AMPO Rundbrief Sommer 2019

Liebe Freunde aller unser AMPO-Projekte,

hier melde ich mich aus Ouagadougou bei Ihnen,  allen AMPO-Kindern geht es gut! Die Ferienzeit hat begonnen, die letzten Examen – außer dem Abitur – sind benotet und mal wieder dürfen wir Erfolge vermelden! Über die Ergebnisse der Mittleren Reife und der Grundschulprüfung berichtet unten der Leiter des Jungenwaisenhauses, Lamsa Bogni.

Nun sind unsere Höfe in den Waisenhäusern und im Haus MIA/ALMA täglich von Aktivitäten erfüllt, denn je nach Wunsch des Kindes, darf es tanzen lernen (traditionellen und modernen Tanz), kochen, Theater spielen, jonglieren und Einrad fahren. Noch dazu gibt es eine neue Sing- und Trommelgruppe für die Kleinsten. Schon nach drei mal drei Stunden sind sie bühnenreif! So wachen alle fröhlich auf, denn der Tag ist voller Freude. Endlich fliegen die Ranzen mal in die Ecke – bestimmt geht es Ihren Kindern in Europa genauso,  des tägliche Trott wurde aber auch zu und zu langweilig! Unsere Erzieher haben ein großartiges und langes Programm entwickelt, denn diesmal können wir auf Grund der Gefahrenlage nicht in unsere sonst so geliebte Ferienkolonie fahren. Wir bleiben also alle zusammen in der Stadt, werden jedoch viele Ausflüge in Museen, Theater und Werkstätten machen, schwimmen gehen, abends Kinofilme auf unserer Leinwand sehen und manchmal – in kleinen Gruppen – auf die Farm fahren, um dort mitzuhelfen. Vorlesen, Monopoly, Scrabble, Puzzle  und Tischtennis spielen, das sind so eher meine Aufgaben. Die beliebten Murmelwettkämpfe und natürlich Fußballmatches unter Begleitung der anfeuernden 30 Trommler und Trommlerinnen werden stattfinden.

Kurzum: für Vergnügen ist gesorgt, und das ist auch bitter nötig, denn inwendig sind hier alle Menschen von Angst erfüllt. Die Nachrichten aus dem Norden und Osten unseres Landes und aus dem Süden Malis sind grauenvoll. Täglich gibt es viele Tote, die Al-Quaida versucht die verschiedenen Ethnien gegeneinander aufzuwiegeln, tausende von Flüchtlingen sind unterwegs.
Dies alles zeichnete sich schon in den letzten Jahren ab, aber nun kommt es tatsächlich zu grausamen Massakern. Es ist so weit gekommen, dass ich einige unserer Projekte in den Vororten selbst, als Europäerin, gar nicht mehr besuchen darf. Sie liegen nun in der roten Zone, die Entführungsgefahr ist zu groß. In zehn von den zwölf Provinzen des Landes herrscht Ausnahmezustand, d.h. Menschen und Häuser können jederzeit durchsucht werden, abendliche Ausgangssperren sind befohlen. Die Reisemöglichkeiten sind eingeschränkt, wenn überhaupt, sollten Europäer mit bewaffneter Militäreskorte fahren.  Selbst beim kleinsten Einkauf im Supermarkt wird man elektronisch kontrolliert, in Restaurants und Banken genauso. Die Straßen  sind voller schwarzgekleideter Militärs auf Pick-Ups, immer schwer bewaffnet. Täglich werden die Autos mehrfach kontrolliert und durchsucht, leider werden immer wieder große Mengen an Waffen und Munition gefunden. Natürlich leidet als erstes die ärmere Bevölkerung, denn viele kleine Werkstätten haben keine Arbeit, Schneiderateliers haben keine Aufträge, Schüler leiden unter den vielen Streiks.

Dies meinem so geliebten friedlichen Burkina Faso und innerhalb so kurzer Zeit! Wo ist mein schönes Land geblieben, in dem wir nachts unsere Häuser gar nicht abschlossen und bei großer Hitze auf unseren Terrassen schliefen? Lange Reisen über unwegsame Straßen liebten wir, nahmen jeden mit, der am Wegrand stand, besuchten gastfreundliche Dörfer und schliefen beim Dorfchef auf dem Dach unter dem großen Sternenhimmel. Wo ist dies alles so plötzlich geblieben?

Heute weiß man nicht mehr, ob der neben einem betende Mann in der Kirche oder der Moschee nicht den Rucksack voller Bomben hat. Noch wissen wir nicht, wie die Wahlen nächstes Jahr stattfinden sollen – jeglicher Menschenauflauf ist zu meiden. Alle hoffen und beten für eine Besserung dieser entsetzlichen Bedrohungen.

Und doch: Zuversicht ist angesagt, darum bemüht sich ein jeder. Mein Mann sagt: „Früher war Zuversicht unsere tägliche Freude, heute ist sie harte Arbeit geworden.“ Über die tägliche Arbeit vergessen wir oft unseren Kummer, nach wie vor wird immer wieder viel gelacht. Noch mehr als früher leben wir ganz bewusst und freuen uns über jede Stunde ohne schreckliche Nachrichten. Unsere gemeinsamen Gebete helfen uns, egal welcher Religion!

