben alle verdient, denn unsere diversen Schulabschlüsse sind auch dieses Jahr wieder recht gut ausgefallen. Kinder, die erst ein Jahr bei uns sind, mit traurigen vorherigen Lebenserfahrungen, sind erfasst von unserem Gruppenelan, von unserem Zusammenhalt, sind begeistert von ihrem guten und beschützten Leben in AMPO – und werden plötzlich Erste ihrer Klassen. Dies freut mich immer besonders, zeigt es doch, wie wichtig und heilsam das ruhige und liebende Zuhause ist, dass wir ihnen bieten können.
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Noch liegt der Höhepunkt der Ferien vor uns, nämlich die Ferienkolonie, diesmal in Po nahe der ghanaischen Grenze. Dieses besondere Geschenk haben Sie selbst uns gemacht, durch ihre Spenden an Sahel e.V. und den Berliner Verein! Dort gibt es viel zu besichtigen, wir werden Ausflüge machen zu historischen Orten wie dem alten Sklavenmarkt und zu malerischen Hüttendörfern. Dank der „Berolina“ aus Berlin sind diese Ausflüge schon finanziert. Es ist teuer, denn jedes Mal werden ca. 150 Menschen in Bussen transportiert! Zwei Wochen lang schlafen, singen, angeln, tanzen, lernen wie man Fahrrad oder Moped fährt oder Bohnen kocht – alle freuen sich drauf. Ein geordneter Transport in drei Bussen samt aller Küchenutensilien plus der Köchinnen, aller Erzieher und natürlich einer Krankenschwester stehen an. Dem gehen Tage voller wilder Planungen und dem Erstellen der Packlisten voraus, die Nerven unserer Mitarbeiter sind Gott sei Dank an Strapazen gewöhnt…
Auch das gesamte Haus MIA/ALMA fährt mit, samt Mädchen, jungen Müttern mit Babys und Kleinkindern. Auf diese schwierige Einrichtung bin ich sehr stolz, denn sie wird von einem einzigartigen Mann geleitet, Nana Souleymane, zärtlich von allen „Tonton Chouchou“ genannt, frei übersetzt: „Onkelchen Liebling“. Seine manchmal 50 Mädchen samt ihrer Kinder hängen alle sehr an ihm. Er ist ein wahrer Streetworker direkt an der Basis – macht allerdings gerade so nebenbei sein Diplom als spezialisierter Erzieher. Sehr fleißig, lieber Chouchou! Seine Mädchen bekamen als Workshop eine zweiwöchige Einführung in Yoga. Das wollen wir nun beibehalten, denn wegen ihrer schwierigen, oft verzweifelten Lebenshintergründe tut es ihnen gut.

