Ein neues Leben mit drei oder vier Rädern

Freude: Ein eigener Rollstuhl!

Seit langen Jahren arbeitet AMPO für und mit Behinderten, insbesondere mit solchen mit Bewegungseinschränkungen, von denen viele im Rollstuhl sitzen. In Panga La Wende, der Rollstuhlwerkstatt von AMPO, werden Rollstühle repariert, wobei die Hilfesuchenden nur einen symbolischen Preis, der einem Viertel des Einkaufspreises entspricht, bezahlen müssen. Das Projekt Handicape Mobil fährt zudem über Land und repariert Rollstühle in den Kleinstädten.

Seit Juni 2016 können bei AMPO auch Rollstühle in der eigenen Rollstuhlherstellungswerkstatt produziert werden. Dank einer Anschubfinanzierung der österreichischen „redchairity“-Stiftung konnte eine Werkstatt eingerichtet und eine Gruppe von Schweissern eingestellt werden. Ausserdem finanziert „redchairity“ die Materialkosten für die ersten 100 Rollstühle.

Alle Mitarbeiter unserer Rollstuhlwerkstätten leben mit Bewegungseinschränkungen, die meisten sitzen selbst im Rollstuhl. Das schafft nicht nur Arbeitsplätze für Personen, die es noch schwerer haben als andere, eine Arbeit zu finden, sondern unsere Werkstattleiter und Schweisser wissen auch genauer als jeder Andere, auf was es bei der Konzeption und der Herstellung eines guten Rollstuhles ankommt.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Rollstühle in Burkina Faso in der Regel Dreiräder sind, die über eine Handkurbel angetrieben werden? Unsere Mitarbeiter können es Ihnen genau erklären: diese lassen sich auf den zumeist sehr holprigen Wegen (nicht nur auf dem Land, sondern auch in der Stadt) leichter fortbewegen. Ist es deswegen sinnlos, europäische Rollstühle nach Burkina Faso zu schicken, solche also, die sich an den Rädern fortbewegen lassen? Nein, es ist nicht sinnlos, denn diese Rollstühle eignen sich insbesondere für zwei Personengruppen: die sehr sportlichen einerseits, die diese Rollstühle direkt an den Rädern antreiben können und die ganz schwachen andererseits, die von ihren Angehörigen geschoben werden müssen.

Unterschiedliche Rollstuhltypen für verschiedene Bedürfnisse

Der europäische und der burkinische Rollstuhltyp ergänzen sich also in ihren Vor- und Nachteilen. Und deswegen haben die Mitarbeiter der AMPO-Rollstuhlwerkstatt nun einen neuen Typ entwickelt, der beide Vorteile vereinigt. Es ist auf den ersten Blick ein burkinischer Dreirad-Rollstuhl, bei dem aber das vordere Rad abgenommen werden kann und dann zwei kleine Vorderräder die Arbeit übernehmen. Ideal für Frauen, die mit der Dreirad-Variante zum Markt fahren können, dann aber in der Küche das vordere Rad abnehmen, um (fast) wie ihre nicht eingeschränkten Nachbarinnen am offenen Feuer oder am Herd kochen zu können. Und auch ideal für Kinder, die über die holprigen Wege zu Schule fahren können, dann aber in der Klasse das vordere Rad abnehmen, um (endlich!) wie ihre Kameraden mit am Tisch zu sitzen.

Aber Kinder und Jugendliche hatten bislang noch ein ganz anderes Problem: es gab in Burkina Faso keine kleinen Rollstühle und ihre kleinen Körper hatten viel zu viel Spiel in den grossen Sitzen. Auch dafür haben sich die Mitarbeiter der AMPO-Rollstuhlwerkstatt nun eine Lösung überlegt: AMPO stellt – als erste Werkstatt in Burkina Faso überhaupt! – Rollstühle nach Mass her, kleine und mittlere für Kinder und Jugendliche ebenso wie breitere für Menschen mit Übergewicht.

Rollstühle kosten Geld und behinderte Menschen in Burkina Faso haben in der Regel noch viel weniger Geld und Einkommensquellen wie Menschen ohne Behinderungen. Ein Rollstuhl kostet in der Regel zwischen 200 und 250 €. 200 €, die aus einem hilflosen Menschen ohne Bewegungsradius, der häufig in einer Hütte versteckt gehalten wurde, einen selbstständigen Menschen machen können. Einen Menschen, der am Leben im Dorf und im Viertel teilnehmen kann, ein Kind, das zur Schule, eine Frau, die mit den anderen zum Einkaufen gehen kann. Wenn AMPO auch nur 10 Rollstühle im Monat herstellen kann, dann können die Mitarbeiter der Rollstuhlwerkstatt ihren Arbeitsplatz behalten – und ganz viele Menschen mit Bewegungseinschränkungen im ganzen Land können sich ein selbstbestimmtes Leben aufbauen.

Helfen Sie dabei! Eine gezielte Spende ermöglicht uns die Finanzierung weiterer Rollstühle und ein Beitrag für die Rollstuhlwerkstatt unterstützt Reparaturen, Werkzeugkosten und den weiteren Betrieb dieser Werkstätten:

Übrigens kann ein solcher Rollstuhl in der Geschäftsstelle des Sahel e.V. in Plön bestaunt und getestet werden. Kommen Sie gern vorbei oder besuchen Sie uns zu unserem Tag der offenen Tür.

Die Herstellung der Rollstühle
Der kleine Boureima mit seinem ersten Rollstuhl

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