AMPO – Rundbrief Frühling 2018

Zur Ansicht oder Download bitte auf das Bild klicken.

Liebe AMPO-Freunde,

wie schön, dass wir nun gemeinsam den Frühling begrüßen dürfen, denn seit gestern bin ich wieder in Deutschland – von 41° plus heruntergekühlt auf 14° minus. Es ist ja immer wieder ein Schock und ein so wunderbares Erlebnis, dieser Gegensatz beflügelt mich zu neuen Taten! In Ouagadougou Staubwolken und Hitze, hier nun Schnee und klare herrliche Luft. Dort Armut und Lebensfreude, hier Reichtum und viel Unzufriedenheit. Dies erinnert mich an Lichtenberg:“ Ich weiß nicht ob es besser wird wenn es anders wird. Aber es muß anders werden, wenn es besser werden soll.“

Auf beiden Seiten meines Lebens bedarf es der Veränderung, so wie ich es sehe. In Afrika brauchen wir mehr Chancen, in Europa mehr Bescheidenheit, denke ich. Gerade war Sigrid Klausmann bei uns in AMPO und drehte einen ihrer berühmten  Filme: ein Kind geht zur Schule und wird über sein Leben und seine Meinungen befragt, in allen Ländern der Welt. Unsere kleine Olivia, 11 Jahre alt, sagte darin, sie würde dafür kämpfen, dass alle Kinder zur Schule gehen dürften – mit ihren 11 Jahren sagte sie das sehr bestimmt!

Sie ist Halbwaisin, ihre große Schwester lebt bei ihrem selbst bedürftigen Vater. Am Ende des Films sitzt Olivia, katholisch, in unserer kleinen Kapelle und betet: „Lieber Gott, mach, dass mein Vater das Schulgeld für meine Schwester zusammenbekommt.“ Und dann betet sie still und leise weiter: „Lieber Gott, segne alle Menschen auf der Welt, die sich um Waisenkinder kümmern.“ Ja, liebe Freunde in Deutschland, Sie haben also Olivias Segen, Sie, die oft so viele Jahre mit uns gemeinsam treu für Waisenkinder und andere bedürftige Menschen in Afrika sorgen. Ist das nicht ganz wunderbar? Gott segne die kleine Olivia!

Ein Jahr der Veränderungen haben wir wahrlich hinter uns, denn seit ich nicht mehr die Direktorin bin, gibt es ja ein Zweierteam, das das gesamte Tagesgeschäft erledigt, alle Entscheidungen werden gemeinsam mit dem Team der sieben Projektdirektoren getroffen. Und dies klappt! Ich sehe täglich zu, mahne manchmal kurz was an oder gebe meine Meinung ab, zu sagen habe ich nichts mehr, aber natürlich werde ich in Zweifelsfällen oft um meine Meinung gefragt. Ich bin ganz begeistert von mir, natürlich auch von den kompetenten Mitarbeitern! Wer hätte das von mir gedacht, loslassen nach so vielen Jahren, ich selbst nicht! Diesen Übergang habe ich seit Jahren eingefädelt, und nun bekomme ich den Lohn, kann mehr mit den Kindern spielen und in Ruhe Tomaten anpflanzen. In 25 Jahren in Afrika sah ich darin immer die größte Gefahr, viele Projekte sah ich schließen wenn der Chef ging. Selbst in Deutschland passiert das oft. Bei uns in AMPO herrscht jedoch Ordnung und Transparenz, strenge Regeln gibt es in Buchhaltung und im Alltagsleben der Kinder, wir sind tatsächlich eine Oase. Trotzdem bleibt mir genug zu tun, immerhin bin ich ein halbes Jahr immer bei AMPO zuhause. Faul bin ich nicht, denn nach wie vor bin ich verantwortlich für die pädagogische Seite in den Waisenhäusern, das habe ich mir vorbehalten. Und ich bleibe zuständig für alle Baumaßnahmen, Reparaturen, eben das äußere Erscheinungsbild von AMPO. Dazu versuche ich auch in Burkina Faso Unterstützung von Banken, großen NGOs, Rotariern und reichen Privatleuten zu finden – so wie hier in Europa auch. So, nun genug von mir selbst!

