Eine intensive und wunderschöne Zeit

Mein Name ist Jessica Schmidt und ich hatte die Möglichkeit innerhalb von zwei Wochen einen spannenden Einblick bei AMPO zu erhalten.

Es war für mich nicht mein erster Aufenthalt in Ouagadougou, da ich zwei Jahre zuvor bereits drei Monate in einer Gastfamilie gelebt und ein Praktikum an einem Lycée im Zentrum gemacht habe. Aus diesem Grund war mein Ankunftstag bei AMPO nicht zugleich auch mein Anreisetag. Ich hatte bereits eine Woche mit meiner Gastfamilie und Freunden verbracht, bevor ich dann zu AMPO ging. 2016 hatte mich das Land mit seinen Menschen und der Gastfreundschaft schon sehr beeindruckt, sodass ich schon damals wusste, ich würde wiederkommen. In der Zwischenzeit bin ich auf AMPO aufmerksam geworden und freute mich umso mehr, als ich erfuhr, dass ich dort zwei Wochen verbringen könnte.

 

Am 19.11.18 kam ich dann bei AMPO an und bezog dort im Gästehaus

mein Zimmer. Den Montag und Dienstag verbrachte ich bei den Jungs, wurde sehr herzlich willkommen geheißen und habe mich viel mit ihnen unterhalten. Dort konnte ich auch zeigen, was ich bereits in Mooré gelernt hatte während meines letzten Aufenthaltes in Ouagadougou. Es hat Spaß gemacht und wir konnten viel lachen. Die Kinder untereinander sprechen nämlich in der Regel wenig Französisch, sondern unterhalten sich meist auf Mooré. Für ein richtiges Gespräch reicht es bei mir leider nicht, aber immerhin für ein paar Begrüßungs- und Vorstellungssätze. Die meisten Kinder mussten viel für die Schule arbeiten, denn für sie rückten zu der Zeit die Klausuren immer näher. So habe ich mit einer Gruppe Jungs Mathe geübt und alles Wichtige für die Klassenarbeit wiederholt. Das hat wirklich gut funktioniert und mir auch sehr gefallen, da ich selbst Mathematik und Französisch auf Lehramt studiere. Am Dienstag war schulfrei und so blieb dann zwischendurch auch noch ein wenig Freizeit und wir konnten

UNO spielen.

 

Mittwoch stellte ich mich bei den Mädchen vor und verbrachte meine weitere Zeit vor allem bei ihnen. Während die Kinder jedoch

morgens in der Schule waren, fuhr ich für fünf Tage zu MIA-ALMA und übersetzte dort für ein Musik-Projekt. Eine Musikerin aus Deutschland sang dort vormittags mit den Mädchen, sprach aber kein Französisch. Wir ergänzten uns gut und hatten viel Spaß, da ich zwar gut Französisch spreche, aber leider nur sehr schlecht singe. Die jungen Frauen bei MIA-ALMA waren sehr offen und haben uns am ersten Tag mit Tanz und Musik empfangen. Dort herrschte eine tolle Atmosphäre. Die Lieder, die wir innerhalb der fünf Tage lernten, waren auf ganz unterschiedlichen Sprachen und wurden mit Bewegungen und rythmischem Klatschen verknüpft.

Die Zeit im Waisenhaus der Mädchen war wirklich super. Die Erzieherinnen und Erzieher haben mich sehr herzlich empfangen und wir haben uns gut verstanden. Die Mädchen waren genau wie zuvor die Jungs auch sehr offen und sie brachten mir in den zwei Wochen noch viele neue Wörter auf Mooré bei. Der Tag war immer klar strukturiert und es gab feste Abläufe, die auch ich sehr schnell kannte: während der Schulzeit haben die Kinder viel zu tun. Mittags kommen sie nur kurz nach Hause, um etwas zu essen und sich frisch zu machen, dann geht es auch schon wieder zurück zum Unterricht. Gegen kurz nach fünf kommen sie zurück, gehen duschen, zum Gebet, essen und wiederholen für die Schule. Es ist ein wirklich straffes Programm, womit ich jedoch schon gerechnet habe, denn während meines Praktikums 2016 in einem Lycée habe ich bereits bemerkt, wie viel die SchülerInnen während der Schulzeit tun müssen. Auf der anderen Seite muss man natürlich auch bedenken, dass sie wirklich sehr lange Ferien im Sommer haben und zusätzlich im Dezember wegen der Schülerstreiks (ein Phänomen, das ich auch immer wieder zugleich lustig und beeindruckend finde) auch sehr viel Unterricht entfällt. Ich fand es toll, wie sehr sich die ErzieherInnen engagieren, um mit den Kindern Hausaufgaben zu machen, für Prüfungen zu üben und sie so schulisch zu unterstützen. So übernahm ich auch mit viel Freude abends Gruppen zum Lernen. Wir machten abwechselnd Mathe, Deutsch, Englisch, Französisch oder ich übte mit den Kleinen Lesen oder Rechnen. Die ErzieherInnen sagten immer, alles hat seine Zeit. Es gibt Zeiträume, in denen man sich amüsieren kann und dann gibt es wieder Phasen, wo gearbeitet werden muss und nun war eine Arbeitsphase. Aber durch die Arbeit und gute Unterstützung kommen die Kinder natürlich deutlich besser im Unterricht mit und das ist wirklich wichtig.

