Ein burkinischer Blick auf Deutschland

Das Besondere an unserer Arbeit ist der direkte und herzliche Austausch mit den Mitarbeitern unserer afrikanischen Partnerorganisation AMPO. Gute Zusammenarbeit auf gleicher Augenhöhe ist ein wichtiger Grundsatz von Katrin Rohde und dem Sahel e.V. – und diese entsteht, wenn wir uns gegenseitig immer wieder in die Kultur des Anderen hineinversetzen.

Einmal im Jahr reisen daher einige Mitglieder des Vorstands oder Mitarbeiter des Sahel e.V. nach Burkina Faso, um die Arbeit von AMPO vor Ort kennenzulernen. Und umgekehrt reisen Mitarbeiter von AMPO nach Europa, um die Arbeits- und Lebensweise in unserem Land zu erleben.

In diesem Jahr machten sich Hedwige Ouedraogo, Leiterein des Frauenberatungszentrums P.P.Filles und Marthe Sanogo, Verwaltungsassistentin von AMPO auf den Weg nach Europa und erlebten hier einen ganz eigenen Blick auf Deutschland:

Reisetagebuch von Marthe Sanogo:
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Anreisetag

Ouagadougou, Mittwoch 3.5, 40°, wir sind für die Reise nach Deutschland gut vorbereitet. Nach den polizeilichen und administrativen Schritten warten wir auf das Flugzeug in der Flughafenhalle. Punkt um 21.30 fliegen wir ab, die Temperatur im Flugzeug war nicht gerade angenehm, ein bisschen kalt, meiner Meinung nach.

Tag 1 Donnerstag, 04.05.2017

Nach fünf Stunden Zwischenlandung in Brüssel. Regen und eisige Kälte empfingen uns und die von den Berliner Freunden bestellte Sonne, verbrauchte ich selbst rasch und hoffte heimlich, Berlin würde besser sein. Fehlgeschlagen! Wenig später landen wir in Berlin und es regnete. Aufgewärmt wurden wir durch den herzlichen Empfang der Vertreter von Freunde für AMPO e.V.: Ute, Dirk und Moritz warteten auf uns, es ging dann zum Hotel, wo wir uns ausruhen wollten. Unterwegs erklärten sie uns wie sich die Stadt in den letzten 20-30 Jahren verändert hat. Unsere Zimmer waren gerade leider nicht beziehbar, also hatten wir die Wahl: entweder warten bis die Zimmer fertig sind oder wir profitieren davon, um eine kleine Rundtour in der Nähe zu machen. Wir entschieden uns für die Tour.

Wir besuchten zwei Kirchen, den Berliner Dom und die katholische Kirche St Hedwig. Sowohl Frau Hedwige OUÉDRAOGO als ich konnten es fast nicht glauben, als uns erklärt wurde, dass der Dom mit seinen Gemälden, Statuen und all der Pracht gar nicht katholisch ist! Das wird uns kein Mensch in Ouagadougou glauben: die evangelische Kirche sah aus wie die Katholischen in Burkina. Um uns von der Sache zu überzeugen, fuhren wir kurz zur katholischen Kirche. Und sie sah so schlicht aus, gar nicht wie wir sie in Burkina kennen. Unser Reiseführer erzählte uns die Geschichte der beiden Kirchen und so verstanden wir besser die Zusammenhänge.

Am Abend gingen wir mit dem Team essen und trafen Frau Cécile Dupré, die auch Mitglied des Vereins der Berliner Freunde ist.

Zum Hotel zurückgekommen ruhen wir uns aus. Morgen stehen wichtige Termine an.

Tag 2 Freitag, 05.05.17

Die Arbeit fängt jetzt richtig an. Heute Morgen wurden wir vom AHK-Pflegeteam empfangen. Nach den Willkommensgrüßen stellt Frau Hedwige OUÉDRAOGO dem Team ihre Arbeit bei P.P.Filles in einer entspannten Atmosphäre vor und beantwortet diverse Fragen. Danach ging es zu einer der Wohngemeinschaften, die durch das AHK-Pflegeteam betreut werden. In diesen Wohngemeinschaften leben alte Menschen, vorwiegend Frauen, die an Demenz leiden. Ich hatte mit Altersheimen gerechnet, aber diese WGs unterscheiden sich deutlich von den klassischen Altersheimen. Jede Frau hat ein eigenes Zimmer, das sie nach ihrem Geschmack einrichten darf, um sich zuhause zu fühlen. Küche und Wohnzimmer teilt sie mit den anderen Bewohnerinnen. Ich war auf Anhieb von der Lebensfreude, die diese Frauen ausstrahlten stark beeindruckt, besonders wenn man weiß, dass sie unter Demenz leiden und viel Betreuung, Zuneigung und Liebe brauchen. Es wurde gelacht, getanzt und Kaffe zusammengetrunken. Glück kann man nicht vortäuschen, diese Frauen sind glücklich!!!

