A.M.P.O. Rundbrief Frühling 2017

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Liebe Freunde unserer Waisenkinder in Ouagadougou,

Der Alltag hat uns wieder – Sie und Ihre Familien sicherlich genauso wie uns hier im tiefen Süden.

Die großen Feste sind lange vorbei und diesmal ist hier in Afrika auch ohne mich das Weihnachtsfest sehr gut gelaufen. Ich selbst feierte nämlich nach 25 Jahren das erste Mal in Deutschland, zusammen mit meinen Enkelkindern – wie herrlich! Dort klingelte am 24.Dezember abends mein Telefon, und alle, alle Waisenkinder sangen feierlich am anderen Ende „Oh Tannenbaum“ für mich, auf Deutsch wie jedes Jahr. Auf laut gestellt und per Mikrofon verstärkt konnte ich mitsingen, aus Berlin, und meine Tränen flossen! Oh warum nur kann ich mich nicht in zwei Katrins teilen…?

Alle deutschen Päckchen kamen wohlbehalten bei den Patenkindern an und die Freude war groß! Sicher haben Sie, liebe Spender, die Dankbriefe dazu, jeweils übersetzt und mit einem aktuellen Foto Ihres Patenkindes bereits erhalten.

Unsere nun täglichen routinierten und strengen Tagesabläufe werden – wie sicherlich auch bei Ihnen – immer wieder aufgelockert durch schöne oder lustige Ereignisse. Jeden Morgen bringt mich mein Mann so bei 6.30 mit seinem Auto zur Arbeit in AMPO. Auf dem Weg begegnen wir dann immer ca. 100 AMPO-Kindern, mit Ranzen, mit Sicherheitsweste, Mütze und Anorak, frisch eingecremt gegen den vielen Staub. Unter allen Schulkindern sind sie sofort zu erkennen, denn sie kommen eben aus einem Hause, wo auf all´ dies geachtet wird. Ich bin stolz auf unsere Erzieher.

Unsere drei kleinsten Mädchen zogen mich neulich an die Seite und flüsterten schüchtern in mein Ohr: „Kannst Du uns nicht mal auf unserem Schulweg begleiten?“ „Leider nein“ sagte ich, „es ist ja nicht so weit, aber Ihr wisst ja, dass ich humple!“. Trickreich kam dann: „Wir meinen ja auch mit dem Auto…!“ Zwei Tage später war es  soweit, wir luden sie einfach ein und brachten sie in ihre staatliche, schäbige, staubbedeckte und heruntergekommene Grundschule. Niemals wird dort ein Kind mit dem Auto hingebracht, alle gehen zu Fuß, und nun dies: Drei kichernde, strahlende Mädels entstiegen vor dem Tor dem leuchtend knallgelben schicken Wagen (!) meines Mannes – bis heute sind sie das Tagesgespräch der Schule!

Unterdessen sind die Direktoren damit beschäftigt, die Zukunft ihrer diesjährigen Abgänger zu planen. Wir wollen Sie gerne einbinden und dabei um Hilfe bitten, denn noch mindestens zwei Jahre lang – je nach Ausbildung – werden unsere früheren Kinder, nun sind es ja Jugendliche, von AMPO unterstützt, und wir hatten noch nie so viele Abgänger gleichzeitig wie in diesem Juli. Ab Herbst brauchen wir also eine Menge Geld für ihre Ausbildung. Heute haben wir ausgerechnet, dass die Kosten durchschnittlich jährlich so bei 1.200 Euro pro Kind liegen, je nach dem was sie werden wollen. Ob Krankenschwester, Grundschullehrer, ob Apothekenhelferin oder Hochschullehrer, von Modeschule bis zur Köchinnenausbildung, wir haben so ziemlich alles im Programm, bei 47 Auszubildenden Jugendlichen. Können Sie sich vorstellen, uns dabei zu helfen? Das sind 100 Euro pro Monat! Die Ausbildungsdauer variiert von einem Jahr bis hin zu drei Jahren. Studien- und Hochschulkosten, Lehrgeld, Essensgeld, Unterkunft, Hygiene, medizinische Behandlung, Hefte, Bücher – alle diese Kosten sind damit abgedeckt.

Wer kann uns nun dabei helfen? Selbst wenn die Summe von 100 Euro monatlich für eine Einzelperson in Deutschland zu viel ist: tun Sie sich zusammen mit anderen Freunden, finden Sie selber Mithelfer. Diese Bitte geht auch an Kanzleien, Arztpraxen, Sozietäten, für sie ist eine solche Summe, vielleicht leichter aufzubringen. Unsere AMPO-Kinder verdienen ganz einfach eine gute Zukunft. Sie alle kamen einmal mager, ängstlich, oft traumatisiert durch ihr frühes hartes Schicksal, bei uns an. Und sie alle lernen, wollen lernen, um etwas aus ihrem Leben zu machen, für ihre kleinen Geschwister zu sorgen und möglichst selber wiederum viel Gutes zu tun (dies will jedes AMPO-Kind, wir alle leben es ihnen täglich vor)  – bitte helfen Sie uns, sie auf einen guten Lebensweg zu bringen. Ein Anruf in unserer Geschäftsstelle in Plön genügt und schon haben Sie ein gutes Werk getan!