Auch im deutschen Verein „Sahel e.V.“ gibt es einen neuen Vorsitzenden, den liebenswürdigen Andrew Sharp. Und im Berliner Verein „Freunde für AMPO“ sorgt nun Ute Krüger freudig vollberuflich für Aufklärung und Budgets. Gemeinsam besuchten die beiden AMPO für eine Woche im Januar, um sich vor Ort kundig zu machen. Dies war eine Woche der Freude, sie sahen überall bestätigt, wofür sie sich in Europa stark machen und  sind stolz darauf maßgebliche Unterstützer so vieler reeller Projekte zu sein, ja, es ist ihnen eine Ehre. Hier herrscht also auch ein frischer neuer Wind!

In unserem AMPO-Restaurant geht es auch vorwärts mit Veränderungen. Viele Catering-Aufträge lassen die Köchinnen wirbeln, der Service ist routiniert. Nun gehen wir zum nächsten Schritt über, denn wir haben genug Geld verdient, um uns endlich eine elektronische Kasse anzuschaffen. Was war das nur immer für eine Schreiberei mit endlosen Rechnungen und Belegen für unsere Gäste, ein Born der Irrtümer und des Verrechnens in der Eile, das hat nun ein Ende, und das Beste ist dass wir dies selbst finanzieren können. Trotzdem bleibt immer noch etwas für die Waisenkinder übrig, denn unser Restaurant gibt sein Guthaben weiter für die Ernährung unserer Kinder.

Du meine Güte, es geht ja noch weiter mit den Veränderungen, nämlich in den Behinderteneinrichtungen. Früher hatten wir nur eine kleine Reparaturwerkstatt für Rollstühle. Dazu kam vorletztes Jahr eine Herstellungswerkstatt, in der Rollstühle nach Maß angefertigt werden. Nun wurden beide Projekte zusammengelegt und es wird ein neuer Werkstattwagen angeschafft. Damit kann der Leiter Edouard über Land fahren und in den entlegensten Dörfern wie auch in der Umgebung der Hauptstadt direkt subventionierte Ersatzteile verkaufen und auch gleich einbauen. Große Freude, bei allen Beteiligten! Ein Rollstuhl kostet 250 Euro, ach bitte, kaufen Sie doch einen! Sie verändern damit das Leben eines Menschen.

Durch diesen Zusammenschluss bekamen wir einen freien Raum in der Krankenstation und unser Optiker zog um. Endlich konnten wir seine neue elektronische Messanlage einrichten. Unsere Brillen kosten sehr wenig Geld und sind ein Segen für Schüler wie für Beamte und Leser von Bibeln und Koran. Dadurch wiederum konnten wir die Behandlungsräume unseres Physiotherapeuten erweitern, der nun eine lange gewünschte Streckbank aufbauen kann – Sie sehen schon, frischer Wind an jeder Ecke!

Am wichtigsten bleiben immer die Kinder selbst – und die Kranken in der Krankenstation. Mehr als 60.000 Menschen werden hier jährlich behandelt, eine ganze Kleinstadt, dank unserer Schweizer Geber „The Dear Foundation“. Egal in welchem der vielen armen Vororte der Hauptstadt ich auftauche, es hält immer jemand unser Auto an: „ Danke, Sie haben unser Kind gerettet!“. Dann muss ich korrigieren: „Nein, das waren viele Menschen in Europa, die dazu beigetragen haben, ich selbst führe hier nur die Aufsicht!“ Glauben Sie mir, die Gebete und der Segen tausender afrikanischer Menschen tragen dazu bei, dass Ihr Leben hier in Deutschland so gut ist!