Wir machten eine kurze Mittagspause und dann besuchten wir den Fernsehturm, nahe dem Alexanderplatz, höchstes Bauwerk von Deutschland, viele Besucher mit Sicht über Berlin … Herr Thomas PFEIFFER, Geschäftsführer des AHK-Pflegeteams, schloss sich unserer Gruppen an, so erlebten wir gemeinsam den höchsten Kuchen-Schokoladen-Genuss mit unschlagbarer Sicht auf Berlin. Am Abend aßen wir im Restaurant „Massai“ mit ein paar netten Leuten, die sich für AMPO interessieren. Mit afrikanischer Musik im Hintergrund, afrikanischem Essen im Mund fing der Abend äußerst gut an. Danach berichtete Frau Hedwige OUÉDRAOGO von ihrer Arbeit als P.P.Filles-Direktorin, die Schwierigkeiten und Herausforderungen mit denen sie konfrontiert wird aber auch die Freude und Erfolg, die sie erntet. Die Anwesenden haben ihr interessiert gelauscht, Fragen zu ihrer Arbeit, AMPO und Burkina Faso gestellt. Etwas müde aber vollzufrieden kehren wir zum Hotel zurück. Morgen ist ein anderer Tag voll Überraschungen. Wir machen Sightseeing. Es verspricht sich ganz doll zu sein!

Tag 3 Samstag 06.05.2017

Nach dem Frühstück fahren wir los mit Dirk Trüller und Christina Kunert aufs Land. Wir möchten das Kloster Lehnin besuchen. Unterwegs fahren wir an einigen Orten vorbei, die die Geschichte von Berlin geprägt haben: vom Bundestag über die Siegessäule bis zum Denkmal des Holocaust, zweiten Weltkrieg, Berliner Mauer bekamen wir von unserem Reiseführer Geschichtskurse über Berlin und Deutschland.

Wir erreichen das Kloster zwei Stunden später. Unterwegs sahen wir Obstgärten und konnten Obstweine ausprobieren. Frau Hedwig hat sich nicht getraut aber ich konnte der Versuchung nicht widerstehen. Die Konsequenzen ließen nicht auf sich warten, ich schlief unterwegs ein und verpasste natürlich einige Sehenswürdigkeiten! Das Kloster Lehnin ist echt beeindruckend, mit seiner 1000 Jahre alten Geschichte. Auf jeden Fall zu empfehlen für diejenigen, die Ruhe brauchen und Zeit für sich selbst haben möchten. Das kleine Café neben der Kirche bietet selbstgemachten herrlichen Kuchen an.

Auf dem Rückweg legen wir einen Zwischenstopp in Potsdam ein, um die Katholische Kirche St. Peter und Paul zu besuchen. Ich bin einigermaßen erleichtert, endlich eine katholische Kirche zu sehen, die meinen Vorstellungen total entspricht, wir atmen tief auf!!! Eine kleine Tour in der Fußgängerzone, in den holländischen und russischen Vierteln beendet den Potsdamer Besuch.

Heute Abend sind wir zu einem Freund von Christina zum Essen eingeladen, wir probieren indisch. Davor schlendern wir in Berlin und kaufen einige Souvenirs ein, die Qual der Wahl bei dem großen Angebot ließ sich verspüren. Endlich kommen wir zu unseren heutigen Gastgebern Wolfgang und Ursel Alban, die Mitglieder des Vereins der Freunde für AMPO sind und diesen finanziell unterstützt haben. Nach dem wir das Essen bestellt haben, gucken wir uns ihren herrlichen Garten an, die unterschiedliche Blumen schönfärben. Das Essen kam endlich und es war köstlich, ein Zungengenuss! Ich kann mich nicht mehr an die Namen der Gerichte erinnern. Danke an die Gastgeber und die heutigen Reiseführer. Den ganzen Tag waren wir unterwegs aber es hat sich gelohnt. Heute Nacht träume ich sicher von Johannisbeere-Wein und indischem Essen!!!

