AMPO – Rundbrief Winter 2017

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Liebe Freunde unserer vielen Einrichtungen in Burkina Faso,

der Herbst ist da! Diesmal darf ich ihn in Europa miterleben, denn ich reise erst im November zurück nach Ouagadougou. Genauso wie Sie selbst suche ich also den Wintermantel hervor und die dicken Pullover – Hamburger Schietwetter bringt mir Spaß, denn ich habe es ja jahrzehntelang gar nicht mehr gekannt. Ich wünsche mir, dass auch Sie mit ihren Familien dem etwas abgewinnen können: Mit gefallenen Herbstblättern rascheln oder drinnen gemütlich Tee trinken wenn es draußen stürmt!

Da ich fast täglich mit Burkina Faso telefoniere bin ich immer orientiert. Dort war es sehr heiß, die Regenzeit hat aufgehört, die zum Teil recht guten Ernten werden gerade eingefahren. Viele unserer jetzt selbstständigen Bio-Jungbauern auf dem Land müssen nun überlegen: verkaufe ich meinen Bio-Sesam nach Deutschland? Oder woandershin? Gott sei Dank haben sie gute Helfer in ihren Landwirtschafts-Kooperativen – mit ihnen finden sie dann die besten Preise.

In der Stadt sind die Ferien zu Ende, alle Straßen wieder gestopft voll von rücksichtslosen Fahrern – aber vor allem auch mit Schulanfängern. Die meisten von ihnen haben leider keine Ahnung von Verkehrsregeln, was natürlich elend viele Unfälle verursacht. Wie gerne würde ich wieder neue Verkehrsfilme zur Aufklärung für das Fernsehen drehen – hat jemand von Ihnen Lust sowas zu finanzieren? Ich bin sofort dabei.

Dieses Jahr habe ich nun zum August meinen Direktorenposten bei AMPO niedergelegt und ihn einer Doppelspitze zur Verfügung gestellt. Viel Unterschied macht es nicht, ein von mir jahrelang vorbereitetes Team aus allen acht Direktoren der Einrichtungen trifft ohnehin die Entscheidungen gemeinsam. Trotzdem, Kontrolle und ein guter Plan müssen sein! Ich bin ein wenig stolz auf mich selbst, so ein Schritt ist nach 23 Jahren doch groß. Viele Freunde haben mir zu diesem mutigen Entschluss gratuliert. Eines Tages muss alles ohne mich weiter gehen – das Leben ist nun mal eben endlich. Darauf sind wir nun gut vorbereitet und bislang läuft es prima. Frau Dr. Reikat und Herr Yameogo gehen alle Probleme sämtlicher Projekte und aller 150 Mitarbeiter und selbstverständlich die der Kinder gemeinsam an. Wie schwer dies ist, davon kann ich ein Lied singen! Es ist gut, dass sie zu zweit sind, denn dazu gehört viel Einfühlungsvermögen. Die Balance zwischen den europäischen Gebern und dem afrikanischen Alltag muss beständig ausgeglichen werden und man darf nichts und niemanden vergessen. Nach wie vor bleibe ich die Vorsitzende des afrikanischen AMPO-Vereines und stehe ein halbes Jahr lang in Deutschland für Vorträge jeglicher Art zur Verfügung – immerhin bleibe ich wohl die beste Fundraiserin für uns.

Auch den Kindern fiel es schwer diesen Entschluss zu akzeptieren. Sie kennen und lieben mich als „Maman“, die immer und für alles eine Lösung weiß. In mehreren emotionsgeladenen Versammlungen unter Tränen bei den Kleinen- und vor allem bei den Mädchen – habe ich versucht ihnen klarzumachen, dass sich nichts für sie ändert, dass ich immer alle Vierteljahre für drei Monate in AMPO zuhause sein werde. Dass ich, im Gegenteil, nun sogar mehr Zeit haben werde, mit ihnen zu spielen und vorzulesen.

Apropos vorlesen: von unserem dänischen Verein bekamen wir so viel Geld für unsere Kinderbibliothek, dass wir zu hundert neuen Büchern sogar noch ein Laptop kaufen konnten. So können wir erstmals alle Bücher korrekt verwalten. In Klassen von teils 100 Kindern und mehr ist es schwer, korrekt lesen zu lernen und darum sind spannende Bücher so wichtig. An jedem Wochenende ist die Bibliothek voll – herrlich anzusehen für eine alte Buchhändlerin wie mich! 23 neue Kinder haben im September bei AMPO ein neues Zuhause gefunden, in beiden Waisenhäusern, und ich freue mich sehr auf sie. Sie alle haben noch nie eine Bibliothek gesehen, wissen gar nicht was das ist. Dies werden wir ändern!