Katrin Rohde mit der kleinen Judith

Auch wir hier konnten einmal mehr ein gutes Werk tun. Eine sehr gute deutsche Einrichtung mit Namen TuaRes Stiftung kümmert sich intensiv um 1000 Schülerinnen hier in Burkina Faso.  Eine davon, ein sechzehnjähriges Mädchen, hochschwanger, hatte sich ins Sozialamt geflüchtet, wo es aber keine Bleibe für sie gab. Mit der Familie verkracht, ohne jegliche Unterstützung, sprach Larissa von Selbstmord. Gerade noch rechtzeitig, einen Tag vor der Geburt, konnte ich sie dort herausholen. Bei jedem Loch in der Straße dachte ich: „Huch, nun ist es gleich soweit!“ Wir konnten sie  ins das Projekt MIA/ALMA bringen, wo sie von zuversichtlichen Erzieherinnen und 48 anderen Mädchen, jungen Müttern in ähnlicher Situation, empfangen wurde. Nun ist das Kind geboren, natürlich(!) ein Mädchen, mit dem schönen Namen Judith. Mutter und Kind wohlauf, Larissa kann wieder lächeln, und das tut sie, nun an einem sicheren Ort.

Höchst erfreulichen Besuch hatten wir aus der Schweiz, von unseren Partnern und Gebern aus Zürich. Die Stiftung The Dear Foundation unterhält seit vielen Jahren unsere große Krankenstation, und das sind wahre Profis, denn sie arbeiten überall auf der Welt, in Israel, Gaza, Kolumbien, Indien, und eben auch bei uns. Wir konnten viel von ihnen lernen, sie jedoch auch von uns. Ein großer Reisebericht eines mitreisenden Chirurgen erschien gerade auf unserer AMPO-Website – lesenswert! Mit dieser The Dear Foundation gemeinsam sind wir dabei, ein neues Projekt gegen Brustkrebs aufzubauen.

So ganz nebenbei, jedoch mit enormem Arbeitseinsatz, wurde auch unsere Farmschule wieder in Gang gesetzt. Dazu gibt es einen Extrabericht von der Projektkoordinatorin Andrea Reikat, die sich darum ganz besonders verdient gemacht hat, vor allem aufgrund der hohen Anforderungen der Anträge beim luxemburgischen Außenministerium, die sie versiert erledigen konnte. Ich selbst bin ja eher die Frau fürs Grobe, also reparieren, aufräumen, Bäume beschneiden, anstreichen … alles wurde rechtzeitig zum Einzug der neuen Farmschüler fertig. Wir sind froh und erleichtert, so auch unsere lieben Luxemburger Freunde von der Stiftung Dr. Elvire Engel, die zur Einweihung kamen.

An Besuchern mangelt es uns nicht bei AMPO: Praktikanten, Helfer, Freunde, alle wohnen in unseren einfachen Gästezimmern und sind hochzufrieden mit dem guten Essen in unserem Restaurant, das direkt daneben liegt. Auf der anderen Seite der Zimmer liegt unsere Krankenstation, im Falle eines Falles ist man also sofort umsorgt – besser geht´s nicht! Auch zwei Mitglieder des Sahel-Vorstandes Constanze Ternes und Peter Mathar hielten sich für eine gute Woche in AMPO auf und besuchten viele Einrichtungen. Und auch Sie sind selbstverständlich immer willkommen. Gerade haben wir eine unserer „Patentanten“ bei uns, die ihr AMPO-Kind besucht und gleichzeitig überall mithilft, eine feine Sache für alle Seiten.

Ihnen allen wünsche ich einen fröhlichen Frühling, Dankbarkeit in Ihren Herzen für jeden Tag, den wir alle leben dürfen, Zeit für einen kleinen Spaß nebenbei und ein lautes oder leises Lachen. Ja, machen Sie es so wie wir hier in Afrika: Auch wenn Garnichts mehr geht: lachen hilft!

Ihre Katrin Rohde und alle AMPO-Kinder in Ouagadougou


Andrea Reikat

Endlich wieder Leben auf Tondtenga

(Ein Bericht von Andrea Reikat, Projektkoordinatorin AMPO)

Sechs Monate lang war es recht still auf Tondtenga, AMPO´s Landwirtschaftsschule. Sechs Monate lagen zwischen dem Abgang des letzten Ausbildungsjahrgangs und der Ankunft der neuen Schüler. Zum einen lag das daran, dass die Antragsverfahren bei unserem Geldgeber (dem luxemburgischen Aussenministerium über die Dr. Elvire Engel-Stiftung) komplizierter geworden waren; zum anderen haben wir aber auch – nach 10 Jahren und 5 Ausbildungsgängen – die Zeit genutzt, ein neues Team zu bilden und frischen Wind auf Tondtenga einziehen zu lassen.