Tag 4 Sonntag 07.05.2017

Sonne, Sonne, und blauer Himmel, das hatte ich nicht mehr erwartet. Heute gibt es nichts Besonderes im Programm, so erholen wir uns mächtig von den vergangenen Tagen, und gehen dann Verwandte besuchen. Wir sind heute zur Familie Porteous zum Essen eingeladen. John, Pauline und ihre beiden süßen Kinder empfangen uns in ihrem Haus. Wir gehen dann spazieren, essen Eis und wohnen dem Gottesdienst bei. Der Höhepunkt des Tages kam dann nach dem Gottesdienst: Die Hausherrin hatte für uns Tô und Okrasoße zubereitet. Frau Hedwige Ouédraogo und ich essen ausgiebig und machen Reserven für die nächsten Tage, an Tô werden wir wahrscheinlich nicht in den kommenden Tagen kommen. Der Abend vergeht ruhig. Danke an Pauline und John für den netten Abend.

Tag 5 Montag 08.05.2017

Der Berliner Aufenthalt nähert sich dem Ende. Heute haben wir zwei Termine. Wir besuchen eine Beratungsstelle für Frauen in Gewaltsituationen. Ganz herzlich werden wir von Frau Grüter empfangen, sie erklärt uns ihre Arbeit. Frau Hedwige Ouédraogo leitet ein Beratungszentrum für Mädchen und Frauen, sie ist manchmal mit ähnlichen Situationen konfrontiert, die Frau Grüter uns schildert. Es war also sehr interessant für sie, zu erfahren wie in Berlin damit verfahren wird. Aus den Diskussionen ging hervor, dass beide Länder unterschiedlich mit diesen Problemen umgehen. In Berlin und in Deutschland gibt es Infrastrukturen, Gesetze und tatkräftige Organisationen, die zusehen, dass diese Gesetze auch gehandhabt werden. Es gibt auch Zufluchtsorte, wo diese Frauen untergebracht und versorgt werden. Die Situation in Burkina ist anders, das Gewicht der Tradition und der Familie erschwert in mancher Hinsicht das Intervenieren in vielen Fällen. Denn die Frau denkt nicht nur an sich selbst sondern auch an die möglichen Auswirkungen auf ihre Verwandtschaft. Viel Sensibilisierung wird es noch brauchen, um tastbare Ergebnisse zu haben, nichtsdestotrotz soll etwas unternommen werden.

Nach einer kleinen Pause besuchen wir die Berolina Wohnungsbaugenossenschaft eG, ein großer Unterstützer von AMPO. Die AMPO-Projekte wurden vorgestellt, Fragen gestellt und beantwortet. Die Berolina hat sich bereiterklärt, AMPO weiter zu unterstützen. Über diesen Entschluss können wir uns nur freuen. Am Ende des Treffens erntete ich schon Maikäfer-Schokolade.

Ein nettes Abschiedsabendessen zu unserer Ehre wurde noch in einem afrikanischen Restaurant organisiert, diesmal wurde äthiopisch gegessen. Wie in einer afrikanischen Familie wurde vom selben Teller gegessen, ganz wie wir es manchmal in Burkina machen.

Tag 6 Dienstag 09.05.2017

Die Reise durch Deutschland geht weiter für mich, meine Mitreisende Frau Hedwige Ouédraogo fährt privat in Dänemark. Nach den angenehmen Tagen in Berlin fällt es mir schwer „Aurevoir“ zu sagen, ich sitze aber ganz brav im Zug. Wir kommen in Hamburg an, wo wir herzlich von Frau Katrin Rohde und Frau Babette Otto empfangen werden.

Die Fahrt nach Plön war interessant. Unterwegs sah ich amüsiert Straßenschilder „Achtung Straßenschäden“. Automatisch habe ich an die ouagalesischen Straßen mit tiefen Löchern im Asphalt usw. gedacht. Weit gefehlt: es handelte sich um (für mich) kaum wahrnehmbare Unebenheiten auf der Straße. Unterdessen ist mir klar, dass die gleichen Wörter nicht immer auf dieselben Realitäten verweisen. Eine Stunde später erreichen wir endlich die Geschäftsstelle von Sahel e.V., ich bin begeistert alles „in live“ erleben zu dürfen.

Die Woche verbringe ich bei der Familie Otto, ich werde mein erstes „Leben in einer deutschen Familie“ erleben.

 

Tag 7 Mittwoch 10.05.2017

Ich werde heute Morgen von den beiden Kolleginnen der Geschäftsstelle empfangen, Frau Ricarda Walzel-Dittrich und Frau Birka Böhling. Man erklärt im Einzelnen was alles in der Geschäftsstelle gemacht wird, ich kann alles jetzt hautnah erleben, es wurde über Exportartikel, Spenden, usw. gesprochen.

