Back in Burkina – 6 Wochen AMPO

Alina Behrens

 

Als ich aus dem Flugzeug ausstieg war er wieder da, der typische Geruch Burkina Fasos…endlich kann ich nach vier Jahren wieder nach Burkina Faso zurück kommen.  Man kann die Hitze förmlich riechen, gemischt mit dem Geruch nach Verbranntem und einer Prise Afrika. So heiß kam es mir anfangs garnicht vor, aber es ist ja auch schon 21 Uhr. In den nächsten Tagen werde ich die Hitze bestimmt wieder verfluchen und mich nach kaltem Regen sehnen. Am Flughafen hat mich Hervé, der Fahrer abgeholt und zu AMPO gebracht. Ich habe versucht irgendetwas wieder zu erkennen, dass mich an meine letzten zwei Burkina Aufenthalte erinnert, aber ohne Erfolg. Eine Woche nach meiner Ankunft weiß ich immer noch nicht genau, wo ich mich überhaupt befinde und vor allem, wie ich an die verschiedenen Orte komme. Mein eigentlich ganz guter Orientierungssinn versagt hier kläglich…

 

Am ersten Tag habe ich zum Frühstück frische Papayas auf der schön angelegten Terrasse vom Restaurant MAM DUNIA von AMPO gegessen, so leckere bekommt man definitiv nicht in Frankreich oder Deutschland. Danach hat mir Andrea kurz die Jungen und Mädchen Waisenhäuser gezeigt und das Wichtigste erklärt. Sie sollte am nächsten Tag für 10 Tage verreisen und ich konnte sie also nicht mehr wirklich, um Rat fragen. Eigentlich habe ich aber noch viele Fragen… Ich studiere an der Universität Bordeaux Montaigne und schreibe gerade meine Masterarbeit über die Frage inwieweit burkinische Frauen in ihren Alltag und Beruf eingeschränkt sind, wenn sie nicht alphabetisiert wurden und wie die Zukunft von Mädchen im burkinischen Bildungssystem aussehen kann. Ich sollte also die Möglichkeit erhalten mit Frauen aus dem Frauenhaus Mia-Alma und den Empfängerinnen der Mikrokredite in PP. Filles zu sprechen und mir ihre Geschichten und Probleme anzuhören. In den ersten Tagen habe ich so viele neue Menschen vorgestellt bekommen, die Direktoren der verschiedenen Einrichtungen, das Personal der Einrichtugen, Educateurs, Gardiens, Fahrer, die Köchinnen und Zimmermädchen, das Personal vom Restaurant und die vielen vielen Kinder. Ich habe eh schon Probleme mir Namen zu merken, aber das waren einfach zu viele Namen Die Kinder testen mich immer, ob ich ihre Namen kenne, aber für sie ist es ja viel einfacher einen Namen anstatt 150 oder mehr Namen zu lernen.

 

Natürlich klebt man wieder am Stuhl fest, alles klebt. Diese Mischung aus Schweiss, Staub, Sonnencreme und Moskitoschutz würde mich in Europa wahnsinnig machen, aber hier gehört das nunmal dazu! Genau wie eine ausgedehnte Pause zu der Mittagshitze oder das Motofahren. Diese rasanten Moto-Fahrten, wobei man eine kleine Brise spürt und einen kurzen Moment mal nicht schwitzt. Während der Fahrt kann man hier sehr viel beobachten: Frauen in ihren wunderschönen bunten Kleidern aus afrikanischen Stoffen, mit oder ohne Baby auf dem Rücken. Frauen auf Motos, voll beladen mit Früchten und auf dem Kopf wird noch ein Teller Mangos balanciert. Motos hochbeladen mit allem möglichen, so dass man das Moto nicht mehr erkennen kann: Ziegen, Hühner, Haustüren, Stahlkonstruktionen Haustüren oder auch mal eine vierköpfige Familie… in Ouagadougou wird einfach alles auf einem Moto transportiert.