Fünfzig Schüler starten einen neuen Lehrgang auf Tondtenga (Foto: Pol Tapella)

Dabei sind unsere Ziele gleich geblieben: junge Männer vom Land werden in biologischer, integrierter Landwirtschaft ausgebildet, damit sie, wenn sie dann wieder in ihren Dörfern sind, dort ihren Lebensunterhalt verdienen können, ohne die umwelt- und gesundheitsschädigenden Verfahren anzuwenden, die auch in Burkina Faso immer stärker Einzug gehalten haben. Das neue Team besteht aus ausgewiesenen Landwirtschaftsexperten. An der Spitze steht Antoine Konombo, der Direktor, der in seiner fast dreißigjährigen Berufslaufbahn schon viele Landwirtschaftsprojekte begleitet und geleitet hat. Unter ihm arbeiten 4 Fachausbilder und 3 Erzieher, allesamt in guten Landwirtschaftschulen ausgebildet, wobei der Unterschied zwischen den Ausbildern und den Erziehern im wesentlichen darin besteht, dass erstere mehr Berufserfahrung haben als letztere.

Pierette Tapella, Suzette Elsen, Simone Bleyer (v.l.) von der Dr. Elvire Engel Stiftung sowie Alphonse Konombo und Oliver Bado (Foto: Pol Tapella)

Die 50 Schüler haben wir dieses Mal aus einer einzigen Provinz ausgewählt. Das vereinfacht die Ausbildung, wird uns im Anschluss aber auch die Betreuung erleichtern, wenn sie nach der Ausbildung wieder in ihre Dörfer zurück gehen und dort Kooperativen gründen werden. Und für die Betreuung dieser Kooperativen haben wir nun auch einen neuen Mitarbeiter: Olivier Bado, der zuvor lange Jahre als Berater für Kooperativen in verschiedensten Teilen Burkinas tätig war. Unter diesem neuen Team werden die Schüler auf TT in den nächsten 1 1/2 Jahren nicht nur lernen, wie man biologisch Landbau und Viehzucht betreibt, sondern Fächer wie „Das Leben in einer Kooperative“, „Die Vermarktung meiner Produkte“, „Die Wiederherstellung übernutzter Böden“, „Die eigene Herstellung von Viehfutter, von biologischen Dünger und biologischen Insektenbekämpfungsmitteln“ werden nun verstärkt auf dem Stundenplan stehen.

Am 5. und 6. Januar sind die neuen Schüler angereist, am 7. haben Katrin, Andrea und die Direktoren von AMPO sie willkommen geheissen. Und am 31. Januar gab es dann noch eine offizielle Eröffnungszeremonie unter Anwesenheit einer grossen Delegation der Dr. Elvire Engel-Stiftung und der Koordinatoren der luxemburgischen und der deutschen Entwicklungszusammenarbeit in Burkina. Nach all diesen Feiern ist nun der Alltag eingezogen – und das bedeutet: Felder und Beete anlegen, Tiere impfen und füttern, Kühe und Ziegen melken und Tondtenga wieder zu der grünen Oase machen, die es jahrelang gewesen ist.


Monsieur Nana. Leiter von Haus MIA/ALMA und Ricarda Walzel im freundschaftlichen Austausch während des Besuches

Liebe Unterstützer und Freunde,

sicher freuen Sie sich genau wie wir über den beginnenden Frühling, der wieder viel Farbe mit sich bringt.

Bunt und ereignisreich war auch das vergangene Jahr, in dem wir es erneut gemeinsam mit Ihnen geschafft haben, die vielfältigen Projekte von AMPO zu finanzieren und ihren Fortbestand zu sichern. Jede Einrichtung leistet seinen Beitrag auf seine eigene bestimmte Art und Weise und unterstützt damit die verschiedensten Zielgruppen: Ein Zuhause für verwaiste Kinder, Ausbildungen für Jugendliche, wichtige Nährstoffe für unterernährte Babys, Hilfe für minderjährige Mütter und Mobilität für Menschen mit Behinderung – diese kleinen und großen Erfolge machen Sie durch ihre Unterstützung immer wieder möglich.

Die Mitarbeiterinnen des Sahel e.V. Ricarda Walzel und Babette Otto konnten dies bei ihrem AMPO-Besuch sehr eindrucksvoll erleben. Im November 2016 starteten sie ins warme Ouagadougou und kehrten 8 Tage später beladen mit den Erinnerungen an schöne Begegnungen, bewegende Bilder und auch neuen burkinischen Produkten zurück.

„Es ist schön zu sehen, wie die AMPO-Einrichtungen ineinandergreifen. Wie jede Einrichtung weiß, was die andere tut und im Einzelfall tun kann. Wie nicht nur an das Heute gedacht wird, indem man eine Schüssel Reis an eine hungrige Familie austeilt, sondern wie man auch das Morgen und das Übermorgen im Blick hat.“ (Ricarda Walzel)

Ausführlicher Reisebericht: „Wir sind dann mal bei AMPO – Reisetagebuch“

 

SAVE THE DATE: Tag der offenen Tür in der Geschäftsstelle des Sahel e.V.

20. Mai 2017   |    10 – 14 Uhr    |    Lübecker Str. 6 in Plön


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