Es folgte dann ein kleiner Stadtrundgang durch Plön. Das Plöner Schloss mit Sicht auf dem See ist total atemberaubend.

Frau Connie Wisser, eine professionelle Stadtführerin zeigt mir die kleine Stadt, wir besuchen die Johanniskirche und sie erzählt mir die Geschichte, die dem Bau der Kirche zugrundeliegt. Fasziniert höre ich zu und versuche mir ihre Erzählungen in Bildern vorzustellen.

Tag 8 Donnerstag 11.05.2017

Heute fährt Frau Böhling zum Containerlager in Neumünster und nimmt mich mit. Heute gibt es endlich Sonne, alles ist schön und die blühenden Rapsfelder sind eine Augenweide. Unterwegs unterhalten wir uns über all die Verkehrs- und andere Regeln, die in Deutschland respektiert werden müssen. Das kann man nicht eben mit Burkina vergleichen. Aber man sagt zu Recht andere Länder andere Sitten, jedes Land hat seine Regeln und Vorschriften, die nicht immer erfolgreich in einem anderen Land umsetzbar sind. Solche Differenzen machen das Zusammenleben schön, die Welt wäre unheimlich langweilig, wenn wir der gleichen Meinung sein würden.

Eine gute halbe Stunde brauchen wir, um zum Containerlager zu gelangen. Der war fast voll mit Schulranzen, Rollstühlen, Klamottenkartons usw. Ich bedanke mich im Namen aller Begünstigten bei den Menschen, die hier in Deutschland mühevoll und liebevoll Sachen ansammeln und zum Container bringen. Ich kann Ihnen sagen: Sie schenken jemandem in Burkina eine Freude, eine Lebensperspektive, eine Hoffnung, dafür sind wir alle dankbar. Wir haben einige Spendenkartons mitgebracht, die tun wir in den Container, unterhalten uns kurz mit Herrn Dunkelgod, der sich um der Verfrachtung des Containers kümmert und fahren nach Plön zurück.

Am Nachmittag fahre ich mit Frau Babette Otto nach Preetz, wo wir einen Vortrag halten möchten. Preetz ist die Stadt wo Frau Katrin Rohde ihre erste Buchhandlung eröffnet hatte. Wir haben Glück, denn trotz des schönen Wetters ist das eingeladene Publikum da. Nach einigen Mai-Liedern, die gemeinsam gesungen werden, fängt Babette an. Ihren Erklärungen wird interessiert gelauscht und den Film über AMPO verfolgt. Die gestellten Fragen werden geduldig beantwortet. Einige kaufen die Artikel, die wir vorbeigebrachten haben, andere spenden spontan. Die Anwesenden laden wir zum Tag der offenen Tür von Sahel in Plön ein.

Tag 9 Freitag 12.05.2017

Jeden Morgen sitze ich vor meinem Frühstück, und kann mich nicht recht entscheiden, welches Brot ich essen werde. Es gibt immer unterschiedliche Brotsorten; in Burkina hat man ja meist Baguette, so muss man sich nicht den Kopf damit zerbrechen, eine Wahl zu treffen. Irgendwie gelingt es mir aber trotzdem mich zu entscheiden, die verschiedenen Sorten probiere ich reihenweise aus.

Heute ist der Himmel noch grau, dabei gab es Sonne als ich aufstand. Es ist unglaublich, wie wechselhaft das Wetter hier sein kann. Die Kälte hat bei mir Schnupfen und Husten verursacht, zum Glück bekomme ich Hustensaft und andere Medikamente. Der Husten verschwand schnell, aber der Schnupfen hielt an; ich denke, die Erkältung werde ich erst los, wenn ich in Burkina zurück bin.

Heute ist Markttag, wir gehen einkaufen und kehren dann ins Büro zurück. In Burkina ist jeden Tag Markttag, von früh morgens bis 18 Uhr kann man frisches Gemüse auf dem Markt kaufen. Lebensmittel und Gemüse kann man auch in den Supermärkten haben, aber nur die Wenigsten können sich dies leisten. Ich wollte gerade Zitrone kaufen, um meinen Schnupfen zu behandeln und natürlich strecke ich die Hand aus um nach der Frucht zu greifen, die wie meine burkinischen Zitronen aussehen. Mir wurde gesagt, dass es sich um Limetten handelte. Na dann! Als ich endlich die Zitrone sah und daneben die “überdimensionalen“ Ingwer, staunte ich nicht schlecht. Ob die bio sind? Ich kann mich nicht erinnern, so große Ingwer während meines ersten Aufenthalts in Deutschland gesehen zu haben.