K800_DSC_0462Und eine Neueröffnung gibt es bei AMPO: Dank der süddeutschen Stiftung „RedCHAIRity“ werden wir ein Jahr lang versuchen, unsere vielen Rollstühle für Behinderte nun selbst herzustellen. Da wir ein ungenutztes, bereits bebautes Grundstück besitzen, haben wir dies kurzerhand innerhalb von 14 Tagen umfunktioniert. Der Name ist „Tond Nao“, eigentlich „unsere Beine“, im übertragenen Sinne aber: „Das was uns trägt“. Und was trägt uns schon, natürlich Liebe, wie immer! Die Eröffnung war Ende Juni, zu Besuch kam zu diesem Anlass die burkinische Nationalmannschaft der Behinderten auf ihren verrückten Rennbehindertenrädern. Welche Ehre! Da der Leiter der Behindertenprojekte oft über Land fährt und viele Behindertengruppen kennt, haben diese sich aus lauter Sympathie und Dankbarkeit zusammengetan. Zum Zeitpunkt der Eröffnung von „Tond Nao“ um 8.30 wurde in 50 Dörfern in ganz Burkina Faso von Behinderten, unabhängig von ihren verschiedenen Religionen, für AMPO gebetet! Ein Segen für uns und unser Fortkommen und den Erfolg der Werkstatt….. ich bin gerührt, Sie sicherlich auch! Sowas gibt´s nur hier, in diesem armen Land. Ja, Liebe ist das „was uns trägt“.
Wir wollen nun auch neue Rollstühle entwerfen, nicht immer das gleiche machen. Viele davon werden für Kinder sein.
Spenden Sie bitte reichlich! Mit jedem von AMPO verschenkten Rollstuhl schenken wir gleich das Schulgeld mit, geben Sie behinderten Kindern in diesem Land eine Chance!
Übrigens vergisst man ja leicht bei allen unseren Erfolgsdaten, dass wir hier immer noch (sehr respektvoll) in Afrika sind: Gerade gestern fanden wir im Auto unseres Verwaltungsdirektors auf unserem eigenen AMPO-Parkplatz mitten in der Stadt eine sehr giftige Schlange von 1,50 m! Am gleichen Tage wurde einer unserer Jungs auf dem Feld von einem Skorpion gestochen – dies ist hier nicht tödlich, jedoch sehr schmerzhaft. Wir leiden immer noch und immer wieder unter beständigem Stromausfall über Stunden, in manchen Vororten über Tage (natürlich gerade immer dann wenn ein Bericht besonders eilig ist!) und haben dann keine Internetverbindung. Unsere Handys haben über Tage gar keinen oder nur schwierigsten Empfang. Leben in Afrika!
Andrea Reikat, meine tapfere Mitstreiterin hat sich nach über einem Jahr bei AMPO so langsam an unsere Arbeitsweise
gewöhnt – die ja manchmal recht ungewöhnlich ist. Gar nicht so einfach, unsere eingeschworene Truppe, die gemeinsam
alle Entscheidungen für AMPO trifft und vorher auch nicht vom Tisch aufsteht (Sie erinnern sich an meinen Grundsatz: Afrika den Afrikanern!. Bei den Direktorensitzungen wird lautstark diskutiert. Manchmal sind wir wie ein Kindergarten und müssen uns austoben. Von außen sieht das sicherlich wild aus, ist jedoch wichtig, denn bei den vielen Notsituationen und oft schrecklichen und sehr dichten und direkten Erfahrungen mit Menschen in Not, sind wir auch sehr empfindlich und brauchen uns gegenseitig. In Europa haben Menschen mit so viel Verantwortung oft Psychologen, aber wir Direktoren bei AMPO haben das nicht. Es ist erstaunlich in wie viele Leben wir eingreifen können, wie oft wir mit wenig Einsatz gute Lösungen und große Erfolge finden. Das Gegenteil ist aber auch der Fall, und dies macht uns Direktoren
dann sehr traurig. Oft stehen wir alleine vor Menschen mit fast unlösbaren Problemen, mit Krankheit und Tod.
Wir kämpfen weiter – und Sie mit uns, Gott sei Dank! Seien Sie bedankt, wie immer, für
Taten, Geld und gute Gedanken für uns! Ihre Katrin Rohde in Ouagadougou


K800_SAM_1257Am Samstag, dem 9. Juli, haben wir insgesamt 42 Jugendliche aus unseren verschiedenen Programmen verabschiedet:
7 Mädchen und 7 Jungen aus den jeweiligen Waisenhäusern, 10 Mädchen aus MIA-ALMA und 18 junge Erwachsene, die ihre Ausbildung beendet haben. Diesmal haben wir ganz unter uns gefeiert – na ja, so ganz allein doch nicht: Denn es waren Gaukler und Artisten unter uns, die in den letzten Wochen mit den Waisenkindern und den MIA-ALMA-Mädchen Riesenmarionetten gebaut und Jonglieren und Akrobatik geübt haben. So flossen zwar auch ein paar Tränen – insbesondere als eine unserer Abgängerinnen aus dem Ausbildungsprogramm ihre kleinen „Schwestern“ und „Brüder“ dazu aufrief, möglichst fleißig zu sein und AMPOs Ruf in der „Außenwelt“ gerecht zu werden -, aber wir haben auch viel gelacht, gestaunt und getanzt. Und – wie man es in afrikanischen Familien so sagt: „Wir bleiben zusammen“, AMPO ist auch weiterhin für seine „Großen“ da: Für die, die – ob in Schule oder Ausbildung – auch weiterhin durch unser Ausbildungsprogramm gefördert werden, aber auch für die, die ihre Ausbildung beendet haben und die nun ihr Arbeitsleben in Angriff nehmen. Sie werden ihren Weg machen: Als Lehrerinnen, Buchhalterinnen, Krankenpfleger, Schneiderinnen, Friseurinnen, Logistiker – und in vielen anderen Berufen ihrer Wahl. AMPO ist ungemein stolz auf sie – und ein wenig auch auf sich selbst. Wir hoffen sehr auf Ihre Unterstützung damit wir diese jungen Menschen weiterhin begleiten und ihre berufliche Ausbildung ermöglichen können!