Kaum noch Herr werden wir der vielen Patienten in unserer AMPO – Krankenstation. Seit Wochen streikt das Gesundheitswesen in Burkina Faso, deshalb sind wir überlaufen. Mehr als doppelt so viele Menschen suchen uns auf, in der Verbandsstation haben sich die Besuche sogar verdreifacht. Noch einmal und immer wieder bedanken wir uns bei der AHK Berlin, die ein ganzes Jahr lang die hohen Kosten der Krankenstation trägt! Ohne die AHK würden tausende von armen Menschen nicht behandelt werden können, viele von ihnen sterben. Bitte helfen Sie uns nächstes Jahr bei der Finanzierung! Es ist so unendlich wichtig, die meisten unserer nun 70.000 Patienten sind Babies, geben Sie ihnen eine Chance zum Überleben, spenden Sie!

Anfang Juni fand in Hamburg der Weltkongress der Rotarier statt. Dank des Clubs Jever-Wittmund bekam AMPO dort einen Stand. Täglich standen wir dort mit unserem Behindertendreirad und bekamen sehr viel Zuspruch. Vielleicht gelingt uns nächstes Jahr eine Reise quer durch die USA, um mehr Rotarier zu einer Spende zu bewegen! Die Schweizer Rotarier sind sehr großzügig und schenken uns die Ausbildung von vier behinderten jungen Menschen zum Schweißer, in unserer Rollstuhlwerkstatt. Diese muss dafür vergrößert werden, den Bau finanziert die Katrin Rohde-Stiftung. Dazu noch den Ausbau eines ehemaligen Magazins zu einem Klassenzimmer, denn wenn wir dieses haben, dürfen wir endlich selbst duale Ausbildung betreiben, d.h. unsere jungen Serviererinnen, Friseurinnen, Schneider und Köchinnen bekommen theoretischen Unterricht, den die KfW finanziert. Ja, Glück muss man haben! Zu verdanken haben wir dies unserem afrikanischen Direktorenteam, das dort einen Antrag gestellt hat. Überhaupt sind die Direktoren fleißig und findig und arbeiten großartig gemeinsam, ich bin stolz.

 

Und die Vorbereitungen auf das nächste Jahr laufen, 25 Jahre AMPO! Wer hätte das gedacht, als ich damals ratlos auf der Müllkippe stand, die uns der Staat für ein Waisenhaus zur Verfügung gestellt hatte! In diesen 25 Jahren habe ich viele hochfliegende Projekte aus dem Ausland hier grandios starten – und leider auch elend wieder eingehen sehen. Der Erfolg von AMPO liegt darin, nur mit erfahrenen Afrikanern zusammenzuarbeiten, die ihr Land selber entwickeln wollen und darin, die Langsamkeit vieler Entwicklungen hier geduldig in Kauf zu nehmen. Es wird schon, es braucht hier nur seine Zeit, und das ist eben afrikanisch und richtig so.

Auch überall in Deutschland wird es viele Projekte, Ausstellungen, Modenschauen, Wettkämpfe, Vorträge und Konzerte geben zu unserem 25. AMPO-Geburtstag. Machen Sie mit, fragen sie mal nach in den Geschäftsstellen von Sahel e.V. und Freunde für AMPO in Berlin.

Mitmachen bringt Ihnen sicherlich Freude und Spaß  – und Zusammengehörigkeit mit uns, hier so weit weg im tropischen Süden –  so gefährdet zur Zeit. Wir brauchen Freunde und Hilfe mehr denn je, bleiben Sie bei uns und mit uns zusammen!

 

 


 

Liebe Freunde von Ampo,

alle Kinder, die AMPO aufnimmt, werden eingeschult, um ihnen eine bessere Zukunft im Leben zu geben.

Neben dem Schulunterricht werden ihnen Nachhilfelehrer für verschiedene Fächer zur Verfügung gestellt, damit sie gute Ergebnisse erzielen können. Jeden Abend machen die Schüler in kleinen Gruppen unter der Aufsicht der Erzieher ihre Hausaufgaben. Morgens werden die Schultaschen und Ranzen überprüft, bevor die Kinder zur Schule gehen – auf dem Schulweg sind die Erzieher wegen der hohen Unfallgefahr dabei.

Unser AMPO- Notendurchschnitt wird sowohl von den AMPO-Mitarbeitern als auch von den Schulverwaltungen positiv beurteilt. Schule ist hier sehr schwer, leider haben wir das französische Lehrsystem mit seitenlangem Auswendiglernen… darum möchte unsere Mama Katrin auch immer, dass es zum Ausgleich viel Spaß und Sport und Spiel gibt.

Die jährlichen Ergebnisse der Prüfungen werden immer sehnsüchtig von allen bei AMPO erwartet, alle Daumen werden fest für unsere Kinder gedrückt!

Bei AMPO dürfen wir uns über zufriedenstellende Ergebnisse bei den Prüfungen freuen. Die Erfolgsquote von 77,5% bei AMPO ist doppelt so hoch als die nationale Erfolgsquote, die bei 36% liegt.

Dieses Jahr haben 7 Kinder von den 9 Kandidaten die Grundschulprüfung bestanden. Von den 14 Schülern, die die mittlere Reife gemacht haben, haben 10 die Prüfung bestanden.

Herzlichen Glückwunsch und für alle die nicht bestanden haben: einfach das nächste Jahr besser machen, kein Problem!

Lamsa Bogni, Leiter des Jungswaisenhauses


 

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