Nach der Arbeit gingen wir nach Hause, wir essen heute Spaghetti. Der Mann von Babette und ihre Kinder hatten schon mit dem Kochen angefangen als wir ankamen. Hier herrscht Arbeitsteilung. Der Eine kocht, der Andere putzt oder füttert die Häschen und ich darf faulenzen. Dass Kinder mithelfen und manchmal ihr Taschengeld damit verdienen ist eine gute Sache; so lernen die Kinder auch, dass Geld nicht auf Bäumen wächst.

Kommen wir mal zurück zum Essen. Mir ist aufgefallen, dass hier Männer kochen und einige scheinen daran Freude zu haben. Wo ich herkomme kochen Männer nicht gerne, es sei denn sie verdienen ihr Gehalt damit. In der Kindheit sitzen die Töchter in der Küche und helfen den Müttern beim Kochen, während die Söhne spielen oder sich mit Freunden unterhalten. Das Leben ist ungerecht, denken die Mädchen und dann gehen die Jungen an die Uni und werden von der Mensa abhängig, weil sie eben nicht kochen können. Wehe ihnen, wenn die Mensa zu ist! Mit der Entwicklung ändern sich schon die Denkweisen aber der Weg ist noch lang.

Nach dem guten Essen (ich kann ohne Übertreibung sagen, dass Herr Kattein hervorragend kocht), machten wir uns es auf die Couch bequem (mit Häppchen und Wein) und sahen einen Zeichentrickfilm an.

Naturparkhaus Plön

Tag 10 Samstag 13.05.2017

Wann wird es denn in dieser Jahreszeit dunkel? Immer wieder muss ich mich wundern, dass es noch um 20 Uhr hell ist, manchmal wache ich plötzlich auf und sehe durch das Fenster und denke, oh je ich habe verschlafen, es ist bestimmt 9Uhr, und ich gucke auf die Uhr, nein es ist nur 3Uhr! Es hat auch seinen Charme aber irgendwie ist es komisch.

Heute bin ich in der Geschäftsstelle mit Babette, wir arbeiten und verkaufen einige Sachen der Boutique und gehen dann mit ihrer Familie spazieren. Wir möchten von dem sonnigen Nachmittag profitieren, um Eis zu essen. Viele Plöner hatten auch diese gute Idee. Ich denke, es liegt an der Tatsache, dass es meist grausig und regnerisch hier ist und wenn das Wetter schön ist, wird intensiv davon profitiert. Der Haken an der Sache war, dass ich total erkältet war und konnte natürlich kein Eis essen.

Wir haben zuerst das Naturparkhaus von Plön besucht, wo uns ein sprechender Stein die Entstehungsgeschichte der Landschaft von Plön erzählt hat. Papier- sowie Hördokumentation, Hörbücher über die verschiedenen Tiere in Schleswig-Holstein gab es auch. Es ging dann zum Apfelgarten, wo die Apfelbäume blühen und andere Kräuter. Der Garten ist echt schön, Babette zeigt mir noch die verschiedenen Pflanzen und Kräuter vom Garten. Wir trinken noch einen Tee, essen Kuchen und kehren nach Hause zurück. Ich muss sagen, dass ich seit dem Jahresanfang nicht soviel Tee getrunken habe wie in meinen Tagen in Deutschland.

Zuhause angekommen, essen wir noch und guckten wir einen Film über Migranten an.

Tag 11 Sonntag 14.04.2017

Sonntags gehe ich normalerweise in die Messe. So nahm mich die Familie Otto in ihre Gemeinde mit. Ich bin Katholikin aber ich wollte den Gottesdienst in Deutschland in einer evangelischen Kirche erleben. Ich muss sagen, dass ich von dem Glauben der Familie beeindruckt war. Schon am ersten Tag, konnte ich feststellen, dass ein Tischspruch vor dem Essen gesagt wird, um sich bei Gott für seine Liebe zu bedanken. Schöne Musik und nette Leute empfingen uns am Sonntagmorgen. Die Predigt war interessant und befasste sich mit der Reformation, dann wurden Grüppchen gebildet um sich über die Wirkung der letzten Predigt auszutauschen. Es war lebendig und der Gedanke, Europäer würden sich nicht für Gott interessieren, fange ich an zu relativieren.