Die Hauptzeit bei den Kindern war für mich also vor allem zwischen 17 und 22 Uhr. Wenn die Kleinen von der Schule kamen, begrüßten sie die anderen ErzieherInnen und mich meist mit einem Knicks und den Händen vor dem Bauch, wie sie es auch in der Schule machen müssen. Vor zwei Jahren hatte mich dieses Höflichkeitsritual noch überrascht, aber mittlerweile gehörte es für mich schon ganz dazu. Nach dem Duschen ging es dann zum Gebet, sowohl für die muslimischen Kinder, als auch für die Christen. Es wird darauf geachtet, dass alle Kinder beten und ihre Religion ausüben. Das finde ich wirklich gut, da der Glaube in Burkina eine sehr wichtige Rolle spielt, so habe ich es zumindest wahrgenommen. Deswegen ist es für die Kinder wichtig, dass auch sie ihre Religion weiter ausüben, um später gut in der Gesellschaft aufgenommen zu werden. Das Zusammenleben der Religionen in Burkina Faso finde ich jedes Mal wieder beeindruckend, weil es keine Konflikte gibt und auch wenn jeder einzelne sehr gläubig ist, führt es nicht dazu, dass er die anderen Religionen nicht akzeptiert.

Das ist nur ein Beispiel dafür, dass die Kinder bei AMPO genauso aufwachsen, wie andere gleichaltrige Kinder, ob das nun die Religion betrifft, die Höflichkeitsregeln oder auch die Umgebung mit Wäsche waschen und Schlafmöglichkeiten.

Es ist wie eine große burkinische Familie und das hat mir wirklich sehr gut gefallen. Ganz viele Dinge, die ich bei meiner Gastfamilie und Freunden kennengelernt habe, konnte ich dort wiederentdecken. So, denke ich, werden sie später auch weniger Schwierigkeiten haben, wenn sie ihr eigenes Leben aufbauen.

Das erste Wochenende in meiner Zeit bei AMPO konnte ich leider nicht mit den Kindern verbringen, da es das letzte Wochenende im Monat war und sie dann von ihren Familien abgeholt werden. Deshalb habe ich die Zeit mit meinen Freunden verbracht und mich am Sonntagabend gefreut, als die Mädchen nach und nach wieder eintrafen.

Nachdem die meisten Klassenarbeiten schließlich geschrieben waren und die Mädchen wieder etwas mehr Zeit hatten, haben wir zusammen Armbänder und Ketten aus Wolle gedreht, geflochten und geknüpft. Außerdem haben wir oft Karten gespielt und der Fernseher wurde am nächsten Wochenende auch einmal angeschaltet. Einige Mädchen haben mir Lieder gezeigt und gemeinsam sangen wir ein paar Weihnachtslieder. Gegen Ende meines Praktikums konnte ich mich auch in der Verwaltung kurz nützlich machen und ein paar Dokumente ins Deutsche übersetzen und ich durfte dabei sein, als ein großer LKW aus Deutschland ankam und entladen wurde. Gleichzeitig wurden viele Rollstühle verteilt.

Insgesamt war es wirklich eine wunderschöne Zeit und da ich nach meinem Praktikum noch ein paar weitere Tage in Ouagadougou verbracht habe, konnte ich die Kinder vor meinem Rückflug noch mehrfach besuchen. Die vielen tollen Eindrücke und Momente werde ich sicherlich nicht vergessen. Ich bin sehr dankbar für diese tolle Zeit dort. Außerdem bin ich mir auch sicher, dass ich eines Tages wiederkommen werde nach Burkina Faso und dann selbstverständlich auch zu AMPO!

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