 

Am zweiten Tag bei AMPO sollte ich die verschiedenen Projekte kennen lernen. Mit einem weiteren deutschen Mädchen, das zu Besuch war und Marthe sind wir losgefahren. Ich versuchte mir den Weg zu merken, bis zur großen Straße, an der Kreuzung gradeaus und an den langen Mauern vorbei, dann bei dem kleinen Geschäft links abbiegen, an der Tankstelle rechts und dann? Wir sind noch tausend mal rechts und links abgebogen, bis ich den Überblick komplett verloren habe. Nach meinen 6 Wochen in Ouagadougou kannte ich den Weg glücklicherweise. Bei PP Filles angekommen wurden, wie immer in Burkina Faso, erstmal der Gemüts- und Gesundheitszustand von einem selber und der Familie erfragt, man wird begrüßt und danach wird man gefragt, ob man die Hitze gut aushält. Dieses Begrüssungsritual dauert lange und wenn man morgens von seinem Zimmer bis zum Büro von AMPO geht, muss man genügend Zeit einplanen, um mit allen Menschen auf dem Weg zu reden. Hier in Europa kenne ich nicht mal meine Nachbarn im Haus und wenn ich sie fragen würde, wie es ihnen geht, würden die mich sicherlich als “bekloppt“ abstempeln. Schade, dass wir uns in Europa nicht mehr die Zeit nehmen mit den Menschen, die wir auf unserem Weg treffen, zu reden. Seit ich zurück bin aus Burkina Faso halte ich jedes Mal an, wenn mich jemand auf der Straße anspricht und manchmal entwickeln sich wirklich interessante Gespräche.

 

Das  Mikrokredit Projekt: Es richtet sich an die ärmsten Frauen und soll ihnen helfen ihr eigenes kleines Business aufzumachen, viele von ihnen verkaufen Obst, Gemüse, Seife, Kleidung vor ihrer Haustür, auf dem Markt oder sie laufen durch die Straßen.  Die Frauen müssen sich zu fünft zusammen finden, damit sie sich gegenseitig in der Gruppe unterstützen können und Verantwortung für die anderen zeigen, sie sind also voneinander abhängig. Viele der Frauen sprechen nicht französisch und sind Analphabeten, aber offizielle Dokumente und die Dokumente für AMPO sind auf Französisch. Sie benötigen also immer jemanden der sie übersetzt und für sie schreibt. In PP filles gibt es außerdem noch eine Einrichtung für die Sensibilisierung von Frauen. Sie organisieren Diskussionsrunden, so genannte “Causeries“, bei denen Frauen langsam an Themen wie Beschneidung, sexuelle Krankheiten und Familienplanung herangeführt werden. Ich konnte später an diesen Runden teilnehmen. Das war für mich total spannend.

 

 

Danach sind wir weiter zu Mia-Alma gefahren: Wir sind immer weiter und weiter aus der Stadt raus gefahren bis man weite Felder sieht und die Häuser nicht mehr dicht an dicht stehen. Wir wurden sehr nett von den Mädchen empfangen und sie haben uns ihre Schneiderwerkstatt, den Kindergarten, den Gemüsegarten und ihre Küche gezeigt. Die Mädchen sorgen hier für sich selbst. Die meisten machen eine Ausbildung zur Schneiderin, 4 Mädchen kannte ich aber schon aus dem Restaurant von AMPO.