Da es auch schön heute ist, möchten wir einen Ausflug machen. Babette fährt mit mir zum Wald, wo wir die Bräutigamseiche, die lange der einzige Baum der Welt mit einer eigenen Postanschrift war, besuchen. Der Baum ist über 500 Jahre alt und weist medizinischen Untersuchungen zufolge keine gesundheitlichen Probleme auf. Die Postanschrift wird noch benutzt, die Briefe, die im Baum gesteckt werden darf jeder lesen, mitnehmen oder zurückstecken.

Wir fahren an die Ostsee. Ich bestaunte immer wieder die Rapsfelder und die Hügel, mache Fotos und genieße einfach die Fahrt. Wir machen Halt, um die Mühle in Krokau zu besichtigen und fahren weiter. Ich erzähle Babette, dass man in Burkina ein Dienstmädchen ab 10 000 CFA (16 €) im Monat einstellen kann und sie war sehr erstaunt. Ich habe erfahren, dass nicht jedermann sich einen Fahrer oder ein Dienstmädchen hier leisten kann.

Wir kommen endlich an der Ostsee an und ich bin aufgeregt, die See für das erste Mal zu sehen. Mir war kalt aber ich konnte das nicht verpassen, ich zog meine Schuhe zuerst aus, dann die Socken, ich wage mich endlich ins Wasser zu gehen, allmählich wurde aber es angenehm. Ich sammle Muscheln, und suche schöne farbige Steine, die ich nach Burkina mitnehmen möchte. Es wurde gegrillt, gespielt, einen recht schönen Tag hatten wir.

Tag 12 Montag 15.05

Heute ziehe ich zu Ricarda Walzel um. Der Vormittag sitze ich in der Geschäftsstelle und arbeite an meinem Reisebericht und helfe im Büro. Am Nachmittag fahren wir nach Kiel, wo Ricarda wohnt, um meinen Koffer vorbeizubringen und fahren mit dem Bus in die Stadt. Ricarda nimmt an einem Seminar über „Buchhaltung und Verein“ teil. Dort treffen wir Mitgliederinnen des SISTERS-Vereins mit denen wir uns kurz unterhalten. Die Eine kommt aus Burkina wie ich, so erzähle ich ihr die letzten Neuigkeiten der Heimat in Dioula.

Nach dem Seminar kehren wir nach Hause zurück.

Tag 13 Dienstag 16.05

Frau Hedwige ist gestern von ihrer Reise aus Dänemark zurückgekommen. Wir holen sie morgens ab und fahren zur Familienbildungsstätte. Frau Katja Hofer Koordinatorin vom Familienzentrum empfing uns und erzählt uns von ihrer Arbeit. Das Angebot, das sich an alle Generationen richtet, ist ziemlich umfangreich und beinhaltet Bildung, Beratung und Begleitung. Frau Hedwige stellt ihre Arbeit vor sowie die unterschiedlichen AMPO-Projekte, die mit der Zeit und Notwendigkeit entstanden sind. Heute übernimmt Ricarda die Übersetzung, denn mit meiner Erkältung fällt es mir schwer, mit dem Mund zu atmen und zu sprechen. Ich bin froh, dass sie da ist.

Am Nachmittag haben wir ein Treffen in der Beratungsstelle „Frau und Beruf“. Frau Ingber und ihre Kollegin empfangen uns herzlich und zeigen uns die Räumlichkeiten. Diese Einrichtung hilft zum einen Frauen beim Wiedereinstieg ins Berufsleben, sei es nach einer langen Babypause oder aus irgendwelchen anderen Problemen. Zum anderen werden Familien mit arbeitslosen Eltern betreut, ausgebildet und unterstützt. Sie finden ein offenes Ohr und bekommen Ratschläge. Wir erzählen auch von den AMPO-Projekten, es wird verglichen und Frau Ingber erklärt sich bereit, die Aktionen von Sahel e.V. soweit sie kann zu unterstützen.

 

Tag 14 Mittwoch 17.05

Im heutigen Vormittag-Programm stehen zwei Besuche, der freie Kindergarten und die Schule am Schiffstal in Plön. Aber gestern ist eine Postnachricht eingetroffen, Sachen von uns sind gerade abholbereit im Zoll. Das ist ja eine gute Gelegenheit für mich, das lange und anstrengende Verfahren zu verfolgen, die die Exportsachen, die ich nach Deutschland verschicke, durchlaufen müssen, um endlich im Laden der Geschäftsstelle zu landen. Frau Böhling zeigt mir alle Formulare: Es ist unheimlich was man alles ankreuzen und ausfüllen muss. Das Sprichwort: “Von der Wiege zur Bahre, Formulare, Formulare“ erhält bei mir seine volle Bedeutung. Formulare ausfüllen ist wichtig hier wie Tempel in Burkina es sind! Frau Böhling schafft es auf jeden Fall, alles fertig vorzubereiten und so fuhren Ricarda und ich zum Zoll in Kiel, um die Körbe, die ich vor drei Wochen gesendet hatte, abzuholen. Unser Auto war natürlich zu klein für all die Körbe, so mussten wir noch einmal zurückkommen.