Sahel e.V.

Seit unserem letzten Rundbrief in dem wir zu Spenden für Rollstühle baten, sind bereits einige Wochen vergangen.
Viele von Ihnen folgten unserer Bitte und trugen kleine und größere Beträge zusammen, um uns dabei zu unterstützten,
noch mehr körperbehinderten Menschen einen dreirädrigen Rollstuhl zur Verfügung stellen zu können. Dazu sind
wir nun in der Lage und im Laufe des Jahres werden diese zusätzlichen Rollstühle angefertigt und verteilt. Einen herzlichen Dank an alle Spender!
Im Mai lud das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) zum alljährlichen Spendensiegelforum ein. Wir nutzten
erneut diese Gelegenheit, um uns über neue Entwicklungen im Spendenwesen und aktuelle Regelungen der
DZI-Leitlinien zu informieren. Im Focus stand bei diesem Treffen die Weiterentwicklung des DZI-Berechnungskonzepts
für die Werbe- und Verwaltungsausgaben. Auch wenn diese Kosten häufig einen negativen Ruf haben,
kann eine Spendenorganisation ohne Verwaltung oder Werbung nicht erfolgreich arbeiten:th_1c8ee3b1397a8225cd42eef12c8bf1f7_1314697438siegel-neu

  • „Werbe- und Verwaltungsausgaben sind im Grundsatz
    notwendige und sinnvolle Ausgaben. Sie bewirken
    Spenden. Sie organisieren die Mittelverwendung. Sie
    ermöglichen Rechenschaft.
  • Nicht nur eine ausufernde, sondern auch eine zu eng
    konzipierte Verwaltung ist problematisch. Entscheidend
    ist die sachliche Angemessenheit der Verwaltung.
  • Spenden sammelnde Organisationen sollten nicht die
    Illusion nähren, sie kämen ohne Werbung und Verwaltung
    aus. Unabhängig von der Finanzierung gilt: Jede
    Spendenorganisation wirbt um Spenden. Jede Organisation
    muss Mittel verwalten.
  • Die Höhe der Werbe- und Verwaltungsausgaben ist ein
    Beurteilungskriterium unter anderen. Darüber hinaus
    ist vor allem die Wirkung der Arbeit einer Organisation
    von Bedeutung (Sinnhaftigkeit, Effektivität und Nachhaltigkeit
    der Projektausgaben).“
(Quelle: DZI Verwaltungskostenkonzept)

Das DZI bewertet Spendenorganisationen nach ihrem Anteil an Werbe-und Verwaltungskosten zu den jährlichen
Gesamtausgaben. Akzeptiert wird ein Anteil zwischen <10 % und maximal 30 %. Der Sahel e.V. unterzieht sich der
jährlichen Prüfung durch das DZI und schneidet mit seinem Werbe- und Verwaltungskostenanteil von 16% dabei
sehr gut ab.

Jahresbericht TitelÜber die vielfältigen Wirkungen der Projektarbeit in Burkina Faso informieren die Jahresberichte der einzelnen Einrichtungen von AMPO, die auf unserer Homepage zum Lesen oder als Download bereitstehen: Zu den Berichten ⇑

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