 

Zurück bei AMPO, bin ich mit einer Gruppe aus Österreich in das “Maquis“ nebenan gegangen, eine Art Bar. Da ich die einzige bin, die französisch spricht sollte ich bestellen: es gibt Hühnerfleisch, ja warum nicht?  Der Kellner zeigt auf den Hühnerstall und fragt, welches hätten sie denn gerne?  Wir schauen uns an und beschließen, dass wir vielleicht jetzt doch lieber vegetarisch essen, also Pommes. Es hat eine Ewigkeit gedauert, da immer alles frisch zubereitet wird. In der Zwischenzeit kamen bestimmt 30 Jungs vorbei, die alles Mögliche verkaufen wollten: Taschentücher, Erdnüsse, Schuhe, Unterwäsche, Handys und sogar Planschbecken und Feuerlöscher…

 

Abends war ich bei den Jungen essen. Sie waren ein bisschen zurückhaltender sein als die Mädchen. Ja das stimmt, ich habe mir aber einen Jungen rausgesucht und ganz viele Fragen. Langsam kamen immer mehr und die Diskussion wurde lauter. Sie wollten alles wissen: wie lange ich bleibe? Ob ich Burkina Faso mag? Was ich sonst so mache? Wo ich herkomme? Ob ich To (typisches Gericht) mag? Nach dem Abendgebet kam der Imam und ich habe ihn begrüßt. Er hat meine Hand ganz lange geschüttelt und hat mich eingeladen, mit ihm den Teller zu teilen und alle Kinder waren froh. Ab dem Tag habe ich jedes Mal bei den Jungen meinen Teller mit ihm und den Jungen geteilt. Die Zeit verflog und es war schon 22. Uhr und ich wollte gehen, damit die Jungen schlafen können. Ich solle auf jeden Fall wiederkommen, warum ich denn überhaupt am nächsten Tag zu den Mädchen müsse? Die zwei ältesten Jungen haben mich wieder zum Restaurant von AMPO gebracht, der Weg sei viel zu weit. Es sind aber nicht mal 5 Minuten…

 

Morgens sollte ich immer bei PP Filles helfen und nachmittags hatte ich nichts zu tun am Anfang, also habe ich nachgefragt und sollte beim Augenarzt helfen. Nach meiner Mittagspause bin ich rüber gegangen und habe dem Augenarzt meine Hilfe angeboten, er war sehr nett, es kam nur den ganzen Nachmittag niemand vorbei. Morgens sind die Wartezimmer voll und die Leute stehen auf der Straße, aber nachmittags kommt wegen der Hitze kaum jemand. Wir haben uns also 1,5 Stunden unterhalten und es war sehr interessant. Er ist ein ehemaliges AMPO Kind, wie viele von den Angestellten hier. Augeninfektionen sind hier wohl ein großes Problem, da durch den vielen Staub die Augen stark belastet werden.

 

Einmal bin ich morgens um 10 Uhr mit Simone zu einer Veranstaltung im Vorort von Ouagadougou gefahren. Es ging um das Thema Beschneidung. In einem kleinen Hof saßen ca. 50 Frauen mit ihren Kleinkindern und quatschten munter durcheinander. Sie waren nur mit einem kleinen Strohdach von der Sonne geschützt. Die Kinder spielten im Sand oder saßen auf dem Schoß der Mutter. Es war ein schönes Bild, die Frauen so anzuschauen. Simone hat angefangen und den Frauen Bilder über die Beschneidung gezeigt und versucht sie über die Folgen aufzuklären. Es gehört seit Jahren zu der Tradition Frauen zu beschneiden und geschieht oft auf furchtbare Art und Weise, aber trotzdem wollen viele Frauen ihre Mädchen weiter beschneiden. Simone meinte, dass fast alle Frauen vor Ort beschnitten waren. Sie unterhielten sich alle aufgeregt miteinander und ich hatte das Gefühl, dass jeder eine andere Meinung zu dem Thema hat. Es war interessant einfach nur zuzuschauen, wie sie sich in einer, mir fremden Sprache unterhielten, aber man trotzdem sehr gut die Emotionen und Pro/Contra Haltungen mitbekommt. Simone hat mir danach erklärt, dass es auch um Partnerschaften geht und hier die Männer nicht wollen, dass die Frauen sich gehen lassen und zum Höhepunkt kommen. Sie versucht also ganz offen mit den Frauen drüber zu reden und beantwortet jede intime Frage. Mit wem sonst soll eine Frau über solche Themen reden können? Sexualität ist in Burkina Faso ein Tabuthema und deswegen ist die Zahl an ungewollten Schwangerschaften vor allem bei Jugendlichen sehr hoch.