Wenig später kommen wir dann im freien Kindergarten von Plön an. Babette, Frau Böhling und Frau Ouédraogo waren schon da. Babette hatte Puppentiere und Musikinstrumente aus unserem Laden mitgebracht. Die Kinder lauschen unseren Erzählungen, stellen Fragen über Burkina Faso und AMPO. Ihre geistige Frische ist unglaublich, bei einigen Fragen waren wir (samt Erzieherinnen) manchmal ratlos.

Wir waren mit einer französisch-lernenden Klasse in der Schiffstahl Schule von Plön verabredet. Die Lehrerin, eine Französin, erwartete und begrüsste uns vor der Tür. Nach einer gegenseitigen Vorstellung zeigen uns die SchüleInnen die kurze Präsentation über ihre Schule, die sie vorbereitet hatten. Eine Führung durch die Schule folgte dann. Wir sind von der Ausstattung beeindruckt: Eine Lehrküche, Chemie- und Biologieräume mit interaktiven Tafeln, Fussballplatz, Sporthallen, Veranstaltungsraum, alle Bedingungen für eine erfolgreiche Bildung sind da. Wir haben Glück, da einige Schüler gerade Musikunterricht hatten, sie waren nett und haben uns „Let it Be“ von The Beatles vorgesungen. Nach der Führung kehren wir in die Klasse zurück, und unterhalten uns mit den SchülerInnen, die Fragen betreffend das Schulsystem von Burkina Faso und das Leben im Allgemeinen hatten. Bericht von Sahel e.V.: Bereichernde Zeit – Besuch aus Ouagadougou

Am Nachmittag profitieren wir von dem herrlichen Wetter, um an die See zu fahren und essen anschliessend Eis.

Tag 15 Donnerstag 18.05

Der Tag fing mit Körbe-Abholung an, den Rest des Vormittags arbeiten wir. Der Tag der offenen Tür der Geschäftsstelle soll ja vorbereitet sein. Wir möchten Kochbananen anbieten, eine gute Gelegenheit um die neue Friteuse zu erproben. Wir besorgen in einem asiatischen Laden die Kochbananen sowie Zutaten um Tô (afrikanisches Gericht) zuzubereiten. Einige Zutaten konnte ich leider nicht finden und musste mich mit dem zufrieden geben, was wir bekommen hatten.

Nach der Arbeit an der Geschäftsstelle mache ich einen Spaziergang durch Kiel mit Ricarda und ihren Kindern, die Kinder kaufen Spielzeuge und ich einige Souvenirs.

Am Abend kochen wir dann den Tô mit einer Okra-Auberginensosse sowie die Kochbananen. Ricarda hatte Freunde zum Essen eingeladen, die Mutigen! Ich frage mich beim Kochen, ob ihnen den Tô schmecken wird. Aber meine Sorgen schienen nicht begründet zu sein, die Gerichte kamen gut bei allen an und wurden sogar gepriesen, uff geschafft!

 

Tag 16 Freitag 19.05

Heute bin ich in der Klasse 3a der Lernwerft-Schule in Kiel eingeladen. Die Kinder haben einen Brief für die AMPO-Kinder geschrieben und den soll ich mitnehmen. Eine der Schülerinnen kannte ich schon, Singa die neunjährige Tochter von Ricarda. Einige Tage vor dem Termin hatte sie schon angefangen, sich Sorgen zu machen, und hoffte, dass ihre Kameraden sich gut benehmen werden. Na ja wenn man einen Gast hat, muss man sich zu benehmen wissen. Zum Glück verflogen ihre Sorgen, denn das halbe-Stunde-Treffen verlief reibungslos. Die Lehrerin und SchülerInnen hatten recherchiert und viele Informationen über Burkina Faso gesammelt. Trotzdem beantworteten wir einige Fragen besonders über AMPO und die möglichen Spenden, die benötigt werden. Ich bin beeindruckt, dass sie bereits in ihrem Alter an andere Kinder denken und ihnen helfen möchten.