Um uns herum wird das Land immer ärmer, Korruption und Betrug nehmen zu. Werkstätten schließen und Baustellen stoppen. Der Gegensatz der Klassen wird immer deutlicher: kaum eine Stadt hat so viele elegante und teure Autos wie Ouagadougou und daneben die Eselskarren und kaputten Fahrräder ohne Licht, täglich 2 bis 3 Tote durch rücksichtslose Fahrer. So viele Kinder, die aufgrund von Geldmangel nicht zur Schule gehen können, obwohl sie begabt sind! Und da sind wir dann wieder zurück am Anfang, bei der kleinen Olivia, die für das Schulgeld ihrer großen Schwester betet – das sind Realitäten, in denen wir leben.

Gott sei Dank sind Sie bei uns, bitte finden Sie viele neue Freunde und Helfer für so viele Kinder, die eine Chance verdient haben. Ja, darum bitte ich Sie, die schon so lange bei uns sind, bitte finden sie mehr und neue Spender, die dazu beitragen, dass das Leben ein wenig gerechter wird. Hier brauchen wir, auch mit Ihrer Hilfe, mehr frischen Wind!

Herzliche Grüße an Sie und Ihre Familien. Wie immer danke ich Ihnen, ich erfreue mich an Ihnen allen und unserem gemeinsamem Werk!

Ihre Katrin Rohde


Liebe Leser und langjährige Begleiter,

Heribert Prockl setzte sich vier Jahre gemeinsam mit seinen Vorstandskolleg*innen für Sahel e.V. und AMPO ein.

willkommen im schönen Plön – hieß es erneut im vergangenen Herbst. Mittlerweile zum dritten Mal luden wir unsere Mitglieder und Freunde des Sahel e.V. und AMPO zu einem gemeinsamen Wochenende in die Holsteinische Schweiz ein. Wie Sie mit Sicherheit wissen, unterliegen wir als gemeinnütziger Verein dem deutschen Vereinsrecht. Dieses sieht vor, dass regelmäßig Vorstandswahlen stattfinden – laut unserer Satzung alle zwei Jahre. So kamen unsere Mitglieder an diesem Wochenende auch zusammen, um auf der Mitgliederversammlung den Vorstand zu wählen.

Peter Mathar und Wulf Dau-Schmidt sind bereits seit vier bzw. zwei Jahren ehrenamtlich als Beisitzer des Vorstandes aktiv. Neu im Team ist Dethardt Götze – ebenfalls als Beisitzer. Die Position der stellvertretenden Vorsitzenden bekleidet seit Oktober 2017 Sonja Dinner, die ebenfalls Vorsitzende der THE DEAR FOUNDATION ist. Als Vorstandsvorsitzender wurde Andrew Sharp neu gewählt. Der Unternehmer löste Heribert Prockl nach vier Jahren im Amt ab. An dieser Stelle senden wir einen herzlichen Dank an Herrn Prockl, der dem neuen Vorstand seine laufenden und künftigen Aufgaben mit einer hervorragenden Übergabe erleichtert hat. Mehr über den neuen Vorstand ⇒

Der Vorstandsvorsitzende des Sahel e.V. Andrew Sharp und die 1. Vorsitzende des Partnervereins Freunde für AMPO e.V. Ute Krüger

 

Andrew Sharp:

„Während unserer Reise voller Höhepunkte stach der Besuch eines Dorfes mit der mobilen Rollstuhlwerkstatt besonders heraus. Nachdem wir vom „Chef des Kantons“ (quasi dem „Dorfältesten“) feierlich empfangen wurden, konnten wir ca. Einhundert Rollstuhlbesitzern mit Ersatzteilen und Reparaturen helfen – diese glücklichen Gesichter bleiben bei mir dauerhaft in Erinnerung.

Als Dankeschön für die Arbeit von AMPO/SAHEL erhielten wir zwei lebendige Hühner: für mich als Stadtkind eine richtige Herausforderung!