 

Abends war ich wieder im Jungen-Waisenhaus und habe mich dort mit den Nachhilfelehrern unterhalten, sie kommen mehrmals die Woche und unterstützen die Kinder. Die Kinder arbeiten hier so viel, das ist wirklich unglaublich. Sie stehen gegen 4 oder 5 Uhr morgens auf, um vor der Schule noch zu lernen. Dann haben sie von 7 bis 12 Schule und kommen zum Mittagessen zurück. Danach haben sie wieder von 15 bis 17 Uhr Unterricht. Wenn sie zuhause sind haben sie nicht etwa frei, nein, um 19 Uhr kommt ein Nachhilfelehrer, um das Gelernte zu vertiefen, anschließend werden noch die Hausaufgaben gemacht. Man isst, man wäscht sich und redet noch mit seinen Freunden, bis man dann ins Bett geht. Zwischendurch spielen die Jungen natürlich in jeder freien Minute Fußball. Nachdem Nachhilfekurs kamen die Jungen zu mir und wir haben uns unterhalten. Vor allem drei Jungen haben wieder besonders viele Fragen gestellt, ich glaube die sind wissbegieriger als die Mädchen. Stimmt es, dass es in Deutschland manchmal so kalt ist, dass man sterben kann? Was macht ihr wenn es kalt ist? Stimmt es, dass man in Deutschland den Kopf von einem Riesen gefunden hat? Wer ist der Präsident von Deutschland? Stimmt es, dass man Pizza per Internet bestellen kann? Und was passiert wenn man nicht zuhause ist? Warum wird die Haut rot wenn du dich kratzt? Was machen die Kinder in unserem Alter in Deutschland? Und immer wieder kam ein Junge stolz mit einem Brief oder Fotos von seinen deutschen Paten. Ob ich Kiel, Hamburg oder Berlin kenne? Ein Junge meinte, dass seine Paten in der Stadt mit dem Kopf des Riesen leben und ob ich diese Stadt kenne? Nein, die kannte ich nicht. Der Junge hat die Postkarte geholt und der Kopf des Riesen gehört zu Karl-Marx, also die Karl Marx Stadt Chemnitz. Die Frage von einem der älteren Jungen hat mich dann doch zum stocken gebracht. „C’est quoi le but de ton existence sur le monde?“- Was ist der Sinn deiner Existenz auf der Welt? Die kleinen Jungen haben die Frage aufgestellt und die zweite deutsche Freiwillige wurde bei ihrer Ankunft mindestens 3 Mal das gleiche gefragt.

 

Der Imam hat mich eingeladen beim Abendgebet dabei zu sein, also werde ich nächsten Montag das erste Mal ein muslimisches Gebet sehen. Ein bisschen aufgeregt bin ich schon, da ich ja eigentlich nicht viel über den Ablauf weiß und mich nicht unbedacht verhalten möchte. Ich habe noch schnell einen Freund um Rat gefragt, der meinte ich solle mir keine Gedanken machen und einfach nur darauf achten, dass meine Haare mit einem Tuch bedeckt sind, mich neben die Mädchen stellen und denen alles nachmachen. Die Kinder haben sich total gefreut als ich zu dem Gebet kam. Es war wirklich interessant. Am meisten fasziniert hat mich, dass man während des ganzen Gebetes mit seinen Fußspitzen die Fußspitzen des Nachbars berührt. Awa hat mir alles erklärt.

 

Abends war ich bei den Mädchen essen, die einen schon freudig empfangen haben. Ich habe mich mit den Zwillingen Fati und Hawa zu den anderen Mädchen gesetzt und sofort kam ein Mädchen, der ich versprochen habe ihr bei ihren English-Aufgaben zu helfen. Das war gar nicht so leicht, da das Niveau recht hoch ist und Englisch nicht ihr Lieblingsfach ist. Man muss bei den Mädchen immer auf seine Haare aufpassen, die Mädchen lieben es zu flechten, aber das tut ganz schön weh und sieht mit unserer weißen Kopfhaut auch nicht so schön aus.