Das zweite Treffen fand im Schlossgymnasium in Plön statt. Die 6 u.7 Klassen waren eingeladen. Babette hatte schon mit der Präsentation angefangen als ich ankam. Heute noch waren wir beim Zoll, um endlich die restlichen Körbe abzuholen. Sehr interessiert zeigten sich die SchülerInnen. In den letzten Jahren haben sie Spendenläufe organisiert und Geld für AMPO gesammelt. Wir bedanken uns bei ihnen für ihr Engagement und hoffen, dass sie uns auch in Zukunft mit solchen Aktionen unterstützen.

Wir kehren ins Büro zurück und helfen bei den Vorbereitungen für den morgigen Tag der offenen Tür und dem Treffen mit den SISTERS. Die SISTERS sind ein interkultureller und entwicklungspolitischer Verein für Frauen afrikanischen Stammes und an Afrika interessierte Frauen in Kiel/ Schleswig-Holstein. Nach einem Appetithappen händigt Babette den SISTERS einen gewebten Stoff aus Burkina Faso aus. Dieser Stoff wurde anlässlich der Feierlichkeiten des Internationalen Frauentages hergestellt. Sie haben sich gefreut. Ich werde dann vorgestellt und erzähle, was ich bei AMPO mache. Danach erzählen Ricarda und Babette über ihren Aufenthalt in Burkina Faso mit Fotos.

Es war ein ereignisvoller aber netter Tag. Bericht über den Besuch der SISTERS: Ein Band von Frau zu Frau – von Land zu Land

Tag 17 Samstag 20.05

Es gibt viel Betrieb heute in der Geschäftsstelle, es ist zum vierten Mal Tag der offenen Tür. Die kleinen Details werden geregelt, die ersten Gäste kommen. Die Gründerin von AMPO, Katrin Rohde, sowie einige Vorstandsmitglieder von Sahel e.V. sind auch da. Ich kenne schon einige Gäste, die regelmässig in Ouaga zu Besuch kommen und bin froh, bekannte Gesichter zu entdecken. Den Essensstand besetze ich: im Menü gibt es frittierte Kochbananen und Yamswurzeln, einfache Bällchen, und Kochbananen Bällchen alles mit Sossen – dank der Unterstützung von den SISTERS. Es fing etwas schüchtern an aber allmählich kamen viele Leute. Es war auch Flohmarkt in Plön und Leute aus der Umgebung, die für den Flohmarkt gekommen sind, haben uns auch besucht.

Kleine Informationspakete wurden den Anwesenden gegeben, Artikel des Ladens und natürlich leckeres Essen wurden verkauft. Am Ende des Tages waren wir erschöpft aber es war erfolgreich. Dies bedanken wir besonders den Damen der Geschäftsstelle, die alles organisiert haben. Bericht lesen: Vierter Tag der offenen Tür beim Sahel e.V.

Auf dem Rückweg halten wir am Kanal von Kiel an, um den Schleusenvorgang zu beobachten. Wir hatten Glück, denn Boote warteten, dass die Schleuse geöffnet wird um durchzufahren. Für jemanden, der gar nicht daran gewöhnt ist, ist der Anblick einfach herrlich. Zu Hause angekommen, profitieren wir von der Sonne und grillen. Ich gehe aber früh ins Bett. Morgen nehme ich Abschied vom Norden.

Tag 18 Sonntag 21.05

Ich stehe früh auf, um meinen Koffer zu packen. Es geht weiter heute, wir fahren nach Hamburg. Mir fällt es schwer, nach der schönen Zeit Abschied zu nehmen. Gestern hatte ich schon Abschied von Frau Böhling und Babette genommen. Ich vermisse jetzt schon alle. Heute gibt es herrliche Sonne, wir frühstücken draussen mit den Eltern von Ricarda, die zu Besuch sind. Wir machen ein Familienfoto und ich packe mir all die guten Erinnerungen ein. Herr Mathar, Vorstandsmitglied von Sahel e.V., fährt uns nach Hamburg. Dort beziehen wir unsere Hotelzimmer und fahren zu Katrin Rohde. Wir fahren durch Hamburg und sie zeigt uns die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Eine bessere Führerin hätten wir nicht gefunden, sie ist ja aus Hamburg und ist dort aufgewachsen.

Herr Mathar fuhr nach Frankfurt weiter und wir bleiben eine Weile bei Frau Rohde, um uns zu unterhalten. Wir erholen uns und gehen dann Abend essen. Da Frau Ouédraogo Hedwige am folgenden Tag abfliegen soll, gehen wir früh ins Bett.

Jetzt klinke ich mich jetzt aus. Ich habe mich gefreut, dass ich diese Reise antreten durfte. Meinen herzlichen Dank geht an alle, die dies ermöglicht haben.

Marthe Sanogo

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