Unsere dänischen Freunde arbeiten eng mit den Lionsclubs zusammen, von ihnen dürfen wir uns jedes Jahr etwas wünschen. So sind wir stolze Besitzer einer neuen Tiefkühltruhe, wir bekamen Lernmaterial für das Aufklärungsprojekt P.P.Filles, Lehrbücher auf der Biofarm, auch haben wir einen schönen Zuschuss zu unserem Impfprogramm für alle AMPO-Kinder. Unsere Tische und Bänke wurden repariert und frisch gestrichen, die Verteilerkästen für Strom erneuert, die Solarenergie für die Mädchen in MIA/ALMA erweitert. So ein Segen!

Auch unsere Schweizer Freunde sind rege: Die Stiftung we-help in Basel schickte uns neue medizinische Ausrüstungsgegenstände für unser Brillenprojekt und finanziert die Fortbildung von 10 AMPO-Kindern. Gerade legen sie bei vielen Rotary-Clubs der Schweiz mit einer groß angelegten Kampagne für AMPO-Rollstühle in Burkina Faso los.

Bei unseren deutschen Helfern gibt es immer wieder Überraschungen: Frau Labudda aus Bad Emstal verkauft Mengen von Torten und Schokolade, jährlich reist sie mit einem hohen Betrag nach Ouagadougou und wir machen etwas Gutes für AMPO damit. Dieses Jahr sandte sie wieder neben vielen Nähmaschinen und Strickdecken per Container eine riesige Kiste mit Nutella – ein ungeahntes Vergnügen für unsere Kinder! Frau Hesse aus Amrum bestückt nach wie vor die Hälfte unserer Container mit sorgfältig ausgesuchter und gut gepackter Kleidung, Herr Timper aus Gaggenau sendet alles, was er Gutes finden kann und macht dazu Sammelaktionen per Briefkasten. Die Schule an der Auewiese in Malente sowie das Gymnasium in Bad Zwischenahn veranstalten Rennen und organisieren Basare. Zusammen mit dem Gymnasium Schloß Plön und vielen anderen Schulen gehören also Kinder und Jugendliche zu unseren allerersten Spendern! Dies macht mir immer wieder so viel Hoffnung, so sehr zähle ich auf die nächste Generation von Menschen. Auch ältere Menschen können es jedoch: mit 77 Jahren hält Frau Dr. Leifert in Herne Vorträge und organisiert Patenschaften zur Ausbildung. Zweimal jährlich besucht sie unsere Krankenstation bei AMPO und arbeitet dort tatkräftig mit. Dies nur als ein kleiner Ausschnitt aus meinen täglichen Freuden – alle Freunde und Spender die nicht erwähnt sind werden natürlich genauso herzlich bedankt!

Ja, es gibt nichts Gutes außer man tut es!

Und: Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb – dies sagte früher immer meine Großmutter zu mir.

Sicherlich haben auch Sie, liebe Geber, Freunde und Spender, eine gute Idee. Wie immer brauchen wir Hilfe, denn kein Waisenhaus der Welt kann ohne diese auskommen. Gott sei Dank kenne ich seit so ungefähr 30 Jahren keinerlei Skrupel, Sie um Hilfe zu bitten, denn es ist ja nicht für mich, sondern für AMPO, eine ungewöhnlich gute Einrichtung die immer direkt an der Basis mit den ärmsten aller Menschen arbeitet. Und wie immer können wir jeden Cent, den Sie geben auch belegen.

Wir danken Ihnen! Bleiben Sie bei uns, dann können wir gemeinsam auch weiterhin Kinder aus dem Elend holen und sie zu gebildeten und gewissenhaften Menschen ausbilden, die zur Entwicklung ihres eigenen Landes beitragen. Dies ist unser ganzes Ziel und dazu gehört viel Einsatz, Mut und Herz, sowohl von uns als auch von Ihnen. Und den Kindern!

Wenn Sie zu Weihnachten eine stille Minute finden, sich zur Seite setzen und hoffentlich dankbar auf Ihr Leben und Ihre Lieben blicken, dann sitze auch ich in AMPO und schaue beglückt auf alle unsere Kinder. Bei uns allen, bei Ihnen und bei uns in Afrika, ist alles so gut wie nur möglich.

Draußen aber, vor der Tür, sind so viele die gar nicht wissen, was ein Weihnachtsgeschenk ist, ja, die vielleicht sogar hungern müssen an diesem Tag des Überflusses. Lassen Sie uns gemeinsam weiter auf unserem Weg gehen, für diejenigen da zu sein, die es nicht so gut haben wie wir. Wir gehen einfach immer weiter zusammen geradeaus mit einem Herz voller Liebe und Zuwendung.