 

 

Ich habe heute gesagt bekommen, dass ich jemand besonderes sei da ich mir immer Zeit nehme, um mit den Leuten zu sprechen. Ich spreche gut französisch und ohne diese Sprachkenntnisse hätte ich mich Burkina Faso auch nicht so in seinen Bann gezogen. Ja, ich rede gerne mit den Menschen, aber deswegen bin ich ja auch her gekommen. Es sind nicht die Sehenswürdigkeiten, die ich mir anschauen will sondern die Menschen. Ich will mehr über sie erfahren und das war es auch, was mich beim ersten Mal hier beeindruckt hat: die Gastfreundschaft und die zwischenmenschlichen Beziehungen. Ich hatte so viele tolle Gespräche und das hoffe ich hier auch wieder zu finden. Nach jeden Gespräch hat man das Gefühl etwas Neues zu lernen und anfangs habe ich auch noch alles aufgeschrieben, aber irgendwann wurde es immer mehr und mehr und mir hat die Zeit gefehlt. Jedes Mal wenn ich im Hof bei AMPO saß und meine Notizen aufschreiben wollte kam ein kleiner 4 Jahre alter niedlicher Junge und hat gesagt, dass ich den Computer ausmachen soll und wir jetzt spielen. Das Angebot hat mich jedes Mal überzeugt und ich habe also nachts und vor allem in Europa für meine Masterarbeit geschrieben.

 

 

An einem Samstag sind wir mit 2 Stunden Vorbereitung und ca. 30 Kindern, Katrin, zwei Fahrern Chouchou, Tantie Pauline, und zwei anderen Educateurs nach Basoulé gefahren, da sollte eine Pferdeshow sein. Es war kalt, da es die ganze Nacht geregnet hat. Auf der Fahrt hat es dann wieder angefangen zu regnen und die armen Kinder sind in den Pick-ups ganz nass geworden. Ich bin mit Kathrin gefahren und wir haben uns sehr gut unterhalten. Sie hat sehr viel zu erzählen und kann einem so viel erklären. An der Autobahn-Mautstation mussten wir Rast machen, da der Reifen des einen Autos platt war. Wir haben uns untergestellt und gewartet. Ein „Verrückter“, wie man sie in Burkina Faso bezeichnet, kam zu unserem Auto und Katrin hat ihm 200 CFA gegeben. Sie hat mir erklärt, dass sie ihm nicht sagt, dass es fürs Essen ist, sondern immer andere Formulierungen finden muss, da sie mehr als einmal gesehen hat, wie sie sich das Geldstück sich in den Mund schieben. Mit „Verrückten“ geht man hier nicht sehr zimperlich um. Einmal im Jahr wenn ein besonderes Event ansteht, werden alle „Verrückten“ in der Stadt eingesammelt und weit auf dem Land ausgesetzt. Man hofft, dass sie nicht zurück kommen. Katrin sagt, dass nur wenige überleben werden. In Basoulé angekommen hat Katrin mir erklärt, dass  der Reitsport hier ein Sport der Könige sei und jeder Mossi-König mehrere Reiter habe. Die Männer waren wirklich alle sehr schön.  Es regnete und regnete und ich hatte das erste Mal das Gefühl in Afrika zu frieren, ja mir war wirklich sehr kalt. Wir haben uns versucht mit den Kindern unter einem Strohdach vor dem Regen zu verstecken, aber es regnete durch und wir froren alle. Auf einmal sah man die Reiter, aber nein, sie kamen nicht zu uns. Sie machten sich auf den Weg um die Könige zu begrüßen und das dauerte auch nochmal seine Zeit. Wir konnten noch alle unser Brot mit Sardinen essen und dann ging es irgendwann los. Es war beeindruckend, einfach unbeschreiblich diese Männer mit ihren traditionellen Klamotten akrobatisch auf den Pferden turnen zu sehen. Es war wirklich sehr schön. Danach sind wir zurück gefahren und ich habe mich die ganze Fahrt mit dem Fahrer, unterhalten. Er hat mir von der Schwierigkeit erzählt, eine Frau zu finden. Heutzutage würden die Frauen zu viel Freiheit haben wollen. Sie wollen in Diskos gehen und feiern, aber nicht ihrem Mann Bescheid sagen. Er habe ja nichts dagegen, wenn sie feiern gehe, aber wenn sie nicht sagt, wo sie ist und noch dazu immer auflegt sobald er anruft, sei das nicht gut. Er würde sich doch sonst Sorgen machen.