Nicht lange nach seinem Amtsantritt beim Sahel e.V. reiste Andrew Sharp Anfang Januar 2018 nach Ouagadougou, um sich die AMPO-Projekte persönlich anzuschauen. Zur selben Zeit  besuchten auch Vertreter des Vereins Freunde für AMPO e.V. aus Berlin die Einrichtungen – eine wertvolle  Chance des gemeinsamen Austauschs. Kurze Zeit später machte sich eine weitere Reisegruppe auf den Weg „Einmal AMPO und zurück“. Reisende in dieser Gruppe waren Babette Otto und Ricarda Walzel aus der Geschäftsstelle sowie Peter Mathar als Vorstandsmitglied. Für alle drei war es nicht der erste Besuch bei AMPO – eine wunderbare Gelegenheit, ohne die Fülle an neuen Eindrücken einer ersten Reise nach Burkina Faso, die Zusammenarbeit mit den Kollegen vor Ort zu vertiefen und die Wirkung unserer aller Arbeit in den Projekten zu erleben! Wenn Sie Lust haben, diese Reise mit uns gemeinsam zu erleben, finden Sie den ausführlichen Reisebericht ⇒

FSJ beim Sahel e.V.

Auch in der Geschäftsstelle gab es einen Wechsel. Zum Jahresende verließ Birka Böhling, die viele von Ihnen vom Telefon und aus den Patenschreiben kennen, unser Dreier-Team nach drei Jahren. Um uns wieder zu komplettieren, startete Elke Lottmann als neue Mitarbeiterin mit uns ins Jahr 2018. Ebenfalls neu ist die FSJ-Stelle, die wir im Jahr 2017/2018 zum ersten Mal besetzen konnten. In unserer Geschäftsstelle in Plön beteiligen sich die jungen Menschen an der Arbeit im Verein und erhalten einen Einblick in die Aufgaben einer gemeinnützigen Organisation mit all ihren Facetten: die Organisation eigener kleiner Informationsveranstaltungen an Schulen, das Schneiden von Filmen,  auch das Erstellen von kindgerechtem Informationsmaterial oder die Unterstützung beim Verkauf unserer Produkte gehören dazu. Übrigens sind wir schon jetzt auf der Suche nach einer Freiwilligen oder einem Freiwilligen für den Durchgang 2018/2019!  Mehr dazu ⇒

Einer Reise nach Ouagadougou würde etwas fehlen, wenn man nicht einmal den Kunsthandwerkermarkt mit seiner Vielfalt an traditionellen und außergewöhnlichen Waren besucht – das haben wir natürlich getan. Etliche dieser Produkte echter Handarbeit und toller Ideen z.B. zum Thema Recycling finden Sie zum Verkauf in unserer Geschäftsstelle. Für Interessierte, die nicht in der Nähe von Plön wohnen, haben wir unseren Onlineshop, der ebenfalls eine Auswahl anbietet. Jetzt im Frühling gibt es wieder eine weitere Möglichkeit, Produkte aus Ouagadougou und Informationen über unsere Arbeit auch außerhalb von Plön zu erhalten: Kunsthandwerkermärkte, Afrikamärkte, Stadtfeste, Schulfeste und viele mehr. Wenn Ihnen dieses bunte Treiben Freude macht, haben Sie vielleicht Lust, uns bei einem der regionalen Märkte zu unterstützen. Vielleicht steckt aber auch ein Verkaufstalent in Ihnen und sie möchten selbst einen Marktstand organisieren. Sprechen Sie uns gern an. Wir freuen uns über jede Hilfe! Mehr dazu ⇒

Wenn Sie sich zunächst einmal ganz in Ruhe informieren möchten, laden wir Sie schon jetzt zu unserem Tag der offenen Tür nach Plön ein. Am 26. Mai 2018 wird wieder der Duft von frisch gebackenen Bananen durch die Geschäftsstelle ziehen und alle Gäste werden die Möglichkeit haben, gegenseitig und mit uns ins Gespräch zu kommen. Wie in den vergangenen Jahren auch, wird Katrin Rohde unter den Gästen sein. Es wird bunt und fröhlich und wir freuen uns bereits jetzt auf zahlreiche Besucher!

Nun bleibt uns nur noch, Ihnen einen guten Start in den Frühling zu wünschen. Wir danken Ihnen allen für Ihre zumeist sehr langjährige Unterstützung und senden beste Grüße aus Plön. Ihr Team der Geschäftsstelle

Beitrag weiterempfehlen