Fröhliche Weihnachten, ein gutes neues Jahr, dies wünscht Ihnen herzlich und zuversichtlich

Ihre

Katrin Rohde

Ein starkes Team für AMPO – Die neue Führungsstruktur

Was vor über 20 Jahren mit einer Reise und einem kleinen hartnäckigem Gedanken, der Katrin Rohde nicht mehr losließ, begann, ist zu einer großen Sache gewachsen. Seit seiner Gründung im Jahr 1995 hat Katrin Rohde den Verein „AMPO“ unermüdlich und gemeinsam mit den Direktoren zu einem Komplex verschiedener sozialer Einrichtungen entwickelt, der täglich zahlreichen Menschen in Not hilft und mittlerweile selbst über 150 Menschen einen Arbeitsplatz bietet. Viele Jahre hat die Gründerin ihre Kraft, Energie und Freude mit großer Hingabe in die Arbeit in Burkina Faso gesteckt. Ihr gebührt großer Dank für alles, was sie Anderen Gutes getan hat sowie großer Respekt für den Schritt, die operative Leitung vor Ort nun weiterzugeben.

Katrin Rohde behält als Präsidentin von AMPO die Gesamtverantwortung. Entlastet vom Tagesgeschäft wird sich Katrin Rohde nun noch mehr den vielen internationalen Kontakten zu Freunden, Unterstützern und Sponsoren von AMPO widmen. Um Katrins Lebenswerk weiterzuführen, braucht es schon mindestens zwei starke Persönlichkeiten, die gemeinsam ein umso stärkeres Team bilden. Nach langer Suche und noch längeren Überlegungen glauben wir nun vor Ort die beste Lösung gefunden zu haben: zwei Direktoren mit gleichen Rechten, eine Frau und ein Mann, eine Deutsche und ein Burkinabé, eine Sozialwissenschaftlerin und ein Mediziner.

Denis Yaméogo arbeitet seit 11 Jahren bei AMPO als Leiter unserer Krankenstation. Die Station an sich ist eigentlich schon gross genug, aber die tatsächliche Herausforderung ist, dass mit ihr eine ganze Reihe von kleineren Projekten verbunden sind: die physiotherapeutische Praxis, der Augenarzt, das Projekt für unterernährte Kinder und das für aidskranke Frauen, die Behindertenprojekte. Um alle diese Bälle gleichzeitig in der Luft zu halten, braucht es nicht nur einen guten Arzt mit viel Engagement, sondern auch einen exzellenten Manager. Denis hat über all die Jahre bewiesen, dass er beides ist.

Andrea Reikat ist vor nun 2 1/2 Jahren zu AMPO gestoßen. In dieser Zeit hatte sie Gelegenheit, sich in die vielfältigen Tätigkeiten AMPOs einzuarbeiten und sich in dem Neztwerk der Partner und Geldgeber zurecht zu finden. Seit 25 Jahren in Burkina Faso arbeitend und lebend, kennt sie das Land und seine Lebenswirklichkeiten sowohl in der Stadt als auch in den Dörfern genau. Sie war, bevor sie zu AMPO kam, 10 Jahre lang Projektleiterin bei der deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und hat von daher das ABC des Projektmanagements von der Pike auf gelernt.

Langfristige Wirkungen:

Finden Sie nicht auch, dass es schön ist, zu sehen, wie die AMPO-Einrichtungen ineinandergreifen. Wie jede Einrichtung weiß, was die andere tut und im Einzelfall tun kann. Wie nicht nur an das Heute gedacht wird, indem man eine Schüssel Reis an eine hungrige Familie austeilt, sondern wie man auch das Morgen und das Übermorgen im Blick hat. AMPO leistet Hilfe zur Selbsthilfe und jede Einrichtung leistet seinen Beitrag auf seine eigene bestimmte Art und Weise. Dies verändert nicht nur die Lebenssituation des Einzelnen, unser Einsatz wirkt sich ebenso positiv auf das Leben der Familie sowie der nachfolgenden Generation aus und verändert damit auch langfristig die Gesellschaft.

Über diese nachhaltigen Wirkungen unserer Projektarbeit berichten die Jahresberichte der einzelnen AMPO- Einrichtungen, die von den Projektleitern erstellt werden und auf unserer Homepage einzusehen sind. Schauen Sie mal hinein und überzeugen Sie sich von der Arbeit vor Ort!

Helfen Sie uns auch weiterhin dabei, dass AMPO diese vielen kleinen und großen Hilfen weiterhin geben kann – kein Betrag ist zu klein, damit das Gute nie verloren geht!

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