 

 

Mit Rosalie von PP Filles bin ich auf den Markt fahren, um die Frauen in ihrem Arbeitsumfeld zu besuchen, das ist spannend. Wir haben eine  ältere Frau besucht die Bissap, Ingwer und Minze verkauft, alles auf dem Boden ausgebreitet. Sie war so herzlich wie alle hier und dann hörte man schon wieder von überall „Nasara, Nasara…“ (Weiße, Weiße). Sie hat uns zu einer weiteren Frau geschickt, die auch bei PP Filles einen Kredit bekommen hat. Sie wollen nicht, dass die anderen Frauen wissen, dass sie einen Kredit haben und man redet also so, als sei man ein Kunde und fragt ein bisschen danach wie es läuft. Nachdem wir drei Frauen auf dem Markt besucht haben, wollten wir zu einer Frisöse gehen. Auf dem Weg wird Rosalie wieder aufgehalten, noch jemand von PP Filles, den sie nicht erkannt hat. Die Frisöse kam mir bekannt vor, klar, sie war die erste die ich interviewt habe. Ich habe sie gefragt wie sie ihre Perücken herstellt und man hat gesehen, dass sie gerne erzählt. Wir waren noch in ihrer Boutique in der sie Pagne (Stoffe) verkauft und vielleicht kaufe ich in Zukunft dort und nicht auf dem Markt. Wir sind noch bei einer anderen Frau (Schneiderin), vorbeigegangen, sie hat uns ihre Kleider für den 8. März (Frauentag) gezeigt. Momentan sind alle Schneider beschäftigt, da jede Frau ein neues schönes Kleid haben will. Ein gutes Gesprächsthema momentan, man kann jede Frau fragen was sie für ein Modell haben will und sie fängt an zu erzählen. An der Nähmaschine saß eine Frau, sie stillt ihr Baby und gleichzeitig näht sie. Es ist schon beeindruckend, wie Frauen hier alles mit ihren Babys machen und trotzdem nicht dadurch eingeschränkt wirken.

 

Ich habe noch so viel mehr dort erlebt, aber irgendwann habe ich mich so in den Bann ziehen lassen, nur noch im Moment gelebt, vergessen zu schreiben und auch einfach keine Zeit mehr gehabt. Wir haben mit den Kindern so oft Karten gespielt, diskutiert oder ihnen bei den Hausaufgaben geholfen. Mit den zwei anderen deutschen Frauen, die zeitgleich mit mir da waren, haben wir die Umgebung erkundet und naja, 6 Wochen gehen schneller um als man denkt. Jetzt freue ich mich auf meinen nächsten Aufenthalt in Burkina Faso. Im August beginne ich dort einen Job. Meine Freundin aus Deutschland hat mir an einem Abend in Ouagadougou gesagt. „L’Afrique, c’est comme un moustique. Ca te pique et c’est fini.“ Ja wenn man einmal von Burkina Faso und seinen Menschen angesteckt ist, will man wieder zurück. Mal schauen was mir das nächste Jahr bringt, aber ich freue mich alle bei AMPO zu besuchen, vor allem mein Patenkind.

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